Wohnhaus

Antwerpener Straße 26 · Neustadt/Nord

Baudenkmalnummer DE_05315000_A_7727
Typ Gebäude-Denkmal
BezeichnungWohnhaus
Adresse Antwerpener Straße 26, 50672 Köln
Baujahrum 1900
Eigentumprivates Eigentum
Eingetragen seit 11.01.1996
Stadtteil Neustadt/Nord

Erbaut um 1900, auf unregelmäßig trapezförmiger Grundfläche mit rückwärtigem Flügelbau und Hinterhaus.

Fassade: 4 Geschosse, ausgebautes Dachgeschoß, Mansardgiebeldach, 3 Achsen, Stuckfassade in Formen des Jugendstils, Erker auf rechteckiger Grundfläche im 1. Obergeschoß, ab dem 2. Obergeschoß auf trapezförmiger Grundfläche (dort flankierende Zierbalkone) mit abschließendem Balkon, Ziergiebel, Eingang in der rechten Achse mit geradem oberen Abschluß, Haustür erneuert, Fenster im Erdgeschoß mit segmentbogigem oberen Abschluß, Fenster der Obergeschosse mit geradem oberen Abschluß, Erkerfenster im 1. Obergeschoß mit Rundbogenabschluß, alle straßenseitigen Fenster erneuert (Kunststoff mit Oberlicht).

Rückseite: Vorderhaus: Erdgeschoß Backstein, erkerartiger Vorbau in den Obergeschossen, verputzt, im Gebäudewinkel Balkone (weitgehend verändert). Seitenflügel: Backstein mit Horizontalgliederungen in gelbem Backstein, Traufgesims, 4 Achsen, Hofzugang im Rücksprung, Hoftür erneuert. Hinterhaus (vierseitig umbauter und asphaltierter Hof): verputzt, rückwärtige Fenster sowie die des Hinterhauses mit segmentbogigem oberen Abschluß, alle rückwärtigen Fenster sowie die des Hinterhauses erneuert (Kunststoff, Oberlichte), Treppenhausfenster z.T. original erhalten (Holz).

Im Inneren original erhalten: Treppenhaus: Bodenfliesen erneuert, Terrazzotreppe, geschmiedetes Stahlgeländer, Handlauf in Holz, Podeste in Terrazzo zweifarbig, Solnhofer Wandfliesen bis halbe Höhe (erneuert), Wohnungseingangstüren: im Erd- und 2. Obergeschoß erneuert, im 1. und 3. Obergeschoß original, zweiteilig, verglast mit Oberlicht. In den Wohnungen: in den Wohnräumen Parkettboden, in den Dielen z.T. Linoleum, in den Obergeschossen originale Türen und Gewände mit Jugendstilzierrat, Stuckdecken, im 2. Obergerschoß eine Balkenstuckdecke, auch in den Wohnräumen des Seitenflügels und Hinterhauses z.T. Deckenstuck.

Der rückwärtige Hof (nach Westen) mit originaler Einfriedungsmauer in Backstein (nachträglich aufgestockt um 3 Lagen) ist Bestandteil des Denkmals. Das an der Hofbegrenzung nach Norden anstehende Treppengebäude in Backstein zum unterkellerten Hof und der durch Glasbausteine belichtete Raum sind Bestandteil des Denkmals.

Das o.g. Objekt ist ein Baudenkmal im Sinne von § 2 Abs. 1 und 2 des Denkmalschutzgesetzes (DSchG NW). Das für die Qualifizierung als Baudenkmal notwendige öffentliche Interesse ist gegeben, da dieses Denkmal sowohl bedeutend für die Geschichte des Menschen, für Städte und Siedlungen ist, als auch künstlerische, wissenschaftliche und städtebauliche Gründe für seine Erhaltung und Nutzung vorliegen. Das ergibt sich aus Folgendem:

Die von H.J. Stübben geplante Kölner Neustadt gilt als bedeutendste Stadterweiterung des Deutschen Reiches im ausgehenden 19. Jahrhundert. Im Zuge ihrer 1881 beginnenden Durchführung entstand westlich der Ringe zwischen Gladbacher- und Zülpicher Straße das sogenannte "Westend", ein gutbürgerliches Wohnviertel, dessen Stadtorganismus geprägt ist von vornehmen, meist mit reicher Fassadengliederung versehenen Mietshäusern. Die Antwerpener Straße, die im wesentlichen in den Jahren um die Jahrhundertwende bebaut wurde (Blockraster mit parzellärer Bebauung), liegt wie auch die angrenzenden Parallelstraßen Genter-/Maastrichter- und Lütticher Straße im Geviert zwischen den Hauptverkehrsachsen Aachener- und Venloer Straße, östlich der baumbestandenen Allee Moltkestraße, im Westen begrenzt durch die Bahnlinie und den Grüngürtel und im Osten anschließend an den Hohenzollernring. Das Mietwohngebäude, die quantitativ gesehen wichtigste neue Bauaufgabe der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ist Bestandteil des neustädtischen Bauensembles mit vorwiegend viergeschossigen Häusern mit weit in den Blockinnenbereich ragenden Seitenflügeln und z.T. Hinterhäusern der Zeit des Historismus und des Jugendstils. Mit den anschließenden Wohnhäusern (Nrn. 28-34 und dem Eckhaus Brüsseler Straße 90) bildet es eine Reihe reich dekorierter Schauseiten mit Erkervorbauten und Ziergiebeln. Trotz mancher Verluste an historischer Substanz (Nrn. 24 sowie 19-29, 33) zeigt sich ein für die Zeit um die Jahrhundertwende charakteristisches - historistisch-variantenreiches Erscheinungsbild der Fassaden vier- bis fünfgeschossiger, auf mittelständische Kreise zugeschnittener Mietwohnbauten. Die Fassade des Hauses Nr. 26 ist prägender Teil dieses Zusammenhangs: sie zeigt sich als anspruchsvolle Variante des städtischen Wohngebäudes und verweist mit seiner breiten Schauseite auf den Sozialstatus seiner Erbauer und Bewohner. Aufgrund der sehr weitgehenden Erhaltung der Originalfassade, der rückwärtigen Fassaden, des Treppenhauses und z.T. der Interieurs ist das Objekt für die Architektur der nördlichen Neustadt und als Dokument der Repräsentationsbestrebungen um die Jahrhundertwende von hoher Bedeutung (Schmuckformen: Erdgeschoß: kräftiger Fugenschnitt, reiche konsolgetragene Verdachung des Eingangs (aus der Volutendekoration entwickelter, symmetrisch angeordneter Zierrat mit abschließendem Keilstein), Stockwerkgesims/Fries, die Fassade des 1. und 2. Obergeschosses mit Horizontalscharrur, konsolgetragener Erker: im 1. Obergeschoß Stellung von vier Rundbogenfenstern, bekrönendes Rundfeld mit Wappenschild der Stadt Köln, Abschluß der Erkerachse durch bogenförmigen Ziergiebel über einer Dreiergruppe von Rundbogenfenstern, Gaupenfenster mit profilierter Bogenwölbung). Die Häuserzeile der Antwerpener Straße setzt sich aus gestalterisch aufeinander bezogene Fassaden zusammen und bildet mit gleich proportionierten und variantenreich dekorierten Gebäuden ein Ensemble historistischer Architektur. Das Gebäude Nr. 26 ist für das Erscheinungsbild der Neustadt und als Zeugnis für die reiche städtisch geprägte Architektur der Jahrhundertwende ein wichtiger und unverzichtbarer Bestandteil.

Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0