Wohnhaus
Kasparstraße 45 · Neustadt/Nord
| Baudenkmalnummer | DE_05315000_A_7771 |
|---|---|
| Typ | Gebäude-Denkmal |
| Bezeichnung | Wohnhaus |
| Adresse | Kasparstraße 45, 50670 Köln |
| Baujahr | 1890 bis 1903, 1948 |
| Eigentum | privates Eigentum |
| Eingetragen seit | 01.02.1996 |
| Stadtteil | Neustadt/Nord |
Erbaut um 1895-98, auf rechteckiger Grundfläche mit rückwärtigem Vorbau, teilkriegszerstört, 1948 Wiederaufbau.
Fassade: 4 Geschosse, ausgebautes Dachgeschoß, Satteldach (Trauf-/Dachansatzzone verändert), 5 Achsen, Stuckfassade in Formen des Klassizismus und des Jugendstils, Eingang in der Mittelachse mit geradem oberen Abschluß, Haustür mit Oberlicht in Holz erneuert, Fenster mit geradem oberen Abschluß, alle straßenseitigen Fenster erneuert (Kunststoff, Einscheibenfenster mit Oberlicht).
Rückseite: verputzt, 5 Achsen, Vorbau über die drei Mittelachsen mit abgerundeter Ecke,Hoftür und Fenster mit segmentbogigem oberen Abschluß, alle rückwärtigen Fenster erneuert (Kunststoff, Einscheibenfenster mit Oberlicht), Treppenhausfenster in Metall mit Sprossenteilung.
Im Inneren original erhalten: Vestibül: Terrazzoboden, dreifarbig mit Mittelbetonung und Bordüre, Bogendurchgang zum Treppenhaus, im Erdgeschoß Terrazzoboden, Terrazzotreppe, gestrichen, Geländer mit Handlauf in Metall erneuert. In den Wohnungen keine Originalsubstanz.
Die rückwärtige verputzte Einfriedungsmauer ist Bestandteil des Denkmals.
Die von Josef Stübben geplante Kölner Neustadt gilt als bedeutendste Stadterweiterung des Deutschen Reiches im ausgehenden 19. Jahrhundert. Die Bebauung des Erweiterungsgebietes erfolgte in mehreren Phasen und ließ zwischen Eigelstein und den preußischen Befestigungsanlagen Straßen mit Miethäusern für Bewohner mit unteren und mittleren Wohansprüchen entstehen.
Die Kasparstraße ist westlich der Riehler Straße unweit von Ebertplatz/Hansaring und Agneskirche im Kreuzungsbereich zum Krefelder Wall gelegen. Das sogenannte Dreikönigsviertel mit seinem Zentrum um die Hauptfeuerwache war ehemals ein Wohnquartier für die unteren und mittleren Einkommensschichten. Es wurde im wesentlichen im letzten Jahrzehnt des 19. und in den ersten Jahren des 20. Jahrhunders mit bescheidenen Großmiethäusern für eine sozial differenzierte Bewohnerschaft bebaut. Den Abschnitt der Kasparstraße zum Krefelder Wall hin charakterisieren aufwendigere Mietwohnbauten, die sich eher am Wohngepräge des Walls orientieren. Typisch sind hier reich gestaltete Hausfassaden mit Mittelbetonung und Ziergiebeln und im rückwärtigen Bereich Anbauten, Seitenflügel mit Seitenbauwohnungen sowie eine enge Hofsituation. Das Gebäude Kasparstr. 45 ist integraler Bestandteil der geschlossen erhalten gebliebenen Bebauung, die das Erscheinungsbild der Straße und den Charakter des Viertels dokumentiert und bewahrt. Als Teil der ursprünglichen planmäßigen Bebauung der Straße nach der Festlegung der Fluchtlinienpläne in den Jahren 1890 und 1893 ist das Gebäude Kasparstr. 45 mit weiteren Gebäuden der Straße im Bereich der Balthasar-, Melchior- und Aquinostraße und angrenzender Seitenstraßen Teil des städtebaulichen Ensembles von hauptsächlich vier- bis fünfgeschossigen und drei- bis vierachsigen Häusern mit historistischen- bzw. Jugendstilfassaden. Dem geringe Wohnansprüche genügenden Wohnumfeld entspricht das Gebäude mit seiner fünfachsigen, über alle Geschosse gleichförmigen Dekoration der Fassadenarchitektur ohne Vorbauten in Form von Erker, Risalit oder Ziergiebel. Auch das niedrig gehaltene Erdgeschoß ist Indiz für die einfache Wohnqualität des Gebäudes (Schmuckformen: breitgelagerte fünfachsige Fassade, im Erdgeschoß Horizontalfugenschnitt, Keilstein, breites Stockwerkgesimse/durchlaufende Sohlbänke, in der Belétage gekröpft, im 1. Obergeschoß waagrechte profilierte Fensterverdachungen mit bekrönenden Halbrundfeldern, Einschluß von Kartuschen, 2. und 3. Obergeschoß waagrechte Verdachungen mit Mittelbekrönung). Das Gebäude Kasparstr. 45 veranschaulicht mit weiteren Nachbargebäuden (Nrn. 43 und 47) das ursprüngliche Erscheinungsbild, während andere Gebäude der Straße (Nrn. 18-22) als Nachkriegsneubauten und die Nrn. 39/41 mit verödeten Fassaden erscheinen. Aufgrund der Erhaltung wesentlicher Teile der Originalsubstanz, insbesondere der straßenseitigen Fassade mit aufwendigem Stuckdekor, der Rückfassade und des Treppenhauses ist das Gebäude für das Erscheinungsbild der Neustadt und als Dokument sowohl des Sozialstatus als auch der Repräsentationsbestrebungen seiner Bewohner von Bedeutung. Die bauliche und gestalterische Einheit mit benachbarten und gegenüberliegenden Häusern setzt sich aus aufeinander bezogene Fassaden zusammen und bildet neben anderen gleich proportionierten und variantenreich dekorierten Gebäuden ein Ensemble historistischer Architektur. Es ist Teil der um die Jahrhundertwende entstandenen massenhaften Mietwohnbebauung, deren Dekorationsprogramm die Entwicklung von den historisierenden Epochenstilen zu zeitgemäß modernen Formen in Gestalt des Jugendstils, zeigt.
Das Objekt ist für das Erscheinungsbild der Straße und als Zeugnis für die reiche Neustädter Architektur des späten 19. Jahrhunderts ein unverzichtbares Beispiel.
Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0