ehem. Offiziersvilla der britischen Rheinarmee
Am Botanischen Garten 57 · Riehl
| Baudenkmalnummer | DE_05315000_A_8649 |
|---|---|
| Typ | Gebäude-Denkmal |
| Bezeichnung | ehem. Offiziersvilla der britischen Rheinarmee |
| Adresse | Am Botanischen Garten 57, 50735 Köln |
| Baujahr | 1920 bis 1921 |
| Eigentum | privates Eigentum |
| Eingetragen seit | 18.02.2004 |
| Stadtteil | Riehl |
Erbaut 1920/21, Entwurf: Ulrich Pohl, zweigeschossige, vierachsige Villa mit Walmdach. Putzfassaden; Fenster und Türen im EG durch Werksteinrahmung betont. Gebäudekanten mit vertikal scharrierten Lisenen hervorgehoben; Sockelbereich (gartenseitig Sockelgeschoss) scharriert; oberer Abschluss mit schlichtem Zahnfries
Straßenseitige Fassade:
EG: Fenster mit Übergiebelung; 1. OG: horizontale Gliederung mit schlichtem, durchlaufendem Sohlbankgesims; DG mit breitem Traufgesims, nach Brand während der amerikanischen Besatzung ohne Gauben erneuert, ehem. mit 3 kleinen Gauben.
Rückwärtige Fassade:
4 Achsen (die rechte breiter als die übrigen und mit Tür zur Terrasse);
Terrasse im rechten Drittel auf dem vorgezogenem Sockelgeschoss, dieses nur durch kleinen Okulus gartenseitig geöffnet; Treppenabgang von der Terrasse in den Garten;
Sprossenfenster und –tür; Putzfassade mit Ausbesserungen im 1. OG;.
Nördl. Seitenfassade:
3 Achsen (unregelmäßig), um 5 Stufen erhöhter Hauseingang von Wandvorlagen flankiert und Übergiebelung, Haustür mit Rundbogen und Oberlicht;
Im EG gartenseitiges großes Fenster geschlossen, dahinterliegend jetzt Gäste-WC mit 3 kleinen Fenstern.
Südl. Seitenfassade:
3 Achsen, davon nur die mittlere mit Fenstern (original), im EG Fenster mit karniesbogenförmiger Verdachung. Fensterachse betont durch risalitartige Wandvorlage, die das schlichte Sohlbankgesims durchbricht.
Im Inneren original erhalten:
EG: Eingangsbereich und Gäste-WC mit Terrazzo; Grundriss verändert (insbes. gartenseitige Räume; ehem. auch Küche mit Anrichte), Deckendurchbruch mit Wendeltreppe;
Treppe und Handlauf (Holz), Türen im EG erneuert, im 1. OG Holztüren mit Füllung,
Wandschrank; schlichter Stuck (Kehlung), teilw. Parkett.
Bestandteile des Denkmals sind auch der große rückwärtige Ziergarten mit altem Baumbestand und der straßenseitige Ziergarten mit Einfriedung (Bruchsteinmauer mit Pfeilern und Deckplatten sowie nachträglich erneuerter Vergitterung). Treppenabgang vom Vorgarten zum Garten rechts/ nördlich des Gebäudes.
Nicht Bestandteil des Denkmals ist die Garage (50er Jahre).
Der erstmals 942 bezeugte Ort Riehl war im Mittelalter eine dörfliche Ansiedlung mit stattlichen Hofanlagen. Nach großen Überschwemmungen und Zerstörung im Zuge des burgundischen Krieges fand das mittelalterliche Riehl 1474 ein Ende. Neuerrichtete, weniger umfassende Ansiedlungen entstanden in den folgenden Jahrhunderten. Politisch war Riehl im 19. Jahrhundert ein Teil der Bürgermeisterei Longerich und wurde 1888 nach Köln eingemeindet. In der Mitte des 19. Jahrhunderts hatte sich mit der Anlage des Zoos 1859/60 und der Flora 1862/64 das damalige Kölner Vergnügungsviertel "Goldene Ecke" entwickelt. Die ältesten erhaltenen Wohnbauten Riehls an der Hittorf-, Stammheimer- und Boltensternstraße stammen aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts.
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde im südlichen Teil Riehls der Botanische Garten angelegt, um dieses Grüngebiet entstand seit den 20er Jahren das vornehme Wohnviertel mit Villenbebauung Am Botanischen Garten. Die städtische Wohnungsbaugesellschaft GAG bebaute gleichzeitig die Freiflächen an Barbara- und Boltensternstraße mit großen Mietblöcken (Naumannviertel). Als jüngster Wohnbereich Riehls wurde in der Nachkriegszeit das Gelände zwischen Zoologischem Garten und Rhein erschlossen. Die Stammheimer Straße mit ihren ältesten Bauten im nördlichen Abschnitt, den späten Gründerzeitbauten und den repräsentativen Eingängen zum Botanischen Garten, zur Flora und zum Zoologischen Garten in ihrem südlichen Teil, veranschaulicht die städtebauliche Entwicklung des Vorortes Riehl.
