Wohn- u. Geschäftshaus (nur Fassade)
Brüsseler Platz 22 · Neustadt/Nord
| Baudenkmalnummer | DE_05315000_A_7784 |
|---|---|
| Typ | Gebäude-Denkmal |
| Bezeichnung | Wohn- u. Geschäftshaus (nur Fassade) |
| Adresse | Brüsseler Platz 22, 50674 Köln |
| Baujahr | 1898 |
| Eigentum | privates Eigentum |
| Eingetragen seit | 11.03.1996 |
| Stadtteil | Neustadt/Nord |
Erbaut 1898 (inschr. dat.), Souterrain, 4 Geschosse, 2 Achsen, flaches Satteldach (nach Kriegsverlust erneuert), Stuckfassade in neugotischen Formen, Erker auf trapezförmigem Grundriß mit abschließendem Balkon in der rechten Achse, Eingang rechts, Tordurchfahrt zum rückwärtigen Grundstück links, Erdgeschoß mit Ladenlokal verändert, Traufansatzzone/Traufgesims verändert.
Hauseingang mit reich gestaltetem Oberlicht und Tor mit geradem oberen Abschluß, Haustür erneuert, zweiflügeliges Tor in Metall mit sprossengeteiltem Oberlicht original erhalten, im Hochparterre Rundbogenfenster, im 1. und 2. Obergeschoß Fenster mit Bogenverdachungen, im 3. Obergeschoß Fenster mit geradem oberen Abschluß, alle straßenseitigen Fenster erneuert (Kunststoff, Einscheibenfenster mit Oberlicht).
Das o.g. Objekt ist ein Baudenkmal im Sinne von § 2 Abs. 1 und 2 des Denkmalschutzgesetzes (DSchG NW). Das für die Qualifizierung als Baudenkmal notwendige öffentliche Interesse ist gegeben, da dieses Denkmal sowohl bedeutend für die Geschichte des Menschen, für Städte und Siedlungen ist, als auch künstlerische, wissenschaftliche und städtebauliche Gründe für seine Erhaltung und Nutzung vorliegen. Das ergibt sich aus Folgendem:
Die von H.J. Stübben geplante Kölner Neustadt gilt als bedeutendste Stadterweiterung des Deutschen Reiches im ausgehenden 19. Jahrhundert. Im Zuge ihrer 1881 beginnenden Durchführung entstand westlich der Ringe zwischen Gladbacher- und Zülpicher Straße das sogenannte "Westend", ein gutbürgerliches Wohnviertel, geprägt von vornehmen, meist mit reicher Fassadengliederung versehenen Mietshäusern. Der Brüsseler Platz, der teilweise auf dem Terrain der Lünette 5 angelegt wurde, ist im wesentlichen um 1898 bebaut worden. Der nach Osten hin spitz zulaufende Rechteckplatz mit altem Baumbestand liegt im Geviert zwischen den Hauptverkehrsachsen Aachener- und Venloer Straße, östlich der baumbestandenen Allee Moltkestraße, im Westen begrenzt durch die Bahnlinie und den Grüngürtel und im Osten anschließend an den Hohenzollernring. 1902-06 folgte die anstelle einer Notkirche in neoromanischen Formen errichtete katholische Pfarrkirche St. Michael. Vom Ring erreicht man die geplante Platzanlage durch die Maastrichter Straße, die in der Achse auf den Platz und die Ostfassade der Kirche mit Portal zuführt. Die Fassade des Gebäudes Nr. 22 ist Bestandteil eines im nördlichen Teil des Platzes mit seinen Nachbargebäuden Nrn. 12-18 und 24/26 gebildeten Ensembles.
Der heute mit Grünanlagen um die Kirche gestaltete Platz zeigt ringsum anstehende Bebauung von annähernd gleichen, großzügigen Parzellengrößen. Die Eckparzellen des Platzes weisen eine größere Breitenausstreckung auf, wodurch eine optische Einfassung der geschlossenen Längsseiten erreicht wird. Die Gebäude Nrn. 12-26 dokumentieren eine geschlossene Platzfront. Trotz mancher Verluste an historischer Substanz zeigt sich ein für die Zeit um die Jahrhundertwende charakteristisches - historistisch-variantenreiches Erscheinungsbild der Fassaden vier- bis fünfgeschossiger, auf mittelständische Kreise zugeschnittener Mietwohnbauten. Die Fassade des Hauses Nr. 22 ist prägender Teil dieses Zusammenhangs: sie zeigt sich als anspruchsvolle Variante des städtischen Wohngebäudes und verweist mit seiner breiten, unmittelbar am Platz gelegenen Schauseite auf den Sozialstatus seiner Erbauer und Bewohner. Aufgrund der sehr weitgehenden Erhaltung der Originalfassade ist das Objekt für die Architektur am Brüsseler Platz und als Dokument der Repräsentationsbestrebungen um die Jahrhundertwende von hoher Bedeutung (Schmuckformen: Fugenschnitt, scharriert, Stockwerkgesimse, Erker auf rippengewölber Konsole, Eingangsoberlicht mit bekrönender Einfassung, Brüstungsfelder mit floralem Schmuck, Inschrift, Jahreszahl, Wappenschilde, reich profilierte Rahmung der Erkerfenster, bekrönende Fialen).
Die Häuserzeile des Brüsseler Platzes setzt sich aus gestalterisch aufeinander bezogene Fassaden zusammen und bildet mit gleich proportionierten und variantenreich dekorierten Gebäuden ein Ensemble historistischer Architektur. Die Fassade des Gebäudes Nr. 22 ist für das Erscheinungsbild des Platzes und als Zeugnis für die reiche Neustädter Architektur der Jahrhundertwende ein wichtiger und unverzichtbarer Bestandteil.
Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0