Wohnhaus
Lohsestraße 66 · Nippes
| Baudenkmalnummer | DE_05315000_A_8395 |
|---|---|
| Typ | Gebäude-Denkmal |
| Bezeichnung | Wohnhaus |
| Adresse | Lohsestraße 66, 50733 Köln |
| Baujahr | um 1880 |
| Eigentum | privates Eigentum |
| Eingetragen seit | 04.03.1999 |
| Stadtteil | Nippes |
Erbaut um 1880, auf rechteckiger Grundfläche mit rückwärtigem Seitenflügel, 2 Geschosse, ausgebautes Dachgeschoß, Satteldach, Dachgaupe nachträglich eingefügt.
Fassade:
3 Achsen, Backsteinfassade in Formen des Historismus mit Anklängen an gotische Formen, weiß geschlämmt; Sockel bis Sohlbankhöhe verändert; reich profiliertes Stockwerk- und Traufgesims, eingelegter Blattwerkfries in Stuck; im Obergeschoß durchgehende Sohlbank in Verbindung mit dem Stockwerkgesims, Traufgesims mit Spitzbogenfries auf Konsolen, gerundete und profilierte Formsteine; Eingang rechte Achse, oberer Abschluß von Eingang und straßenseitigen Fenstern mit abgerundeten Ecken, breiter Schlußstein in Backstein; Haustür mit Oberlicht erneuert (Kunststoff). Alle straßenseitigen Fenster in Holz erneuert (Einscheibenfenster mit Oberlicht).
Das o. g. Baudenkmal ist ein Baudenkmal im Sinne von § 2 Abs. 1 und 2 des Denkmalschutzgesetzes Nordrhein-Westfalen (DSchG). Das für die Qualifizierung als Baudenkmal notwendige öffentliche Interesse ist gegeben, da dieses Denkmal sowohl bedeutend für die Geschichte des Menschen und für Städte und Siedlungen ist, als auch künstlerische, wissenschaftliche, volkskundliche und städtebauliche Gründe für seine Entwicklung und Nutzung vorliegen. Das ergibt sich aus Folgendem:
Im Gebiet des heutigen Stadtteils Nippes sind Ansätze industrieller Produktion bereits ab 1800 nachweisbar; diese Entwicklung setzte sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts fort und ließ den 1888 zu Köln eingemeindeten Stadtteil zu einem wichtigen Industriestandort heranwachsen.
Die Neusser Straße – eine ursprünglich römische Straße – gewann durch die neuen Fabrikstandorte und die zunächst in deren unmittelbarer Nachbarschaft sich konzentrierende Wohnbebauung an Bedeutung für den sich ausweitenden Vorort.
Seit der Mitte des 19. Jahrhunderts wuchs der Ort, dessen Hauptverkehrsachsen die Mauenheimer-, Merheimer- und Niehler Straße bildeten, rasch an. Diese Entwicklung ist begründet in der räumlichen Nähe zur Kölner Ínnenstadt und in der verkehrsgünstigen Anbindung durch einen eigenen Bahnhof. Es entstanden neue Wohnbereiche beiderseits der Kempener Straße (um die damals errichteten Kirchenbauten St. Marien und die Lutherkirche). Im wesentlichen prägen bis 1900 entstandene zwei- bis dreigeschossige, oft drei Fenster breite Wohnhäuser in Backstein mit sparsamen Dekorationsformen, und bis ins frühe 20. Jahrhundert geschaffene drei- bis viergeschossige Bauten mit teilweise reich dekorierten Fassaden in Stuckarchitektur den Stadtteil.
Westlich der Achse der ehemaligen Bahnlinie Köln – Neuss – Krefeld, der heutigen Kempener Straße, entstand im Zuge der 1859/60 gegründeten zentralen Eisenbahnwerkstätte ein Komplex von Wohnbauten für die dort Beschäftigten. Die Bezeichnung „Sechzig“ für diesen Ortsteil weist auf das zu diesem Zweck damals erworbene Gelände von 60 Morgen Größe hin. Im Zusammenhang dieses schnell und planmäßig ausgebauten Bereiches mit geregelter Straßenführung und gleichmäßiger Parzellierung wurde auch die Bebauung der Lohsestraße errichtet. Angelegt um 1880, verbindet sie – wie die parallele Holbeinstraße – das Sechzig-Viertel mit der Neusser Straße und ist im Abschnitt westlich der Auguststraße bis heute geprägt durch schlichte zweigeschossige Wohnhäuser aus der Zeit der Erstbebauung in den 1880er Jahren. Erhalten sind beidseitig stehende größere geschlossene Hausgruppen, die durch Zweigeschossigkeit und dreiachsige Fassaden in einfacher, z. T. backsteinsichtiger Ausführung charakterisiert sind. Insbesondere die linke Straßenseite mit der noch annähernd geschlossenen Zeile traditioneller Dreifensterhäuser , z. T. mit verhalten dekorierten Putzfassaden (Nrn. 49/51, 55 – 65) hat trotz einiger purifizierter Fassaden das historische Erscheinungsbild einer Wohnstraße des kleinbürgerlichen Mittelstandes weitgehend bewahrt.
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Auch die rechte Straßenzeile mit den Häusern 46 – 58 und 62 – 68, die in Architektur- und Dekorformen weitgehend übereinstimmen, bildet eine relativ geschlossene Häusergruppe.
Das im Kreuzungsbereich zur Siebachstraße gelegene Haus Nr. 66 ist Bestandteil dieses Ensembles. Das zweigeschossige, dreiachsige Gebäude mit Seitenflügel und rückwärtigem Garten gehört in die Reihe des für Köln charakteristischen kleinbürgerlichen, bescheidenen Wohnkomfort bietenden Gebäudes auf rechteckiger Grundfläche. Die Backsteinfassade gewinnt ihre Wirkung aus der strengen Fensteraxialität, der horizontalen Gliederung durch reich gebildete Gesimse mit geraden Fensterabschlüssen. Das Gebäude ist aufgrung der weitgehenden Erhaltung der Straßenfront mit aufwendiger Gestaltung sowohl in orts- wie in bauhistorischer Hinsicht als auch im städtebaulichen Zusammenhang des Ensembles Lohsestraße/Holbeinstraße ein unverzichtbares Dokument der älteren gründerzeitlichen Wohnhausarchitektur in Nippes, die unbedingt zu erhalten ist.
Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0