An die für gehobene Ansprüche errichteten Mietwohnobjekte mit Vorgärten an der Stammheimer Straße nördlich des Riehler Gürtels schließen sich die durch Gartengrün und Baumbestand aufgelockerten, aufwendigen, zumeist zweigeschossigen und freistehenden Wohnbauten Am Botanischen Garten an, die teilweise als Doppelhäuser und Gruppenbauten kleinere Baueinheiten bilden (Am Botanischen Garten 45/47, 49 a/b, 51 - 55, 59 - 63, 54 - 58, 66/68, 70 - 74, 49 und Johannes-Müller-Straße 27). Das Wohnviertel Am Botanischen Garten weist die besonderen Vorzüge der Nähe zu Flora, Botanischem- und Zoologischem Garten und zum Citybereich auf.
Das Gebäude Am Botanischen Garten 57 ist ein markantes Beispiel für die hohen Ansprüchen genügende Baukultur repräsentativer Villenbauten der 1920er Jahre.
In großzügigem Grünbereich gelegen, weist es individuelle Gestaltungsdetails einer traditionellen Moderne und einer malerisch bewegten Architektursprache mit zeittypischen Baumerkmalen auf. Dekorative und repräsentative Formen greifen gestaltbildend ineinander.
Das in den 20er Jahren errichtete Wohngebäude zeigt in der Fassadengestaltung eine neoklassizistische Strömung mit reduzierten klaren Formen und Versatzstücken historisierender Fassadendekoration, die sich dem Vorrang der Architektur in der Gestaltung unterordnen (Schmuckformen: Rhythmisierung der symmetrisch gestalteten Gesamtanlage durch Ziergiebel, deutliches Sohlbankgesims, scharrierte Elemente, Betonung der Gebäudekanten)
Wesentlicher Bestandteil des ursprünglichen Erscheinungsbilds sind der eingefriedete Vorgarten und der rückwärtig gelegene große Ziergarten. Die Vorgartenanlage mit Einfriedung wurde im Bauverband mit den Nachbarhäusern 59 – 71 errichtet und auch die gegenüberliegende Straßenseite mit den Häusern Am Botanischen Garten 62 - 76 weist diese einheitliche Gestaltung der Einfriedung auf.
Gebaut wurden diese Häuser zur Unterbringung von Angehörigen der britischen Armee. Als im Dezember 1918 die ersten Besatzungstruppen in die Rheinlande einrückten, regelte das Rheinabkommen die Unterbringungspflicht des Deutschen Reiches. Danach sollten Mannschaften und Unteroffiziere in Kasernen und nur die Offiziere in Privatquartieren untergebracht werden. Weil die Besatzer jedoch die Unterbringung in Kasernen für sämtliche Angehörige ablehnten, hatten sie zunächst Privatwohnungen beschlagnahmt. Im Jahr 1920 waren insgesamt 10.540 Räume in 3.644 Privathäusern belegt.
Angesichts der allgemeinen Wohnungsnot und des Zuzugs von britischen Familienangehörigen begann die Stadt schließlich mit der Errichtung von Neubauwohnungen für die Besatzer. Allein bis 1923 entstanden neben Mannschaftsbauten 359 Offizierswohnungen und –villen in vornehmen, der englischen Lebensweise entsprechendem Baustil. Die Lage der Siedlungen im Stadtgebiet wurde dabei von den Besatzungsmächten vorgegeben. Bestimmend waren taktisch-strategische Überlegungen (Nähe zu militärischen Anlagen, Dienstgebäuden, wichtigen Verkehrsverbindungen) bei einer gleichzeitigen angenehmen Wohnlage, hier die Nähe zum Botanischen Garten.
Offiziers- und Unteroffiziersviertel mussten dabei streng getrennt werden und auch Größe und Ausstattung richtete sich nach dem jeweiligen Dienstrang. Südlich des Riehler Gürtels befanden sich die Offizierswohnungen, nördlich davon die Mannschaftswohnungen.
Anhand der Bebauung ist ablesbar, dass die Villa Am Botanischen Garten 57 dementsprechend für den ranghöchsten Offizier errichtet worden ist.
Historisch sind die Besatzungsbauten bauliche Zeugen der Besetzung der Rheinlande, des Versailler Vertrages, sowie der Lebensgewohnheiten und der taktisch-militärischen Vorstellungen der Engländer nach dem Ersten Weltkrieg. Mit dieser Bebauung wird deutlich, mit welchem Anspruch damals Deutschland besetzt wurde. Man ließ sich vornehme, oft villenartige Häuser errichten und übernahm nicht die leerstehenden Kasernen.
Städtebaulich wurde mit den neuen Häusern zusammen mit vorhandenen oder später errichteten Gebäuden ein kleines Villengebiet nördlich von Flora und Zoo geschaffen.
Nach Abzug der britischen Besatzungstruppen 1926 wurden die Wohnungen von deutschen Wehrmachtsangehörigen genutzt oder gingen in Privatbesitz über. So auch die Villa Am Botanischen Garten 57, die sich seit 1929 im Besitz der Familie Zschocke befindet.
Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0