Wohnhaus
Drosselweg 41 · Niehl
| Baudenkmalnummer | DE_05315000_A_7756 |
|---|---|
| Typ | Gebäude-Denkmal |
| Bezeichnung | Wohnhaus |
| Adresse | Drosselweg 41, 50735 Köln |
| Baujahr | 1913 |
| Eigentum | privates Eigentum |
| Eingetragen seit | 26.01.1996 |
| Stadtteil | Niehl |
Erbaut 1913, auf rechteckiger Grundfläche mit rückwärtigem Vorbau.
Fassade: 2 Geschosse, hohes Sockelgeschoß, ausgebautes Dachgeschoß, Mansardgiebeldach mit Fuß, rückwärtig nachträglicher Ausbau einer Schleppgaupe, 2 Achsen, Putzfassade, sparsame Gliederungsformen des Klassizismus, links Risalit auf polygonaler Grundfläche mit abschließendem Balkon, breiter und vorkragender Dachgiebel mit eigenem Schoßwalmdach mit Fuß, Eingang links, Haustür in Holz, verglast original erhalten, Fenster mit geradem oberen Abschluß, in der rechten Achse breitgelagerte Fenster, alle straßenseitigen Fenster original erhalten, Holz, zwei- bzw. dreigeteilt, Oberlichte, Sprossenteilung.
Rückseite: verputzt, gekehlter Fassadenabschluß, 2 Achsen, Erdgeschoßerker mit Balkon im 1. Obergeschoß, originales geschmiedetes Stahlgeländer, im Erdgeschoß anschließende Terrasse (nachträglich vergrößert), Gartentreppe erneuert, Fenster und Türen mit geradem oberen Abschluß, Fenster und Terrassentür im Erdgeschoß und Obergeschoß rechts erneuert, Obergeschoß links 2 originale Fenster.
Im Inneren original erhalten: Vestibul: Bodenfliesen schwarz/weiß, tonnengewölbte Stuckdecke mit Wandbordure, den Eingangsbereich abschließende Tür gibt Zugang zum Treppenhaus, Holztreppe mit Antritts- und Zwischenpfosten, Stäbe und Handlauf in Holz, Lichtschacht. In den Wohnräumen: Erdgeschoß: Parkettböden, Gewände und Türen zum Teil erhalten, aufwendiger Deckenstuck, im Wohnzimmer Stuckkassettendecke. Obergeschoß: nachträglicher Einbau von Geschoßabschlüssen, nachträglicher Einbau einer Treppe vom 1. Obergeschoß ins Dachgeschoß in den Wohnräumen, Holzböden erneuert, Gewände und Türen zum großen Teil erneuert.
Die Einfriedung des ehemaligen straßenseitigen Ziergartens sowie der rückwärtige Garten sind Bestandteil des Denkmals.
Das ehemalige Bauern- und Fischerdorf Niehl ist urkundlich erstmals 927 im Zusammenhang mit einer erzbischöflichen Schenkung an das Ursulastift und 1080 mit einer solchen an das Kunibertstift erwähnt. Das Kunibertstift besaß spätestens seit jenem Zeitpunkt die Pfarrhoheit über Niehl.
Politisch gehörte Niehl zur Grafschaft Hülchrath, 1314 zum Erzstift Köln und seit der französischen Besetzung des Rheinlands zu der 1798 neugeschaffenen Bürgermeisterei Longerich, mit der es 1888 nach Köln eingemeindet wurde.
An der Sebastianstraße (heute Hermesgasse), einer alten Römerstraße, liegt am Rheinufer bis heute das älteste Niehler Baudenkmal, die Landkirche Alt-St. Katharina. Der beherrschende Standort dieser alten Pfarrkirche an der höchsten Stelle der Ortschaft auf dem Steilufer des Rheins sowie die benachbarten Hofbauten bilden den erhaltenen alten Dorfkern zwischen Merkenicher Straße und Rheinufer. Zahlreiche Kapellen und Wegekreuze des 18. und 19. Jahrhunderts haben sich im alten Dorfbereich erhalten. Von den einstigen umfangreichen Hofanlagen sind nur noch einige Wohnbauten erhalten. Niedrige giebel- und traufständige Hausbauten des 19. Jahrhunderts zeugen von ländlich-dörflicher Struktur. Bis ins 20. Jahrhundert bewahrte Niehl seinen ländlich-dörflichen Charakter, erfuhr in den 20er Jahren mit der Ausweitung des stadtkölnischen Gebiets und in den 30er Jahren durch die Ansiedlung der Fordwerke im Norden eine allmähliche städtische Prägung. Siedlungsbau und weitgehende Veränderung der ländlich geprägten Wohnbebauung zu Mietwohnobjekten veränderten dörflichen Charakter Niehls hin zum Arbeiterwohnort im Einzugsbereich von Industrieanlagen. Die ehemals ländlich-dörfliche Bebauungsstruktur ist heute dennoch im näheren Bereich zur alten Pfarrkirche, unweit des Rheinufers erlebbar. Teile ehemaliger Hofanlagen, die den überkommenen alten Dorfkern zwischen Merkenicher Straße, Hermesgasse und dem Niehler Damm markieren, haben sich dort erhalten.
