Wohn- u. Geschäftshaus
Holbeinstraße 67 · Nippes
| Baudenkmalnummer | DE_05315000_A_7792 |
|---|---|
| Typ | Gebäude-Denkmal |
| Bezeichnung | Wohn- u. Geschäftshaus |
| Adresse | Holbeinstraße 67, 50733 Köln |
| Baujahr | um 1890 |
| Eigentum | privates Eigentum |
| Eingetragen seit | 11.03.1996 |
| Stadtteil | Nippes |
Erbaut um 1890, auf rechteckiger Grundfläche, nachträgliche Zusammenfassung mit dem Nachbarhaus Nr. 65.
Fassade: 3 Geschosse, ausgebautes Dachgeschoß, Satteldach, 3 Achsen, Stuckfassade in Formen des Historismus (Erdgeschoß verändert, Klinkerfassade in Einheit mit dem Nachbarhaus Nr. 65), kein Hauseingang, Eingang des Ladenlokals links mit geradem oberen Abschluß, Fenster in den Obergeschossen mit segmentbogigem oberen Abschluß, alle straßenseitigen Fenster erneuert (Kunststoff, Einscheibenfenster mit Oberlicht).
Rückseite: Backstein, verputzt, Fenster mit geradem oberen Abschluß, alle rückwärtigen Fenster erneuert.
Im Inneren keine Originalsubstanz. Im Erdgeschoß Ladenlokal, das die gesamte Fläche des Vorderhauses, des Seitenflügels und des Seitenflügels des Nachbarhauses Nr. 65 einnimmt.
Das rückwärtige dreigeschossige Hinterhaus im Bauverband zum Seitenflügel ist nicht Bestandteil des Denkmals.
Im Gebiet des heutigen Stadtteils Nippes sind Ansätze industrieller Produktion bereits ab 1800 nachweisbar; diese Entwicklung setzte sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts fort und ließ den 1888 zu Köln eingemeindeten Stadtteil zu einem wichtigen Industriestandort heranwachsen.
Die Neusser Straße gewann durch die neuen Fabrikstandorte und die zunächst in deren unmittelbarer Nachbarschaft sich konzentrierende Wohnbebauung an Bedeutung für den sich ausweitenden Vorort. Seit der Mitte des 19. Jahrhunderts wuchs der Ort, dessen Hauptverkehrsachsen die Mauenheimer-, Merheimer- und Niehler Straße bildeten, rasch an. Diese Entwicklung ist begründet in der räumlichen Nähe zur Kölner Innenstadt und in der verkehrsgünstigen Anbindung durch einen eigenen Bahnhof. Es entstanden neue Wohnbereiche beiderseits der Kempener Straße (um die damals errichteten Kirchenbauten St. Marien und die Lutherkirche). Im wesentlichen prägen bis 1900 entstandene zwei- bis dreigeschossige, oft drei Fenster breite Wohnhäuser in Backstein mit sparsamen Dekorationsformen, und bis ins frühe 20. Jahrhundert geschaffene drei- bis viergeschossige Bauten mit teilweise reich dekorierten Fassaden in Stuckarchitektur den Stadtteil.
Westlich der Achse der ehemaligen Bahnlinie Köln-Neuss-Krefeld, der heutigen Kempener Straße, entstand im Zuge der 1859/60 gegründeten zentralen Eisenbahnwerkstätte ein Komplex von Wohnbauten für die dort Beschäftigten. Die Bezeichnung "Sechzig" für diesen Ortsteil weist auf das zu diesem Zweck damals erworbene Gelände von 60 Morgen Größe hin. Bis heute hat dieses Wohngebiet zwischen Neusser Straße und der jetzt parallel zur Escher Straße verlaufenden S-Bahn-Trasse sein kleinteiliges Gefüge bewahrt. Im Zusammenhang dieses schnell und planmäßig ausgebauten Bereichs mit geregelter Straßenführung und gleichmäßiger Parzellierung vollzog sich auch die Bebauung der Holbeinstraße. Angelegt um 1800, verbindet sie - wie die parallele Lohsestraße - das Sechzig-Viertel mit der Neusser Straße und ist im Abschnitt westlich der Auguststraße bis heute geprägt durch schlichte Dreifensterhäuser rheinischer Prägung aus der Zeit der Erstbebauung der 1880er und 1890er Jahren.
Erhalten sind beidseitig stehende größere geschlossene Hausgruppen, die durch Dreigeschossigkeit und dreiachsige Fassaden in einfacher, teils backsteinsichtiger Ausführung charakterisiert sind. Insbesondere die linke Straßenseite mit der noch annähernd geschlossenen Zeile traditioneller Dreifensterhäuser (Nrn. 41-47, 55-69) hat das historische Erscheinungsbild einer Wohnstraße des kleinbürgerlichen Mittelstandes weitgehend bewahrt. Das im Kreuzungsbereich zur Siebachstraße gelegene Haus Nr. 67 ist Bestandteil eines Ensembles nahezu gleich gestalteter, bescheiden dimensionierter Wohngebäude. Das dreigeschossige Gebäude mit rückwärtigem Seitenflügel gehört in die Reihe der für die Kölner industriell geprägten Außenbezirke charakteristischen kleinbürgerlichen, bescheidenen Wohnkomfort bietenden Gebäude mit teilweiser gewerblicher Nutzung in den Erdgeschossen auf rechteckiger Grundfläche.
Die Stuckfassade gewinnt ihre Wirkung aus der strengen Fensteraxialität (Schmuckformen: Obergeschosse Stockwerkgesims/durchlaufende Sohlbank, konsolgetragene Sohlbänke im 2. Obergeschoß, Volutenkeilsteine, profiliertes Traufgesims). Aufgrund der weitgehenden Erhaltung der Originalsubstanz der Schauseite ist das Gebäude sowohl in orts- wie bauhistorischer Hinsicht als auch im städtebaulichen Zusammenhang ein unverzichtbares Dokument der älteren städtisch geprägten gründerzeitlichen Wohnhausarchitektur in Nippes, die unbedingt zu erhalten ist.
Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0