Wohnhaus
Mülheimer Freiheit 131 · Mülheim
| Baudenkmalnummer | DE_05315000_A_7986 |
|---|---|
| Typ | Gebäude-Denkmal |
| Bezeichnung | Wohnhaus |
| Adresse | Mülheimer Freiheit 131, 51063 Köln |
| Baujahr | um 1897 |
| Eigentum | privates Eigentum |
| Eingetragen seit | 29.10.1996 |
| Stadtteil | Mülheim |
Um 1897 erbaut, viergeschossiges, traufständiges Vorderhaus mit rückwärtigem Flügelbau.
Straßenfassade: Zweiachsige Putzfassade mit Lagerfugen (im EG umgebaut und mit Fliesen verblendet), je Achse ein Doppelfenster (Fensterverschlüsse erneuert) mit Sohlbankgesims, aufwendige, gotisierende Schmuckformen; im 1. OG Fenster mit Korbbögen, Fensterbekrönung mit Buchstabenwappen ("F" und "K"), Gesims und Fiale, zwischen den Doppelfenstern florale Stuckapplikation, Blendmaßwerk in der Brüstung im 1. und 3. OG; im 2. OG segmentbogige Fensteröffnungen, oberhalb der Doppelfenster jeweils 1 plastisch ausgebildeter Engel, Sohlbankgesims im 2. und 3. OG über filialartigen Schmuckformen verkröpft; im 3. OG rundbogige Fensteröffnungen, Brüstung durch Gesimse eingefaßt, oberhalb der Fenster Blendmaßwerk, in der Mitte pilasterartig Schmuckform, profiliertes Traufgesims (Kamin und Aufmauerung auf der nördlichen Brandmauer modern).
Rückseite: breiter, viergeschossiger Flügelbau mit Backsteinfassade, segmentbogige Fensteröffnungen (im EG Fensterbögen tiefergesetzt, alle Fenster erneuert); schmaler Hof.
Innen original: Grundrißdispostion in allen Geschossen; Keller unverändert; im EG ornamental gestalteter Terrazzoboden (im Flur und vorderen Ladenraum, im hinteren Raum neuer Boden), Toilettentür mit 4 Füllungen; hölzerne Haustreppe mit profiliertem Antrittspfosten, Geländerstäben und Handlauf, Holzverkleidung des Treppenunterbaus (Kellerabgang) mit Füllungen; in Obergeschossen des Vorderhauses Deckenrosetten und Hohlkehlen (hinter abgehängten Decken); im 1. OG 1 Wohnungstür und im Dachgeschoß 5 Türblenden und 2 Türblätter erhalten.
Nicht Bestandteil des Denkmals ist der seitlich des Flügelbaus gelegene Hof.
Die Mülheimer Freiheit war seit dem Mittelalter der gesellschaftliche und wirtschaftliche Mittelpunkt der bis 1914 unabhängigen Stadt Mülheim. Erst um die Jahrhundertwende verlor sie diese überragende Bedeutung an die Frankfurter Straße, da diese näher an den in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts am Stadtrand entstandenen Industriebetrieben liegt und die neu angelegeten Wohnviertel erschließt.
Als der Kolonialwarengroßhändler Friedrich Klein (wohnhaft in der Franzstr. 16-18) das Haus um 1897 erbaute war die Mülheimer Freiheit noch eine wichtige Geschäftsstraße. Dementsprechend aufwendig ist die Fassade des Haus gestaltet. Die Detailformen erinnern an die Gotik (Maßwerk, Fialen, Doppelfenster in Form von Kreuzstockfenstern), doch wird auch auf die Renaissance zurückgegriffen (Rundbögen, Lagerfugen) und weitere Stuckapplikationen im Zeitgeschmack (Blattwerk im 1. OG, Engel) hinzugefügt. Dabei werden die Formen (Fialen, Pilaster) ohne architektonischen Zusammenhang rein als schmückende Applikationen verwandt. Diese Mischung verschiedenster Baustile zur Steigerung der dekorativen Wirkung ist typisch für die Architektur der Jahrhundertwende. Das o. g. Objekt stellt ein sehr typisches, kunsthistorisch bedeutendes Beispiel dieser Bauweise dar, denn trotz des umgebauten EG und der großteiligen neuen Fenster entfaltete die Fassade noch ihre dekorative Wirkung.
Das Haus ist Teil eines Ensembles ähnlicher, zeitgleicher Bauten (Mühlheimer Freiheit 129-133). Sie sind letzte Zeugen der ehemals geschlossenen, historischen Bebaung in der ansonsten stark veränderten Straße und daher von hohem ortsgeschichtlichen und städtebaulichen Wert.
So zeittypisch die Straßenfassade ist, um so traditioneller ist die Raumaufteilung im Inneren mit 3 Räumen und Flur im Vorderhaus, Treppe, Toilette und 2 weiteren Räumen im Flügelbau. Das Gebäude ist damit ein wichtiges, weil nur wenig verändertes Beispiele des im 19. Jahrhundert im Kölner Raum üblichen städtischen Wohnhauses. Aus den o. g. Gründen ist die Erhaltung des Hauses unverzichtbar.
Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0