Wohn- u. Geschäftshaus
Brüsseler Straße 67 · Neustadt/Nord
| Baudenkmalnummer | DE_05315000_A_7728 |
|---|---|
| Typ | Gebäude-Denkmal |
| Bezeichnung | Wohn- u. Geschäftshaus |
| Adresse | Brüsseler Straße 67, 50674 Köln |
| Baujahr | um 1902 |
| Eigentum | privates Eigentum |
| Eingetragen seit | 11.01.1996 |
| Stadtteil | Neustadt/Nord |
Erbaut um 1902, auf rechteckiger Grundfläche mit rückwärtigem Seitenflügel.
Fassade: Souterrain, 4 Geschosse, ausgebautes Dachgeschoß, Satteldach (straßenseitig), Mansardgiebeldach (rückseitig), 3 Achsen, Stuckfassade in Formen des Jugendstils, Souterrainfassade verändert, konsolgetragener Mittelerker auf rechteckiger Grundfläche, Dachgiebel in der Mittelachse verändert, Eingang in der rechten Achse, gerader oberer Abschluß, Haustür erneuert, Fenster mit geradem oberen Abschluß, bzw. ehemals z.T. mit bogenförmigem Abschluß, an allen straßenseitigen Öffnungen die Oberlichter geschlossen, straßenseitige Fenster erneuert (Kunststoff), Fenster des Hochparterres in Holz erneuert, Eingang und Schaufenster des Souterrains erneuert (Metall).
Rückseite: verputzt, Vorderhaus zweiachsig, breiter Rücksprung, Seitenflügel einachsig, auf Stahlkonstruktion später angefügte Balkone, alle rückwärtigen Fenster und Balkontüren erneuert (Kunststoff).
Im Inneren original erhalten: Vestibül: Terrazzotreppe, geschmiedetes Stahlgeländer, Handlauf in Holz, Treppe im Souterraingeschoß in Terrazzo, Holzgeländer, Antrittspfosten, Treppenhaus: Zwischenpodeste mit zweifarbigen Bodenfliesen belegt, Podeste mit Terrazzoboden, bis halbe Höhe nachträgliche Wandverkleidung mit Solnhofer Wandplatten, Terrazzotreppe, Geländer mit Stäben, Handlauf und Antrittspfosten in Holz, ab dem 3. Obergeschoß Stäbe und Handlauf in Metall, alle Wohnungseingangstüren erneuert, Treppenhausfenster in Kunststoff.
Wohnungsgrundrisse verändert.
Die gesamte eingeschossige Bebauung des Hofes und der rückwärtig eingeschossige Wintergarten im Bauverband zur Wohnung im Hochparterre (auf dem eingeschossigen Hofausbau) sowie der zweigeschossige Anbau im Bauverband des Seitenflügels mit Terrasse sind nicht Bestandteil des Denkmals.
Das o.g. Objekt ist ein Baudenkmal im Sinne von § 2 Abs. 1 und 2 des Denkmalschutzgesetzes (DSchG NW). Das für die Qualifizierung als Baudenkmal notwendige öffentliche Interesse ist gegeben, da dieses Denkmal sowohl bedeutend für die Geschichte des Menschen, für Städte und Siedlungen ist, als auch künstlerische, wissenschaftliche und städtebauliche Gründe für seine Erhaltung und Nutzung vorliegen. Das ergibt sich aus Folgendem:
Die von H.J. Stübben geplante Kölner Neustadt gilt als bedeutendste Stadterweiterung des Deutschen Reiches im ausgehenden 19. Jahrhundert. Im Zuge ihrer 1881 beginnenden Durchführung entstand westlich der Ringe zwischen Gladbacher- und Zülpicher Straße das sogenannte "Westend", ein gutbürgerliches Wohnviertel, dessen Stadtorganismus geprägt ist von vornehmen, meist mit reicher Fassadengliederung versehenen Mietshäusern. Die Brüsseler Straße, die im wesentlichen in den Jahren um die Jahrhundertwende bebaut wurde (Blockraster mit parzellärer Bebauung) liegt wie auch die angrenzenden Parallelstraßen Genter-/Maastrichter-/Antwerpener- und Lütticher Straße im Geviert zwischen den Hauptverkehrsachsen Aachener- und Venloer Straße, östlich der baumbestandenen Allee Moltkestraße, im Westen begrenzt durch die Bahnlinie und den Grüngürtel und im Osten anschließend an den Hohenzollernring. Das Mietwohngebäude, die quantitativ gesehen wichtigste neue Bauaufgabe der zweiten Hälfte des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts ist Bestandteil des neustädtischen Bauensembles mit vorwiegend viergeschossigen Häusern mit weit in den Blockinnenbereich ragenden Seitenflügeln und z.T. Hinterhäusern der Zeit des Historismus und des Jugendstils. Mit weiteren anschließenden Wohnhäusern bildet es eine Reihe reich dekorierter Schauseiten mit Erkervorbauten und Ziergiebeln. Trotz mancher Verluste an historischer Substanz (Nrn. 65 und 69) zeigt sich ein für die Zeit um die Jahrhundertwende charakteristisches - historistisch-variantenreiches Erscheinungsbild der Fassaden vier- bis fünfgeschossiger, auf mittelständische Kreise zugeschnittener Mietwohnbauten. Das Gebäude Nr. 67 ist prägender Teil dieses Zusammenhangs: es zeigt sich als anspruchsvolle Variante des städtischen Wohngebäudes und verweist mit seiner breiten Schauseite auf den Sozialstatus seiner Erbauer und Bewohner. Aufgrund der weitgehenden Erhaltung der Originalfassade, der rückwärtigen Fassaden, des Eingangsbereichs und des Treppenhauses ist das Bauwerk für die Architektur der nördlichen Neustadt und als Dokument der Repräsentationsbestrebungen um die Jahrhundertwende von hoher Bedeutung (Schmuckformen: Hochparterre und 1. Obergeschoß Quadermauerwerk in Stuck, scharriert, 2. und 3. Obergeschoß mit achsweiser Lisenengliederung und dekorativen Abschlüssen, Mittelerker mit reicher plastischer Volutendekoration, im 3. Obergeschoß auf trapezförmiger Grundfläche mit geschwungenem Brüstungsbereich). Die Häuserzeile der Brüsseler Straße setzt sich aus gestalterisch aufeinander bezogene Fassaden zusammen und bildet mit gleich proportionierten und variantenreich dekorierten Gebäuden ein Ensemble historistischer Architektur. Das Gebäude Nr. 67 ist für das Erscheinungsbild der Neustadt und als Zeugnis für die reiche städtisch geprägte Architektur der Jahrhundertwende ein wichtiger und unverzichtbarer Bestandteil.
Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0