Wohn- u. Werkstatthaus
Merlostraße 24 · Neustadt/Nord
| Baudenkmalnummer | DE_05315000_A_7807 |
|---|---|
| Typ | Gebäude-Denkmal |
| Bezeichnung | Wohn- u. Werkstatthaus |
| Adresse | Merlostraße 24, 50668 Köln |
| Baujahr | 1907 bis 1917, 1959 bis 1960 |
| Architekt / Planung | Jacob S. H. Koerfer |
| Eigentum | privates Eigentum |
| Eingetragen seit | 15.03.1996 |
| Stadtteil | Neustadt/Nord |
Erbaut um 1912, Architekt: Jacob S. H. Koerfer, auf rechtekkiger Grundfläche mit rückwärtigem langgestreckten Flügelbau in der Mitte. Teilkriegszerstörung der 2. - 4. Obergeschosse, Wiederherstellung 1959/60.
Fassade: Souterrain, 4 Geschosse, Staffelgeschoß; flaches Satteldach der Nachkriegszeit, 6 Achsen, Natursteinfassade in Formen des Klassizismus, breiter Mittelrisalit über 4 Achsen, Eingang in der Mitte mit geradem oberen Abschluß und konsolgetragener profilierter Verdachung, zweiflügelige Haustür in Metall, Fenster im Erd- und 2. - 4. Obergeschoß mit geradem oberen Abschluß, Erdgeschoßfenster z. T. mit geschlossenen Unterlichten, in den Außenachsen breite Fenster, in der Belétage am Risalit mit Rundbogenabschluß, alle straßenseitigen Fenster erneuert (Holz, Oberlichte), Fenster im Staffelgeschoß in Kunststoff, im Souterrain links Einfahrt mit vierteiligem Tor in Metall, erneuert, rechts Souterraineingang, Metall, erneuert.
Rückseite: verputzt, seitlich des zweiachsigen Flügelbaus in der Mitte je eine Achse, eingeschossige Anbauten im Erdgeschoß, Längsseiten des Flügelbaus 7 Achsen, eigenes Satteldach der Nachkriegszeit, das Souterrain des Flügelbaus wurde vor oder im Krieg zu einem Bunker ausgebaut; die Souterraindecke wurde verstärkt, das gesamte Geschoß wurde um ca. 200 cm in Stahlbeton umbaut, Gartentür (vom Souterrain des Vorderhauses) und alle Öffnungen mit geradem oberen Abschluß, Gartentür in Holz original, Fenster in Holz zum großen Teil original, z. T. mit geschmiedeten Stahlgittern, Fenster im Staffelgeschoß in Kunststoff.
Im Inneren original erhalten: Vestibül: Kunststeinboden- und Wandplatten, sechsteilige Zwischentür, Vorraum zum Treppenhaus: Kunststeinbodenplatten, bis zu halber Höhe Marmorwandplatten, Deckenstuck, seitliche Rundbogentüren, zentrales Treppenhaus auf quadratischer Grundfläche: im Erdgeschoß Kunststeinbodenplatten, bis zu halber Höhe Marmorwandplatten, Treppe, gerade, dreiläufig mit gleichsinnigem Richtungswechsel in Kunststein, Stäbe und Handlauf in Metall, erneuert.
In den Büro- und Werkstatträumen: z. T. PVC-Belag, Holzsteinboden, Holzdielenboden unter Belag, Reste von Terrazzoböden, Türen und Gewände erneuert (z. T. Metall). Die Geschosse des Mittelflügels erscheinen als Großräume (Lager/Depot).
Der rückwärtige Garten mit altem Baumbestand und verputzter Einfriedungsmauer nach Norden ist Bestandteil des Denkmals.
Der straßenseitige Ziergarten (in Resten erhalten) mit kniehoher und geschwungener Einfriedungsmauer ist Bestandteil des Denkmals.
