Wohnhaus

Schleidener Straße 22 · Sülz

Baudenkmalnummer DE_05315000_A_7824
Typ Gebäude-Denkmal
BezeichnungWohnhaus
Adresse Schleidener Straße 22, 50937 Köln
Baujahrum 1910
Eigentumprivates Eigentum
Eingetragen seit 21.03.1996
Stadtteil Sülz

Erbaut um 1910; Vorderhaus auf quadratischem Grundriß mit rückwärtigem Seitenflügel.

Fassade: 3 Geschosse, ausgebautes Mansarddach (mittiges Zwerchhaus, seitlich je eine originale Gaube); 3 Achsen (Eingang links); Putzfassade (Streuselputz) mit zeittypisch reduzierter Stuckgestaltung (Fensterbrüstungen im 2.OG mit quadratischen Putzspiegel mit geometrischen Jugendstilmotiven, Drempelzone und Zwerchhausgiebel mit stilisierten neoklassizistischen Elementen, EG mit geritzten Lagerfugen); Fassadenrhythmisierung durch leichtes Vorwölben der Mittelachse und Zwerchhaus mit Giebelfeld; Fenster und Eingangstür (mit Beschlägen) original.

Rückfronten: Streuselputz mit markanter Backsteingliederung (Gesimse mit Deutschem Band, Fensterlaibungen in Sohlbankhöhe/Stichbögen mit Backsteinabmauerungen); alle Fenster/Fenstertüren/Hoftür (weitgehend mit Beschlägen) original; Vorderhaus: 2 Achsen (eine originale, seitlich verschieferte Gaube); links im Winkel zum Seitenflügel Balkone (originale Metallgeländer) im 1./2.OG; Seitenflügel: 3 : 1 Achsen (zwei originale, seitlich verschieferte Gauben); an der Stirnseite des Seitenflügels über gesamte Breite Balkone (originale Metallgeländer) im 1./2.OG.

Innen original: Vorflur: Terrazzoboden mit Bordüre; glasierte Wandfliesen (grün/dunkelgrün); obere Wandzonengliederung mit stilisierten Pilastern/Gurtbögen (kanelliert) auf flachen, aufgeputzten Konsolen (floral ornamentiert); Deckenfries mit floralem Ornament; rundbogoger Durchgang zum Treppenhaus mit profilierten Kanten; Treppenhaus: Treppe/Bodenbelag aus Terrazzo; Antrittspfosten (profiliert, mit Knauf), gedrehte Geländerstäbe, Handlauf in Holz; komplett originaler Linkruster (kleine Ausbesserungen) und hölzerne , profilierte Wandleiste; Fensterbänke (belgischer Granit) außer auf dem Zwischenpodest EG/1.OG; Kellertür mit Beschlag; Wohnungseingangstüren (verglast mit Oberlichtern); Speichertür mit Beschlag; Wohnungen: Grundrisse; EG: Zimmertüren mit Laibungen und Rahmen; innenliegende Schlagläden (komplett); Fußleisten (außer im rückwärtigen Teil des Flurs; profilierte Viertelstäbe erneuert); Dielenboden in der Küche; Stukkaturen in den Straßenräumen (rundes Mittelornament, flach angelegte Rahmenleisten); 1.OG: Zimmertüren mit Beschlägen, Rahmen und Laibungen;, Fußleisten; Stukkaturen in allen Straßenräumen (wie EG); 2.OG: wie 1.OG (eine Zimmertür auf dem Speicher gelagert, bei einer Tür Holzfüllungen durch Glas ersetzt); DG: Türen mit Beschlägen, Laibungen und Rahmen; Dielenböden.

Bestandteil des Denkmals ist auch die rückwärtige Einfriedung (verputzter Sockel - teilweise schwer beschädigt - mit Metalleinfriedung).

Während es bis um die Mitte des 19. Jahrhunderts in Sülz eher ländlich geprägte Siedlungsansätze gab, fällt die Bauzeit des o.g. Objektes in eine zweite, städtebaulich bedeutende Entwicklungsphase des 1888 nach Köln hin eingemeindeten Sülz. Hierbei orientierte sich die stadtplanerische Gestaltung einerseits und die architektonische Ausformung der neuerrichteten Bauten andererseits noch an Entwicklungen der Kölner Neustadt, werten diese jedoch im Sinne neuerer Architekturströmungen um und setzen so die epochale Neustadtplanung in den Außenbezirken in der Umgebung des Gürtels, vor allem in den Stadtteilen Sülz und Klettenberg, mit zeitgemäßen Mitteln fort.

Die in dieser zweiten Entwicklungsphase bebaute Schleidener Straße ist Teil der für stadtnahes Wohnen neuerschlossenen Gebiete. Zu dem strengen Straßenraster zwischen den Ausfallstraßen Luxemburger Straße, Berrenrather Straße und Zülpicher Straße gehörend, bietet die Originalbebauung der Schleidener Straße ein historisches Straßenbild. Das o. g. Objekt ist ein Dokument der um kurz nach der Jahrhundertwende entstandenen Gebäude mit stilgeprägten Stuckfassaden, die durch geometrische, zurückhaltend verwendete Jugendstil- und Neo-Klassizismusornamente und eine Betonung der Kubatur bei leichter Rhythmisierung der Fassade gekennzeichnet sind. Die einheitliche Gliederung der Rückfronten des o.g. Objekts sowie dessen Nachbarbebauung an der Gerolsteiner Straße durch markante Backsteingliederungen belegen darüberhinaus eine einheitliche Planung der Bauten.

Diese baugestalterischen Merkmale sind typisch für eine bei den Bauherren in der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg aufkommenden Vorliebe für schlichter und strenger wirkende Formen, die als Reaktion auf die mitunter überaus reich geschmückten und zuweilen als überladen empfundenen Gründerzeitfassaden zu verstehen ist.

Als integraler Bestandteil des durch derart gestaltete Bauten geprägten Stadtteils Sülz ist das o.g. Objekt ein unverzichtbares bauliches Dokument, das aufgrund seines außergewöhnlich intakten Erscheinungsbildes unbedingt zu erhalten ist.

Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0