Wohnhaus

Theodor-Schwann-Straße 16 · Riehl

Baudenkmalnummer DE_05315000_A_7897
Typ Gebäude-Denkmal
BezeichnungWohnhaus
Adresse Theodor-Schwann-Straße 16, 50735 Köln
Baujahrum 1922 bis 1923
Eigentumprivates Eigentum
Eingetragen seit 17.06.1996
Stadtteil Riehl

Erbaut um 1922/23, Architekten: Stephan H. Mattar und Edgar Scheler, Bauherr: Besatzungsbauamt Köln, ehemaliger Besatzungsbau im Besitz der Deutschen Bau- und Grundstücks A.G. Berlin, ab 1925 im Besitz der Reichsvermögensverwaltung, südliches Gebäude (Eckhaus) eines zweiteiligen, symmetrisch gegliederten Doppelhauses, auf rechteckiger Grundfläche mit seitlichem Eingangsvorbau.

Fassade: 2 Geschosse, ausgebautes Dachgeschoß, Walmdach (Biberschwanzdeckung), Fledermausgaupe, (einheitliches Dach des Doppelhauses), 3:1 Achsen, Putzfassade, Gliederungen in klassizistischen Formen, barockisierende Fassadendetails, insgesamt annähernd symmetrische Fassadengliederung des Gruppenbaus, erkerartiger Eingangsvorbau auf rechteckiger Fläche an der Südseite mit eigenem Walmdach (Biberschwanzdeckung), halbrundes Wetterdach mit pyramidenförmiger Verdachung, Traufgesims, leicht vorkragende Dachkante, Fenster mit geradem oberen Abschluß, alle straßenseitigen Fenster, einschließlich des Gaupenfensters erneuert (Kunststoff, Horizontalteilung, eingelegte Sprossen). Südfassade (Seitenfront): verputzt, einachsig, Traufgesims, Hauseingang im Erkervorbau, Haustür erneuert, Metall, Fenstergitter, kleines Fenster im Obergeschoß original, Sprossenteilung.

Rückseite: verputzt, 3 Achsen (die Treppenhausachse, links mit versetzten Fenster, Traufgesims, vorkragende Dachkante, Fledermausgaupe, vorgelagerte asymmetrisch ausschwingende Terrasse nachträglich angefügt, im Erdgeschoß links nachträglich eingebaute Terrassentür, Kunststoff, Fenster mit geradem oberen Abschluß, rückwärtige Fenster zum großen Teil erneuert (Kunststoff und Holz, z.T. Einscheibenfenster), Gartentür erneuert (Kunststoff), ein originales Treppenhausfenster, sprossengeteilt, alle Fenstergitter wurden nachträglich angefügt.

Im Inneren original erhalten: Grundriß in Teilen verändert, Diele: Bodenfliesen erneuert, gewölbte Decke, Rundbogendurchgang zur Treppe, Holztreppe, dekorativer Antrittspfosten, Stäbe und Handlauf in Holz (im Erdgescho in der Seitenwand verankert, Podeste mit Holzdielenboden, vom Ober- ins Dachgeschoß weitere Holztreppe, original, mit Antrittspfosten, Stäben und Handlauf, in der oberen Diele originale Einbauschränke unter dem Treppenaufgang. In den Wohnräumen: im Obergeschoß Holzdielenböden, Dachgeschoß mit Holzdielenboden, Türen und Gewände zum großen Teil original erhalten, im Erdgeschoß zwei nachträglich angelegte Rundbogenöffnungen, in den Wohnräumen Stuckdecken sowie Stuckdeckenvoluten, stuckierter Rundbogendurchgang zwischen dem straßenseitigen- und gartenseitigen Wohnraum.

Der straßenseitige Ziergarten mit kniehoher Einfriedungsmauer und Pfeilern verputzt, nach Westen, sowie der rückwärtig gelegene große Ziergarten auf abgesenktem Niveau sind Bestandteil des Denkmals.

Das o.g. Objekt ist ein Baudenkmal im Sinne von § 2 Abs. 1 und 2 des Denkmalschutzgesetzes (DSchG NW). Das für die Qualifizierung als Baudenkmal notwendige öffentliche Interesse ist gegeben, da dieses Denkmal sowohl bedeutend für die Geschichte der Menschen, für Städte und Siedlungen ist, als auch künstlerische, wissenschaftliche und städtebauliche Gründe für seine Erhaltung und Nutzung vorliegen. Das ergibt sich aus Folgendem:

Der erstmals 942 bezeugte Ort Riehl war im Mittelalter eine dörfliche Ansiedlung mit stattlichen Hofanlagen. Nach großen Überschwemmungen und Zerstörung im Zuge des burgundischen Krieges fand das mittelalterliche Riehl 1474 ein Ende. Neuerrichtete, weniger umfassende Ansiedlungen entstanden in den folgenden Jahrhunderten. Politisch war Riehl im 19. Jahrhundert ein Teil der Bürgermeisterei Longerich und wurde 1888 nach Köln eingemeindet. In der Mitte des 19. Jahrhunderts hatte sich mit der Anlage des Zoos 1859/60 und der Flora 1862/64 das damalige Kölner Vergnügungsviertel "Goldene Ecke" entwickelt. Die ältesten erhaltenen Wohnbauten Riehls an der Hittorf-, Stammheimer- und Boltensternstraße stammen aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde im südlichen Teil Riehls der Botanische Garten angelegt, um dieses Grüngebiet entstand seit den 20er Jahren das vornehme Wohnviertel mit teilweiser Villenbebauung. Die städtische Wohnungsbaugesellschaft GAG bebaute gleichzeitig die Freiflächen an Barbara- und Boltensternstraße mit großen Mietblöcken (Naumannviertel). Als jüngster Wohnbereich Riehls wurde in der Nachkriegszeit das Gelände zwischen Zoologischem Garten und Rhein erschlossen. Die Stammheimer Straße mit ihren ältesten Bauten im nördlichen Abschnitt, den späten Gründerzeitbauten und den repräsentativen Eingängen zum Botanischen Garten, zur Flora und zum Zoologischen Garten in ihrem südlichen Teil, veranschaulicht die städtebauliche Entwicklung des Vortortes Riehl.