Die von Josef Stübben geplante Kölner Neustadt gilt als bedeutendste Stadterweiterung des Deutschen Reiches im ausgehenden 19. Jahrhundert. Im Zuge ihrer 1881 bis 1906/10 vollzogenen Erschließung und Bebauung entstand im Norden der Neustadt (ehemaliges Rayongelände) zwischen Riehler- und Neusser Straße das sogenannte 'Gerichtsviertel' um das Gebäude des Oberlandesgerichts, ein mittleren und gehobenen Ansprüchen genügendes Wohnviertel. Daran angrenzend erstreckt sich im Bereich der großen Grünanlage nördlich des Ebertplatzes das Villenviertel Am Botanischen Garten. Den sich anschließenden, an der markanten Grenze zwischen nördlicher Neustadt und Riehl parallel zum Rhein verlaufenden Abschnitt zeichnet die besondere Nähe zu Flora, Botanischem- und Zoologischem Garten und zum Citybereich aus. Die baumbestandene Merlostraße im äußersten Norden der Neustadt zwischen Neusser Platz als zentraler Platz der Neustadt/Nord mit der Agneskirche, südlich der großen Grünanlage um das ehemalige Fort X gelegen und nördlich an den großräumigen Bereich um das Gerichtsgebäude anschließend, bzw. die Verbindung zur Uferstraße/Zoobrücke bildend, wurde im wesentlichen in den Jahren 1906 - 1915 mit Großmiethäusern von repräsentativem Gepräge bebaut. Ein für die ersten Jahrzehnte charakteristischer Neoklassizismus als betont konservative Linie findet hier seine Anwendung.
Prägend für die Klassik nach der Jahrhundertwende sind Symmetrie und eine den Portalbereich, die Gebäudekanten sowie Stockwerk- und Traufgesimse betonende Gestaltung.
Das Haus Nr. 24 ist integraler Bestandteil der in Teilen geschlossen erhalten gebliebenen Bebauung auf breiten Parzellen, die das ursprüngliche Erscheinungsbild der Straße mit rhythmisch angeordneten Fassaden, die Risalite und Erker mit Dachaufbauten einschließen, und zu denen mindestens im rückwärtigen Bereich - beim vorliegenden Bauwerk ebenfalls straßenseitig - ein Ziergarten gehört, bewahrt. Das Gebäude stellt eine großstädtische und aufgrund der verbauten Materialien und ausgewogen komponierten Fassadenstruktur, repräsentative Variante des Kölner Wohnhauses mit rückwärtigem Flügelbau dar. Es dokumentiert die sich über zwei Jahrzehnte erstreckende planmäßige Bebauung der Straße nach der Festlegung der Fluchtlinienpläne in den Jahren 1890 und 1893.
Mit weiteren Gebäuden der Merlostraße bildet das Gebäude ein städtebauliches Ensemble von hauptsächlich breitgelagerten vier- bis fünfgeschossigen Gebäuden in Formen des Neuklassizismus und der historistischen Fassadendekoration verhafteten Bauten aus den letzten Jahren des 19. Jahrhunderts und bildet mit den Nachbarbauten ein Gegengewicht zu dem mächtigen neobarocken Bauwerk des Oberlandesgerichts, dessen Fassaden das Erscheinungsbild der Straße maßgeblich prägen.
Dem vornehmen Charakter des Wohnumfelds entspricht das Gebäude mit seiner repräsentativen, gestalterisch sehr aufwendigen, symmetrisch gegliederten Natursteinfassade in Art der Großform (Schmuckformen: Erd- und 1. Obergeschoß: Quaderverbände, konsolgetragenes profiliertes waagrechtes Eingangsdach, die äußeren Risalitachsen mit Fensternischen über beide Geschosse, Keilsteine der Rundbogenfensterreihe leiten über zum Stockwerkgesims, im 2. und 3. Obergeschoß: Fugenschnitt, achsweise Einfassung der Fenster über beide Geschosse, gekröpftes Traufgesims, am Risalit Zahnschnitt, nur leicht zurückgesetztes Staffelgeschoß mit Traufgesims und vorkragender Dachkante). Symmetrie, strenge Axialität und die horizontale Breitenlagerung der Fassade einschließlich des Staffelgeschosses als Gliederungsprinzipien sowie die kostspielige Materialausführung der Schauseite sind charakteristisch für die großstädtisch geprägte Architektur der Kölner Neustadt.
Das o. g. Objekt stellt ein ausgesprochen markantes Beispiel für die Architektur des zweiten Jahrzehnts unseres Jahrhunderts in Formen des Neoklassizismus dar. Das Bauwerk ist sowohl aufgrund seiner herausragenden städtebaulichen Bedeutung und der hochwertigen Gestaltung der straßenseitigen und rückwärtigen Fassade, als auch bezüglich der Erhaltung wesentlicher Teile der Originalsubstanz des Eingangs- und Treppenhausbereichs und mit Einschränkung der Interieurs als Dokument der Architektur vor dem Ersten Weltkrieg und als bedeutendes Denkmal der Baukunst im nördlichen Neustadtgebiet unbedingt zu erhalten.
Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0