Südlich der Verkehrsachse Industriestraße, die das weiträumige Gelände des Niehler Hafens im Osten von aufgelockerten Wohngebieten trennt, und westlich der Niehler Straße, die den Ortsbereich mit der Kölner Innenstadt verbindet, liegt in unmittelbarer Nachbarschaft zum Weidenpescher Park und der Pferderrennbahn der Drosselweg. Im äußersten Norden der winkelförmigen Straßenerweiterung mit Brunnen (Drosselbrunnen, Ende der 20er Jahre errichtet) liegt das Gebäude Drosselweg 41. Das gehobene Wohnviertel dieser und umgebender Straßen ist einerseits geprägt von der Schmuckanlage des Platzes (Kopfsteinplaster, Rundbrunnen in Kalksandstein, Brunnenstock mit kapitellartigem Abschluß, Kugel) mit Baumbestand, andererseits charakterisiert durch individuell gestaltete Einfamilien- und Mietwohnhäuser mit straßenseitigen und rückwärtigen Gärten, es weist die besonderen Vorzüge der Nähe zum Weidenpescher Park, zum Rennbahngelände und über die Verkehrsachsen Niehler- und Neusser Straße zum Citybereich auf.
Das 1913 errichtete Gebäude Drosselweg 41 zeigt eine breitgelagerte Schauseite, deren vornehm-zurückhaltende steinimitierende Fassadengestaltung in Stuck die Herkunft der Formen aus der Jugendstildekoration durchaus erkennen läßt, aber bereits durch ein im zweiten Jahrzehnt des Jahrhunderts etabliertes neoklassizistisches Formenrepertoire überlagert wird. Die Ornamentik erscheint reduziert zu einfachen, klaren Formen, die sich dem Vorrang der Architektur in der Fassadengestaltung klar unterordnen (Schmuckformen: Mittelrisalit auf polygonaler Grundfläche mit Pilasterdekoration im Erdgeschoß, Eingang mit metallener Wetterhaube, Stockwerkgesims, gekehlter Fassadenabschluß leitet über zum Traufgesims, verschieferte und geschwungene Balkonbrüstung).
Das Gebäude Drosselweg 41 ist Teil der großzügig geplanten und ausgeführten Bebauung mit zwei- bis dreigeschossigen Mietwohnhäusern an breiten Parzellen, die über Souterrain bzw. hochgelegene Sockelgeschosse, Vorbauten in Gestalt von Risaliten und Erkern und zum Teil über groß dimensionierte Dachaufbauten verfügen. Die weitgehend geschlossen erhalten gebliebene Bebauung (Nrn. 41 - 45) dokumentiert und bewahrt das ursprüngliche Erscheinungsbild der Straße und den Charakter des Viertels. Mit weiteren Gebäuden des Drosselwegs und des angrenzenden Niehler Kirchwegs bildet das Objekt ein städtebauliches Ensemble von Wohnhäusern des gehobenen Mittelstands, die die historistische und zeitgemäß moderne Formen zeigende Architektur der Straße maßgeblich prägen und den vornehmen Charakter unterstreichen.
Das Haus Drosselweg 41 ist mit seinen in Proportion, Geschoßzahl und Fassadendekoration gleich gestalteten Nachbarhäusern (das gegenüberliegende Gebäude Nr. 36 f. erscheint als viergeschossiger Nachkriegsneubau) ein wichtiges Zeugnis der vorstädtischen Wohnbebauung in Niehl nach der Jahrhundertwende. Aus städtebaulichen Gründen ist das Gebäude schützenswert, da es als ein Teil der Erstbebauung dieser Straße zusammen mit weiteren erhaltenen Gebäuden eine Fassadenreihe von Häusern des späten Historismus und Jugendstils bildet. Kunsthistorisch ist die gründerzeitliche Bebauung des Drosselwegs eine Abfolge nachempfundener Epochenstile sowie zeitgemäß moderne Formen zeigender Architektur. Die aufwendigen Dekorationen zeigen sich auch im Inneren der Gebäude, insbesondere in den Entrées und Treppenhäusern, wie auch in den großzügig dimensionierten Wohnräumen. Die sich noch heute darstellenden hohen Ansprüche an repräsentative Wohnformen, zu denen jeweils die Grünbereiche gehören, lassen erkennen, daß sich im Drosselweg eine etablierte Bauherrenschaft Wohnhäuser auch zur eigenen Nutzung errichtete. Der Wert des Gebäudes und des Ensembles am Drosselweg für die Kölner Stadtbaukultur ist unverkennbar. Aufgrund der weitgehend erhaltenen Substanz ist das Gebäude sowohl für das Erscheinungsbild der Straße als auch als Dokument für die vorstädtisch geprägte Gestaltung der gebauten Umwelt, sowie zur Veranschaulichung historischer Wohn- und Repräsentationsformen zu Anfang des 20. Jahrhunderts von hoher Bedeutung.
Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0