Wohnhaus

Kasparstraße 47 · Neustadt/Nord

Baudenkmalnummer DE_05315000_A_7731
Typ Gebäude-Denkmal
BezeichnungWohnhaus
Adresse Kasparstraße 47, 50670 Köln
Baujahrum 1900
Eigentumprivates Eigentum
Eingetragen seit 11.01.1996
Stadtteil Neustadt/Nord

Erbaut um 1900, Eckgebäude zum Krefelder Wall auf unregelmäßiger Grundfläche.

Fassade: 4 Geschosse, ausgebautes Dachgeschoß, Mansardgiebeldach, 3:6 Achsen, abgeschrägte Ecke, Stuckfassade in Formen des Jugendstils, in den mittleren Achsen zum Krefelder Wall und an der abgeschrägten Ecke Ziergiebel, Erdgeschoßfassade (Kasparstraße) in der linken Achse z. T. verändert, Eingang (Kasparstraße) mit segmentbogigem oberen Abschluß, Haustür mit Oberlicht erneuert, Fenster mit segmentbogigem oberen Abschluß, im Erdgeschoß breite, dreigeteilte Fenster, alle straßenseitigen Fenster erneuert in Holz (Zweiteilung, Oberlichte, eingelegte Horizontalsprossen).

Rückseite: gelber Backstein (Erdgeschoß verputzt), Traufgesims, Hoftür erneuert, einzelne Fenster zugemauert, Fenster mit geradem bzw. flach segmentbogigem oberen Abschluß, alle rückwärtigen Fenster erneuert in Holz, die Treppenhausfenster in Kunststoff erneuert (dreigeteilt mit Oberlichten) folgen mit oberem Abschluß dem Treppenverlauf.

Im Inneren original erhalten: Vestibül: zweifarbiger Terrazzoboden mit Bordüre, Treppenhaus: im Erdgeschoß Terrazzoboden, originale Treppe mit Kunststein belegt, gerade mit gezogenen Stufen, Geländer und Handlauf in geschmiedetem Stahl, Podeste mit Terrazzo belegt, alle Wohnungseingangstüren erneuert. In den Wohnungen mit z. T. veränderten Grundrissen keine Originalsubstanz.

Die rückwärtige Einfriedungsmauer in Backstein, verputzt, ist Bestandteil des Denkmals.

Zwei eingeschossige Anbauten im rückwärtigen Hof sind nicht Bestandteil des Denkmals.

Die von Josef Stübben geplante Kölner Neustadt gilt als bedeutendste Stadterweiterung des Deutschen Reiches im ausgehenden 19. Jahrhundert. Die Bebauung des Erweiterungsgebietes erfolgte in mehreren Phasen und ließ zwischen Eigelstein und den preußischen Befestigungsanlagen Straßen mit Miethäusern für Bewohner mit unteren und mittleren Wohansprüchen entstehen.

Die Kasparstraße ist westlich der Riehler Straße unweit von Ebertplatz/Hansaring und Agneskirche im Kreuzungsbereich zum Krefelder Wall gelegen. Das sogenannte Dreikönigsviertel mit seinem Zentrum um die Hauptfeuerwache war ehemals ein Wohnquartier für die unteren und mittleren Einkommensschichten. Es wurde im wesentlichen im letzten Jahrzehnt des 19. und in den ersten Jahren des 20. Jahrhunders mit bescheidenen Großmiethäusern für eine sozial differenzierte Bewohnerschaft bebaut. Den Abschnitt der Kasparstraße zum Krefelder Wall hin charakterisieren aufwendigere Mietwohnbauten, die sich eher am Wohngepräge des Walls orientieren. Typisch sind hier reich gestaltete Hausfassaden mit Mittelbetonung und Ziergiebeln und im rückwärtigen Bereich Anbauten, Seitenflügel mit Seitenbauwohnungen sowie eine enge Hofsituation. Das Gebäude Kasparstr. 47 ist integraler Bestandteil der geschlossen erhalten gebliebenen Bebauung, die das Erscheinungsbild der Straße und den Charakter des Viertels dokumentiert und bewahrt. Als Teil der ursprünglichen planmäßigen Bebauung der Straße nach der Festlegung der Fluchtlinienpläne in den Jahren 1890 und 1893 ist das Gebäude Kasparstr. 47 mit weiteren Gebäuden der Straße im Bereich der Balthasar-, Melchior- und Aquinostraße und angrenzender Seitenstraßen Teil des städtebaulichen Ensembles von hauptsächlich vier- bis fünfgeschossigen und drei- bis vierachsigen Häusern mit historistischen- bzw. Jugendstilfassaden. Dem gehobenen mittelständischen Charakter des Wohnumfelds entspricht das Gebäude mit seiner wertvollen Fassadenarchitektur mit Mittel- und Eckbetonung durch Ziergiebel (Schmuckformen: im Erdgeschoß umlaufendes Kämpfergesims in Einheit mit den profilierten und keilsteinbekrönten segmentbogigen Fensterverdachungen, breites Stockwerkgesims/durchlaufende Sohlbänke, Gliederung der Obergeschoßfassaden durch horizontale, aufgelegte und scharrierte Gesimse und vertikale, scharrierte Lisenen, Traufgesims, profilierte Karniesbogenverdachungen der Ziergiebel). Das Gebäude Kasparstr. 47 veranschaulicht mit dem gegenüberliegenden Eckhaus Nr. 26 das ursprüngliche Erscheinungsbild, wobei hier - wie so oft bei der Eckbereichsbebauung - besonders ausgeprägte Lösungen hervorgebracht werden. Zur Straßenecke erscheint das Haus als gleichförmig gestaltete Anlage mit einem anschließenden, eine uniforme Gestaltung zeigenden Bauabschnitt zum Krefelder Wall. Der untiefe und rückwärtig weitgehend geschlossene Annexbau ist charakteristisch für die Eckbereichsbebauung, da durch diese Lösung eine zu enge und licht- und luftarme Hinterhofsituation durch in unmittelbarer Nähe anstehende rückwärtige Seitenflügel der Nachbarbebauung vermieden wird.

Aufgrund der Erhaltung wesentlicher Teile der Originalsubstanz, insbesondere der straßenseitigen Fassade mit aufwendigem Stuckdekor und der backsteinsichtigen Rückfassaden ist das Gebäude für das Erscheinungsbild der Neustadt und als Dokument sowohl des Sozialstatus als auch der Repräsentationsbestrebungen seiner Bewohner von Bedeutung. Die bauliche und gestalterische Einheit mit benachbarten und gegenüberliegenden Häusern setzt sich aus aufeinander bezogene Fassaden zusammen und bildet neben anderen gleich proportionierten und variantenreich dekorierten Gebäuden ein Ensemble historistischer Architektur. Während weitere Gebäude der Kasparstraße (Nrn. 20/22) und der gegenüberliegenden Häuserzeile am Krefelder Wall (Nrn. 11 - 15 und 17 - 27) im Zweiten Weltkrieg und später zerstört wurden, in modernen Formen wieder aufgebaut wurden oder als Neubauten entstanden, ist die äußere Gestalt des Gebäudes Nr. 47 weitgehend erhalten. Es ist Teil der um die Jahrhundertwende entstandenen massenhaften Mietwohnbebauung, deren Dekorationsprogramm die Entwicklung von den historisierenden Epochenstilen zu zeitgemäß modernen Formen in Gestalt des Jugendstils, zeigt.

Das Objekt ist für das Erscheinungsbild der Straße und als Zeugnis für die reiche Neustädter Architektur zu Anfang des 20. Jahrhunderts ein unverzichtbares Beispiel.

Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0