Wohnhaus
Scharnhorststraße 5 · Nippes
| Baudenkmalnummer | DE_05315000_A_7548 |
|---|---|
| Typ | Gebäude-Denkmal |
| Bezeichnung | Wohnhaus |
| Adresse | Scharnhorststraße 5, 50733 Köln |
| Baujahr | 1905 |
| Eigentum | privates Eigentum |
| Eingetragen seit | 04.08.1995 |
| Stadtteil | Nippes |
Erbaut um 1905, auf rechteckiger Grundfläche mit rückwärtigem Seitenflügel, 4 Geschosse, ausgebautes Dachgeschoß, Mansardgiebeldach, 3 Achsen, Stuckgliederungen in Formen des Jugendstils, Mittelrisalit auf rechteckiger Grundfläche mit abschließendem Balkon, Eingang links, Eingangstür erneuert, Oberlicht geschlossen, Fenster im Erdgeschoß mit korbbogigem oberen Abschluß, in den Obergeschossen mit geraden Abschlüssen, im Risalit breite zum Teil dreifach zusammengefaßte Fenster, alle straßenseitigen Fenster (Holz) erneuert (im Erdgeschoß Oberlichter zum Teil geschlossen).
Rückseite: roter Backstein mit Gliederungen in gelb, Vorderhaus zweiachsig, Seitenflügel vierachsig, einachsiger risalitartiger Vorbau, teilweise unterkellerter Hofbereich (Waschküche), durch Glasbausteine belichtet. Fenster und Hoftür mit segmentbogigem oberen Abschluß, alle rückwärtigen Fenster der Wohnungen und die Hoftür erneuert. Treppenhausfenster original, zweiteilig mit Oberlicht.
Im Innern: Vestibül: mehrfarbige Bodenfliesen mit Jugendstildekor, einheitlicher Wand- und Deckenstuck: Korbbogenwölbung gegliedert durch Gurte, Durchgang zum Treppenhaus von Stuckkonsolen getragen. Treppenhaus: Terrazzotreppe mit Holzgeländer, Handlauf und Antrittspfosten in Holz, Podeste mit Terrazzobodenbelag und Bordüre.
Im Innern original erhalten: Holzdielenböden, in den Obergeschossen originale Türgewände und verglaste Türen, Deckenstuck.
Straßenseitiger Ziergarten, Einfriedung durch gemauerte Pfeiler mit Abdeckplatte, gußeiserne Vergitterung.
Rückwärtiger Hof- und Gartenbereich mit originaler Einfriedungsmauer in Backstein.
Im Gebiet des heutigen Stadtteils Nippes sind Ansätze industrieller Produktion bereits ab 1800 nachweisbar; diese Entwicklung setzte sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts fort und ließ den 1888 zu Köln eingemeindeten Stadtteil zu einem wichtigen Industriestandort heranwachsen. Die Neusser Straße - eine ursprünglich römische Straße - gewann durch die neuen Fabrikstandorte und die zunächst in deren unmittelbarer Nachbarschaft sich konzentrierende Wohnbebauung an Bedeutung für den sich ausweitenden Vorort. Seit der Mitte des 19. Jahrhunderts wuchs der Ort, dessen Hauptverkehrsachsen die Mauenheimer-, Merheimer- und Niehler Straßen bildeten, rasch an. Diese Entwicklung ist begründet in der räumlichen Nähe zur Kölner Innenstadt und in der verkehrsgünstigen Anbindung durch einen eigenen Bahnhof. Es entstanden neue Wohnbereiche beiderseits der Kempener Straße (um die damals errichteten Kirchenbauten St. Marien und die Lutherkirche). Um die Jahrhundertwende bis ca. 1914 wurden nördlich der Mauenheimer- und Florastraße, die Wohngebiete um den Leipziger- und Erzberger Platz erschlossen; das übrige Vorortgebiet weitete sich bis zum Inneren Grüngürtel nach Süden aus. Im wesentlichen prägen bis 1900 entstandene zwei- bis dreigeschossige, oft drei Fenster breite Wohnhäuser in Backstein mit sparsamen Dekorationsformen, und bis ins frühe 20. Jahrhundert geschaffene drei- bis viergeschossige Bauten mit teilweise reich dekorierten Fassaden in Stuckarchitektur den Stadtteil.
Die Scharnhorststraße liegt nördlich der alten Achse Flora-/Mauenheimer Straße. In der Zeit von 1900 bis 1910 wurde die Scharnhorst- wie auch benachbart gelegene Straßen (Yorck-, Blücher- und Waterloostraße) systematisch für eine Bebauung durch mehrgeschossige Miethäuser erschlossen. Diese gruppieren sich um die 1905 nach dem Entwurf von Fritz Encke geschaffene große rechteckige Grünanlage Leipziger Platz. Erschließung und Erstbebauung der Scharnhorststraße sind in einem städtebaulichen Zusammenhang zu sehen. Dieser entspricht sozialgeschichtlich einer um die Jahrhundertwende mit relativer Stagnation der industriellen Entwicklung einsetzenden Wandlung des Industriestandortes Nippes zum beliebten Wohnort auch wohlhabenderer Schichten des Mittelstandes. Die Gebäude der Scharnhorststraße dokumentieren eine weitgehend geschlossene Zeile der erhalten gebliebenen Erstbebauung. Trotz mancher Verluste an historischer Substanz zeigt die Straße ein für die Zeit kurz nach der Jahrhundertwende charakteristisches - vom Jugendstil beeinflußtes historistisch-variantenreiches - Erscheinungsbild der Fassaden drei- bis viergeschossiger, auf mittelständische Kreise zugeschnittener Mietwohnbauten.
Das Haus Nr. 5 im Kreuzungsbereich zur Neusser Straße gelegen zeigt eine individuell gestaltete Schaufassade mit zeitgemäß modernen Jugendstildekorationen (Fugenschnitt, Stockwerkgesims, Zusammenfassung des ersten und zweiten Obergeschosses durch vereinheitlichende Formen: im Mittelrisalit zu Dreiergruppe zusammengefaßte Fenster, barockisierende Fensterverdachungen in Abwandlung des Karniesbogens, niedriger Ziergiebel flankiert von Gaupen in den Achsen mit Bogenverdachung, aufwendiger Jugendstilzierat in Form von grotesken Masken an den Keilsteinen, Blattwerk in den Bogenfeldern). Das Gebäude ist ein Beispiel für die repräsentative, gestalterisch aufwendige Mietwohnarchitektur zu Anfang unseres Jahrhunderts in Nippes.
Aufgrund des weitgehend erhaltenen Originalzustands, insbesondere der straßenseitigen Schauseite, der Entrée, des Treppenhauses und der Wohnräume mit an bürgerliche Architektur- und architektonische Hoheitsformen anknüpfende Gestaltung ist das Gebäude für das Erscheinungsbild der Scharnhorststraße und als Dokument sowohl des Sozialstatus' als auch der Repräsentationsbestrebungen seiner Erbauer und Bewohner von Bedeutung. Die in unmittelbarer Nachbarschaft gelegenen Gebäude (Nrn. 4, 8, 1 - 11 sowie in der Yorckstraße) weisen aufeinander bezogene Fassaden mit Mittelrisaliten, -erkern und Ziergiebeln auf und bilden mit der Nr. 5 ein Ensemble historistischer Stadtarchitektur. Das Objekt ist aufgrund seiner bemerkenswerten Gestaltung für die Architektur des Stadtteils Nippes ein unverzichtbares Beispiel.
Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0