Wohnhaus

Schmiedegasse 34 · Weidenpesch

Baudenkmalnummer DE_05315000_A_7740
Typ Gebäude-Denkmal
BezeichnungWohnhaus
Adresse Schmiedegasse 34, 50735 Köln
Baujahrum 1910
Eigentumprivates Eigentum
Eingetragen seit 11.01.1996
Stadtteil Weidenpesch

Erbaut um 1910, Villa (ehemaliges Pfarrhaus von St. Stephan) auf dem Eckgrundstück zur Jesuitengasse, auf annähernd quadratischer Grundfläche mit eingeschossigen Ausbauten, hohes Kellergeschoß, zwei Geschosse, ausgebautes Dachgeschoß, Schopfwalmdach, abgewinkelt. Zwei Kamine auf rechteckiger Grundfläche und giebelförmig zulaufend sowie mit Ziegeln gedeckt korrespondieren mit den Pfeilern der Einfriedungsmauer. Putzfassade, Heimatstil, 3:3 Achsen, Altan mit eigenem Fußwalmdach, zwei Ziergiebel mit Satteldächern. An der Gebäudekante zum Eingang hin Nische mit Konsole (darin ehemals eine Marienstatue). Vergitterte Kellerfenster, Hauseingang mit geradem oberen Abschluß, Fenster im Erdgeschoß z. T. mit Rundbogenabschluß, Fenster der Obergeschosse mit geradem Abschluß, kleine Rund-, Hochoval- und Querovalfenster, teilweise Fenstervergitterung in Gußeisen. Haustür mit Glas und sprossengeteiltem Oberlicht original. Alle Fenster exklusive der paarweise zusammengefaßte schmalen Fenster des Treppenhauses und der gerundeten Öffnungen erneuert (Kunststoff, mit Oberlicht). Gartenfassade: Terrassenausbau mit Treppe zum Garten, darüberliegender Balkon auf Stahlstütze nachträglich angefügt (1990/91), rundbogig schließende Gartentür mit originaler Holztür, im Erdgeschoß z. T. Rundbogenfenster, zwei paarweise zusammengefaßten kleine Fenster mit Buntglas in den Obergeschossen gerade schließende Fenster, alle gartenseitigen Fenster erneuert (Kunststoff).

Im Innern original: dreiläufige Eichentreppe mit Geländer und Antritts- und Zwischenpfosten, z. T. originale kassetierte Gewände und Türen, Holzdielenböden im Obergeschoß, z. T. originale Heizkörper.

Gemauerte und verputzte Einfriedung mit giebelförmig zulaufenden (ehemals mit Ziegeln gedeckten) Pfeilern (z. T. stark beschädigt), in regelmäßigen Abständen, Vergitterung in Holz, Gartentor, großer Gartenbereich mit altem Baumbestand.

Pergola (PKW-Stellplatz) zur Gartenseite hin, wie auch das zweiflügelige Einfahrtstor in Metall von der Jesuitengasse aus, sind nicht Bestandteil des Denkmals.

1888 ging mit der Eingemeindung der Bürgermeisterei Longerich auch das auf mittelalterliche Ursprünge zurückreichende Pfarrkirchdorf Merheim (seit 1952 Weidenpesch) nach Köln. Der Ort war im Gegensatz zu der bereits industriell entwickelten Nachbargemeinde Nippes in Charakter und Erscheinungsbild ländlich geprägt. Der dörfliche Rahmen wurde erst um die Jahrhundertwende, nach der Eröffnung des Nordfriedhofs 1896 und der Pferderennbahn 1898, gesprengt. Seit dieser Zeit entstanden an der Hauptverkehrsachse des Vororts, vorerst im ursprünglichen Ortszentrum westlich der Neusser Straße im Bereich deer Schmiedegasse mehrstöckige Miethäuser. Ca. 1910 setzte dort der Siedlungsbau zum Kölner Wohnvorort ein. Es entstanden in einem Zuge der geschlossene Siedlungskomplex des Möbelfabrikanten Pallenberg mit Arbeiterhäusern und zugehörigen Nutzgärten und weitere städtisch geprägte Reihenmietbauten sowie am Ende der 20er Jahre Mietwohnungsblöcke der Wohnungsbaugenossenschaft Nord. Das heutige Weidenpesch ist durchsetzt von Mietbauten aus jüngster Zeit. Von bedeutenden Bauten aus älterer Vergangenheit hat sich nur wenige erhalten. Lediglich das alte Straßennetz mit einigen bescheidenen z. T. veränderten dörflichen Bauten und Wegekreuzen stammt noch aus ländlich geprägter Zeit.

Das alte Ortszentrum Weidenpesch lag westlich der Neusser Straße im Bereich der Schmiedegasse, wo sich die alte Dorfkirche St. Stephan und der sie umgebende Friedhof befanden. Die Villa Schmiedegasse 34, das ehemalige Pfarrhaus, liegt unmittelbar gegenüber der in den 1950er Jahren anstelle des zerstörten Longitudinalbaus erbauten Kapelle Madonna im Grünen im Kreuzungsbereich Schmiede-/Jesuitengasse, Leuthen-/Merheimer Straße. Die weitläufigen z. T. offenen Grünanlagen, sowohl in der direkten Umgebung der Kapelle und im Westen die des Nordfriedhofs, als auch in dem von schmalen Straßen mit Ziergärten durchsetzten Wohnumfeld Jesuiten/Schmiedegasse, sind prägend für das westlich der Weidenpescher Hauptverkehrsachse Neusser Straße gelegene Wohngebiet.

Das Gebäude Schmiedegasse 34 ist ein typisches Beispiel für die hohen Ansprüchen genügende Baukultur der repräsentativen bürgerlichen Villa zu Anfang unseres Jahrhunderts. Das seit dem 19. Jahrhundert mit dem Begriff Villa bezeichnete freistehende Einfamilienhaus - seine Wurzeln liegen im Landhausbau des 18. Jahrhunderts - zeigt sich hier als individuell gestalteter, zeittypische Dekorationen der Heimatstilbewegung vereinigender Baukörper. Dekorative und repräsentative Details greifen gestaltbildend ineinander: durchweg schlicht gehaltene Putzfassaden mit variierten Fensteröffnungsformen, steiles, auf winkelförmiger Grundfläche gelagertes Schopfwalmdach, das die vier unterschiedlich behandelten Fassaden samt ihrer Ausbauten durch leicht vorkragende Traufkanten zusammenfaßt, sowie die Fortsetzung des Wohnbereichs nach außen zu Terrasse und großzügig angelegtem Ziergarten. Als wesentlicher Bestandteil des ursprünglichen und heute weitgehend unveränderten Erscheinungsbildes erscheinen der eingefriedete Vorgarten des Eckgrundstücks und der sich anschließende rückwärtig gelegene große Ziergarten.

Aufgrund der weitgehenden Erhaltung großer Teile des Originalzustands, insbesondere der Fassaden und der Interieurs, die, an großbürgerliche Wohn- und architektonische Hoheitsformen anknüpfende, zeitgemäß moderne Formen und eine malerisch bewegte Architektursprache offenbaren, ist das Gebäude für das Erscheinungsbild der Schmiedegasse und als Dokument sowohl des Sozialstatus der bürgerlich-katholischen Bauherrenschaft als auch der Geschmacksgeschichte zu Anfang unseres Jahrhunderts von Bedeutung. Die Villa Schmiedegasse 34 ist als zeittypisches Dokument gebauter Architektur unverzichtbarer Bestandteil im Ortsteil Weidenpesch.

Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0