An die für gehobene Ansprüche errichteten Mietwohnobjekte mit Vorgärten an der Stammheimer Straße nördlich des Riehler Gürtels schließen sich die durch Gartengrün und Baumbestand aufgelockerten, aufwendigen, zumeist zweigeschossigen freistehenden und stilistisch einheitlich gestalteten Wohnbauten der Mathias-Schleiden-, Theodor-Schwann- und Johannes-Müller-Straße an, die jeweils - wie auch bei den Nrn. 16/18 - als Doppelhäuser und Gruppenbauten kleinere Baueinheiten bilden (Mathias-Schleiden-Straße 3/5, 7-13, Johannes-MüllerStraße 42/44, 46/48, Theodor-Schwann-Straße 1/3, 5/7, 11-23, 2-14, 26-30).

Das Wohnviertel weist die besonderen Vorzüge der Nähe zu Flora, Botanischem- und Zoologischem Garten und zum Citybereich auf. Die im Kreuzungsbereich zur Mathias-Schleiden-Straße gelegene Hausgruppe Theodor-Schwann-Straße 16/18 ist ein markantes Beispiel für die hohen Ansprüchen genügende Baukultur repräsentativer Gruppenbauten der 1920er Jahre.

Die Grundrisse beider Gebäude zeigen - der Bauaufgabe Besatzungsbau entsprechend - in ihrer Disposition den Einfluß angelsächsischer Vorbilder: um eine großzügig dimensionierte Eingangshalle, die sich im Obergeschoß fortsetzt, gruppieren sich die Wohn- und Wirtschaftsräume. Die Gebäude Nrn. 16/18 wurden gleichzeitig errichtet und weisen eine gleichförmige Behandlung der Fassaden auf. Das Gebäude Nr. 16, in großzügigem Grünbereich gelegen, weist individuelle Gestaltungsdetails einer traditionellen Moderne und einer malerisch bewegten Architektursprache mit zeittypischen Baumerkmalen auf.

Das in den 20er Jahren errichtete Wohngebäude zeigt in der Fassadengestaltung eine klassizistische Strömung mit reduzierten klaren Formen und Versatzstücken barockisierender Fassadendekoration, die jeweils die Eckachse betonen. Die optisch in der Horizontalen betonten Geschosse (breites Traufgesims, vorkragende Dachkante) zeigen dekorative und repräsentative Formen, die gestaltbildend ineinandergreifen (Schmuckformen: spiegelsymmetrische Gestaltung der Doppelvillen, Betonung der Außenachsen, hier links: ädikulaartige Wandpilasterstellung, Pilasterschäfte scharriert und mit Horizontalfugen, die Trommeln suggerieren, Wulstkapitelle tragen waagrechte, im Interkolummnium konkav geschwungene Platte, Aufsätze: je ein Gefäß auf Kugeln, Früchte, Girlanden, eingestelltes Rundfeld, profilierte Fenstergewände, Keilsteine, an der Eingangstür mit Halbkugel).

Städtebaulich wertvoll ist das Gebäude als Teil der Doppelgruppe und als Bestandteil eines größeren Ensembles der Zwischenkriegszeit. Wesentlicher Bestandteil des ursprünglichen Erscheinungsbildes sind der eingefriedete Vorgarten und der rückwärtig gelegene große Ziergarten. Die im Bauverband mit dem Nachbarhaus gestaltete Anlage Theodor-Schwann-Straße 16 fügt sich harmonisch in die gehobene Wohnhausarchitektur des Straßenzuges, dessen reich dekorierte Baukörper mit Risaliten, Erkern, Balkonen und Ziergiebeln in historisierenden und zeitgemäß modernen Formen und Varianten des Jugendstils dem Wohnviertel sein charakteristisches Gepräge geben.

Aufgrund der sehr weitgehenden Erhaltung des Originalzustands, der Fassaden, des Treppenhauses und der Interieurs, die an großbürgerliche Wohn- und architektonische Hoheitsformen anknüpfende historisierende- und moderne Stilformen offenbaren, ist das Gebäude für das Erscheinungsbild des Wohnbereichs und als Dokument des Sozialstatus der bürgerlichen Bauherrenschaft des zweiten Jahrzehnts unseres Jahrhunderts von hoher Bedeutung. Das Wohnhaus Theodor-Schwann-Straße 16 ist als zeittypisches Dokument gebauter Architektur zu Beginn unseres Jahrhunderts ein unverzichtbares Bauwerk im Ortsteil Riehl und wertvoller Bestandteil der städtisch geprägten Baukunst in Köln.

Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0