Wohnhaus

Lohsestraße 64 · Nippes

Baudenkmalnummer DE_05315000_A_7565
Typ Gebäude-Denkmal
BezeichnungWohnhaus
Adresse Lohsestraße 64, 50733 Köln
Baujahrum 1880
Eigentumprivates Eigentum
Eingetragen seit 04.08.1995
Stadtteil Nippes

Erbaut um 1880, auf rechteckiger Grundfläche mit rückwärtigem Anbau, 2 Geschosse, ausgebautes Dachgeschoß (verändert), Satteldach, 3 Achsen, Sockel verputzt, scharriert, Backsteinfassade, gelb, Eingang linke Achse, Eingang und straßenseitige Fenster mit segmentbogigem oberen Abschluß, Haustür original, alle straßenseitigen Fenster erneuert (im Erdgeschoß Oberlichter geschlossen). Rückseite: verputzt, Anbau zweiachsig, Fenster mit segmentbogigem oberen Abschluß, Hoftür original, alle rückwärtigen Fenster erneuert, Dachterrasse auf dem Anbau später hinzugefügt. Im Innern: Vestibül: sparsam stuckierter Rundbogendurchgang zum Treppenhaus, Holztreppe, Antritts- und Zwischenpfosten, Geländer mit Handlauf in Holz. In der Obergeschoßwohnung Holzdielenböden, Türen und Gewände z. T. original.

Anbau nicht unterkellert.

Rückwärtiger Garten mit Einfriedungsmauer in Backstein, verputzt, abgedeckt mit Dachziegeln.

Im Gebiet des heutigen Stadtteils Nippes sind Ansätze industrieller Produktion bereits ab 1800 nachweisbar; diese Entwicklung setzte sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts fort und ließ den 1888 zu Köln eingemeindeten Stadtteil zu einem wichtigen Industriestandort heranwachsen.

Die Neusser Straße - eine ursprünglich römische Straße - gewann durch die neuen Fabrikstandorte und die zunächst in deren unmittelbarer Nachbarschaft sich konzentrierende Wohnbebauung an Bedeutung für den sich ausweitenden Vorort.

Seit der Mitte des 19. Jahrhunderts wuchs der Ort, dessen Hauptverkehrsachsen die Mauenheimer-, Merheimer- und Niehler Straße bildeten, rasch an. Diese Entwicklung ist begründet in der räumlichen Nähe zur Kölner Innenstadt und in der verkehrsgünstigen Anbindung durch einen eigenen Bahnhof. Es entstanden neue Wohnbereiche beiderseits der Kempener Straße (um die damals errichteten Kirchenbauten St. Marien und die Lutherkirche). Im wesentlichen prägen bis 1900 entstandene Wohnhäuser in Backstein mit sparsamen Dekorationsformen, und bis ins frühe 20. Jahrhundert geschaffene drei- bis viergeschossige Bauten mit teilweise reich dekorierten Fassaden in Stuckarchitektur den Stadtteil.

Westlich der Achse der ehemaligen Bahnlinie Köln-Neuss-Krefeld, der heutigen Kempener Straße, entstand im Zuge der 1859/69 gegründeten zentralen Eisenbahnwerkstätte ein Komplex von Wohnbauten für die dort Beschäftigten. Die Bezeichnung "Sechzig" für den Ortsteil weist auf das zu diesem Zweck damals erworbene Gelände von 60 Morgen Größe hin. Im Zusammenhang dieses schnell und planmäßig ausgebauten Bereichs mit geregelter Straßenführung und gleichmäßiger Parzellierung wurde auch die Bebauung der Lohsestraße errichtet. Angelegt um 1880, verbindet sie - wie die parallele Holbeinstraße - das Sechzig-Viertel mit der Neusser Straße und ist im Abschnitt westlich der Auguststraße bis heute geprägt durch schlichte zweigeschossige Wohnhäuser aus der Zeit der Erstbebauung in den 1880er Jahren. Erhalten sind beidseitig stehende größere geschlossene Hausgruppen, die durch Zweigeschossigkeit und dreiachsige Fassaden in einfacher, oft backsteinsichtiger Ausführung charakterisiert sind. Insbesondere die linke Straßenseite mit der noch annähernd geschlossenen Zeile traditioneller Dreifensterhäuser (Nrn. 49, 51, 55 - 65) hat das historische Erscheinungsbild einer Wohnstraße des kleinbürgerlichen Mittelstandes weitgehend bewahrt. Auch die rechte Straßenzeile mit den Häusern 46 - 58 und 62 - 68, die in Architektur- und Dekorformen weitgehend übereinstimmen (Backsteinfassaden), bildet eine relativ geschlossene Häusergruppe. Das im Kreuzungsbereich Siebach-, August-, Christophstraße gelegene Haus Nr. 64 ist Bestandteil dieses Ensembles. Das zweigeschossige, dreiachsige Gebäude mit kurzem Anbau und rückwärtigem Garten gehört in die Reihe des für Köln charakteristischen kleinbürgerlichen, bescheidenen Wohnkomfort bietenden Gebäudes auf rechteckiger Grundfläche. Die Backsteinfassade gewinnt ihre Wirkung aus der strengen Fensteraxialität, der horizontalen Gliederung durch segmentbogige Verdachungen und der plastischen Ausbildung eines Konsoltraufgesimses. Das Gebäude ist sowohl in orts- wie bauhistorischer Hinsicht als auch im städtebaulichen Zusammenhang ein unverzichtbares Dokument der älteren gründerzeitlichen Wohnhausarchitektur in Nippes, die unbedingt zu erhalten ist.

Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0