Wohnhaus

Blumenthalstraße 6 · Neustadt/Nord

Baudenkmalnummer DE_05315000_A_7828
Typ Gebäude-Denkmal
BezeichnungWohnhaus
Adresse Blumenthalstraße 6, 50670 Köln
Baujahr1903 bis 1913, 1954
Eigentumprivates Eigentum
Eingetragen seit 28.03.1996
Stadtteil Neustadt/Nord

Erbaut um 1908, auf rechteckiger Grundfläche mit rückwärtigem Seitenflügel, Wiederaufbau nach Kriegszerstörung 1954.

Fassade: 4 Geschosse, ausgebautes Dachgeschoß, Mansardgiebeldach, 3 Achsen, Mittelrisalit auf rechteckiger Grundfläche mit abschließendem Ziergiebel in Fortführung der Risalitachse, Putzfassade in Formen des Jugendstils (nurmehr in Resten vorhanden), Kellerzugang im Souterrain, Eingang rechts mit geradem oberen Abschluß, Haustür erneuert (Holz), Fenster mit geradem oberen Abschluß, alle straßenseitigen Fenster (Holz) erneuert (ca. 1988/89).

Rückseite: verputzt (Rauhputz), Vorderhaus zweiachsig, Rücksprung, Seitenflügel dreiachsig, nach Veränderung der Wohnungsgrundrisse (etagenweise Aufteilung in Vorderhaus- und Seitenflügelwohnungen) wurden je Geschoß in Höhe der Podeste des Treppenhauses Öffnungen geschaffen, die Zugang zu den, an der Rückfassade angefügten laubengangähnlichen Laufgängen (und Treppen) geben (auf Stahlpfeilern ruhend), über die die Seitenflügelwohnungen erschlossen werden. Hofzugang mit gerdem oberen Abschluß, Hoftür erneuert, Fenster mit geradem oberen Abschluß, alle rückwärtigen Fenster erneuert (Holz, waagerecht und senkrecht geteilt).

Im Inneren original erhalten: Vestibül: Terrazzobodenbelag mit Bordure, Treppenhaus: im Erdgeschoß Terrazzoboden mit Bordure, Terrazzotreppe, Geländer (Stäbe Metall) und Handlauf (Holz) erneuert, Podeste mit Terrazzo belegt, Wohnungseingangstüren erneuert. In den Wohnungen keine Originalsubstanz.

Der rückwärtige Ziergarten mit nach Westen gelegener originaler Einfriedungsmauer in Backstein, verputzt, ist Bestandteil des Denkmals.

Der straßenseitige Ziergarten mit erneuerter Einfriedung (niedrige verputzte Mauer) ist Bestandteil des Denkmals.

Die von H. J. Stübben geplante Kölner Neustadt gilt als bedeutendste Stadterweiterung des Deutschen Reiches im ausgehenden 19. Jahrhundert. Im Zuge ihrer 1881 beginnenden Durchführung entstand im Norden der Neustadt (ehemaliges Rayongelände) zwischen Riehler- und Neusser Straße das sogenannte "Gerichtsviertel" um den Palast des Oberlandesgerichts, ein mittleren und gehobenen Ansprüchen genügendes Wohnviertel. Daran angrenzend erstreckt sich im Bereich der großen Grünanlage nordöstlich des Ebertplatzes das ehemalige Villenviertel am nördlichen Rheinufer. Der sich nach Süden anschließende, an der markanten Grenze zwischen nördlicher Alt- und Neustadt in Richtung zur Kölner Altstadt verlaufende Abschnitt weist die Vorzüge der Nähe zu Flora, Botanischem- und Zoologischem Garten und zum Citybereich auf. Die Blumenthalstraße in Ost-West-Erstreckung vom Neusser Platz mit der Agneskirche bis zu Riehler Platz und -Straße und südlich der Grünanlagen um das Fort X gelegen, wurde im wesentlichen in den Jahren 1900 - 1912 mit Großmiethäusern von repräsentativem Gepräge bebaut. Das im Kreuzungsbereich zum Neusser Platz gelegene Haus Nr. 6 ist integraler Bestandteil der in Teilen geschlossen erhalten gebliebenen Bebauung auf breiten Parzellen, die das ursprüngliche Erscheinungsbild der Straße mit rhythmisch angeordneten Fassaden, die Mittelrisalite und -erker mit Dachaufbauten einschließen, und zu denen straßenseitig und im rückwärtigen Bereich Ziergärten gehören, bewahrt. Das Gebäude stellt eine großstädtische Variante des Kölner Mietwohnhauses mit rückwärtigem Seitenflügel dar. Es dokumentiert die in den Jahren um die Jahrhundertwende vollzogene planmäßige Bebauung der Blumenthalstraße und des angrenzenden Wohnquartiers der Weißenburg-/Hülchrather Straße nach der Festlegung der Fluchtlinienpläne in den Jahren 1890 und 1893. Mit weiteren Gebäuden der Blumenthalstraße bildet das Haus ein städtebauliches Ensemble von hauptsächlich breitgelagerten Gebäuden in Formen des Neuklassizismus, des Jugendstils und der historistischen Fassadendekoration verhafteten Bauten aus den letzten Jahren des 19. Jahrhunderts. Dem vornehmen Charakter des Wohnumfelds entspricht das Gebäude mit seiner repräsentativen und gestalterisch ausgewogenen Schaufassade (Schmuckformen: Stockwerkgesimse, Rechteckfelder der Brüstungsbereiche mit ornamentalem Schmuck, Traufgesims). Aufgrund der weitgehenden Erhaltung der Fassadenstruktur mit Risalit und Ziergiebel, der ursprünglichen Dachform, des Eingangsbereichs und Treppenhauses ist das Gebäude für das Erscheinungsbild der Neustadt und als Dokument sowohl des Sozialstatus als auch der Repräsentationsbestrebungen seiner Bewohner von Bedeutung. Die Häuserzeile der Blumenthalstraße setzt sich aus gestalterisch aufeinander bezogene Fassaden zusammen und bildet neben anderen gleich proportionierten und variantenreich dekorierten Gebäuden des Gerichtsviertels ein Ensemble zeitgenössischer Architektur (z. B. auch die Nrn. 5 - 31). Das Gebäude Blumenthalstraße 6 ist für das Erscheinungsbild der weitgehend geschlossen erhaltenen Bebauung im westlichen Teil des Straßenzuges und als Zeugnis für die reiche Neustädter Architektur des frühen 20. Jahrhunderts ein unverzichtbares Beispiel.

Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0