Wohnhaus
Neusser Wall 40 · Neustadt/Nord
| Baudenkmalnummer | DE_05315000_A_7736 |
|---|---|
| Typ | Gebäude-Denkmal |
| Bezeichnung | Wohnhaus |
| Adresse | Neusser Wall 40, 50670 Köln |
| Baujahr | um 1912 |
| Eigentum | privates Eigentum |
| Eingetragen seit | 11.01.1996 |
| Stadtteil | Neustadt/Nord |
Erbaut um 1912, auf rechteckiger Grundfläche mit rückwärtigem Anbau, Souterrain, 4 Geschosse und ein etwas zurückgesetztes, an einen Mansarddachausbau angelehntes 4. Obergeschoß, Satteldach, 3 Achsen, Putzfassade in Formen des Neoklassizismus, Sockelzone scharriert, Mittelerker auf rechteckiger Grundfläche mit abschließendem Balkon, breiter Dachaufbau mit Ziergiebel, eigenes Satteldach. Separater Eingang zum Souterraingeschoß, Hauseingang links, Haustür erneuert (Holz), Oberlicht erneuert (Einschluß runder Glasbausteine), Öffnungen mit geradem oberen Abschluß, in der Mittelachse im 3. und 4. Obergeschoß paarweise zusammengefaßte Fenster, alle straßenseitigen Fenster erneuert (Kunststoff), Oberlichte mit aufgelegten Sprossen, Rückseite: verputzt, Erdgeschoß mit Ausbau, Balkone mit originalen schmiedeeisernen Gittern, rückwärtige Fenster und Balkontüren z. T. original (Holz). Im Innern original erhalten: Vestibül: Marmorbodenbelag, 7-stufige Marmortreppe, Wandsockel marmorverkleidet, reicher Deckenstuck: Stuckkassetten, Eierstab, Durchgang zum Treppenhaus marmorverkleidet, Terrazzotreppe, Geländer mit Handlauf und reich verziertem Antrittspfosten in Holz, Treppenpodeste mit Terrazzo belegt, Bordüre rot/weiß, Deckenstuckdekoration, originale Treppenhausfenster in Metall, sprossengeteilt. Wohnungseingangstüren z. T. original: Holz, verglast, mit sprossengeteiltem Oberlicht. In den Wohnungen original erhalten: z. T. Linoleumbodenbelag, Stuckdecken, Türen und Gewände zum großen Teil erhalten, z. T. originale Wandfliesen in den Küchen.
Der rückwärtige Garten mit Einfriedung durch schmiedeeiserne Gitter und verputzte Backsteinmauer nach rechts ist Bestandteil des Denkmals.
Die von Josef Stübben geplante Kölner Neustadt gilt als bedeutendste Stadterweiterung des Deutschen Reiches im ausgehenden 19. Jahrhundert. Im Zuge ihrer 1881 bis 1906/10 vollzogenen Erschließung und Bebauung entstand im Norden der Neustadt (ehemaliges Rayongelände) zwischen Riehler- und Neusser Straße das sogenannte "Gerichtsviertel" um den Palast des Oberlandesgericht, ein mittleren und gehobenen Ansprüchen genügendes Wohnviertel. Daran angrenzend erstreckt sich im Bereich der großen Grünanlage nordöstlich des Ebertplatzes das ehemalige Villenviertel am nördlichen Rheinufer. Den sich nach Süden anschließenden, an der markanten Grenze zwischen nördlicher Alt- und Neustadt in Richtung zur Kölner Altstadt verlaufenden Abschnitt zeichnet die besondere Nähe zu Flora, Botanischem- und Zoologischem Garten und zum Citybereich aus. Der baumbestandene Neusser Wall im äußersten Norden der Neustadt, verlaufend vom Neusser Platz als zentraler Platz der Neustadt/Nord mit der Agneskirche, südlich der großen Grünanlage um das Fort X gelegen und nördlich an den großräumigen Bereich um den Gerichtspalast anschließend, bzw. die Verbindung zur Uferstraße/Zoobrücke bildend, wurde im wesentlichen in den Jahren 1906 - 1912 bebaut; er war z. T. als (Allee)Straße mit Vorgärten und Baumbestand angelegt.Charakteristisch für die Parzellen- und Gebäudestruktur der nördlichen Neustadt ist das im Bereich zwischen Aducht- und Alvenslebenstraße gelegene Gebäude Neusser Wall 40. Es stellt eine großstädtische Variante des für Köln typischen Miethauses für eine sozial differenzierte Bewohnerschaft dar. Die an einem ausgedehnten Grünbereich mit Baumbestand gelegene Häuserzeile am Neusser Wall zeigt breitgelagerte Schauseiten, deren vornehm-zurückhaltende steinimitierende Fassadengestaltung in Stuck die Herkunft der Formen aus der Jugendstildekoration durchaus erkennen läßt, aber bereits durch ein im zweiten Jahrzehnt des Jahrhunderts etabliertes neoklassizistisches Formenrepertoire überlagert wird. Die Ornamentik erscheint reduziert zu einfachen, klaren Formen, die sich dem Vorrang der Architektur in der Fassadengestaltung klar unterordnen (Schmuckformen am Gebäude Neusser Wall 40: Mittelbetonung (der Mittelerker setzt sich bis in den Dachaufbau fort), Sockelbereich scharriert, plastisch hervortretende Lisenenrahmung am Eingang, Deckplatte, konsolgetragener Dreieckgiebel (ehemals Ochsenauge), Rahmung der Öffnungen durch flache Pilaster, reich profiliertes Stockwerkgesims, am Erker gekröpft, achsweise Lisenengliederung des 1. und 2. Obergeschosses, im Erker zu Dreiergruppe zusammengefaßte Rechtecköffnungen, Konsolstockwerkgesims, Balkonbalustrade, profilierte Fassung des Dreieckgiebels, eingestellte kannelierte Pilaster rahmen die Fenster). Das Gebäude Neusser Wall 40 ist Teil der großzügig geplanten und ausgeführten Bebauung mit vier- bis fünfgeschossigen Mietwohnhäusern an breiten Parzellen, die über Souterraingeschosse für ehemals kleingewerbliche Nutzung verfügen. Die weitgehend geschlossen erhalten gebliebene Bebauung (Nrn. 36 bis 56, die Nrn. 50 und 52 erscheinen als Nachkriegsneubauten) dokumentiert und bewahrt das ursprüngliche Erscheinungsbild der Straße und den Charakter des Viertels. Mit weiteren Gebäuden des Neusser Walls und der angrenzenden Aduchtstraße (einheitliche Gestaltung mit dem Eckhaus Aduchtstraße 11) bildet das Objekt ein städtebauliches Ensemble von Häusern mit Risaliten, Erkern und Ziergiebeln, die historische und zeitgemäß moderne Formen zeigende Architektur der Straße maßgeblich prägen und den vornehmen Charakter unterstreichen. Das Gebäude Neusser Wall 40 ist als Bestandteil der in Teilen geschlossen erhalten gebliebenen Bebauung am Neusser Wall von bedeutendem Wert für die Stadtbaukultur Kölns und als Baudenkmal unbedingt zu erhalten.
Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0