Altenwohnheim

Schwalbengasse 3 · Altstadt/Nord

Baudenkmalnummer DE_05315000_A_7989
Typ Gebäude-Denkmal
BezeichnungAltenwohnheim
Adresse Schwalbengasse 3, 50667 Köln
Baujahr1950 bis 1951
Eigentumkirchliches Eigentum
Eingetragen seit 29.10.1996
Stadtteil Altstadt/Nord

Erbaut: 1950/51, ehemaliges Kloster der Cellitinnen, heute St. Maria Seniorenhaus, Architekten: Karl Band (1900-1995; Mitglied der sogenannten "Kölner Schule"), Hans Schilling (1921); 1985-87 Abriß des nach Westen anschließenden Bauabschnitts (Nr. 5 und 5 a), (Neubau 1987-89), im Zuge der Neubaumaßnahmen wurden die Interieurs im Gebäude Nr. 3 weitgehend erneuert; auf rechteckiger Grundfläche, nach Osten im Bauverband zum zweigeschossigen Eingangsbau der Pfarrgebäude St. Maria in der Kupfergasse.

Fassade: zur Straße 3 Geschosse, zum Garten 4 Geschosse und Souterrain, ausgebautes Dachgeschoß, Satteldach, Backsteinfassade mit Gliederungen in Sichtbeton, 9 Achsen, zurückgesetztes Sockelgesims in Beton mit vorgelagerten Betonpfeilern, Traufgesims in Beton, im 1. Obergeschoß sichtbetongerahmter Ziererker mit vierteiligem Fenster, Öffnungen mit geradem oberen Abschluß, links zu Dreiergruppe zusammengefaßt, z. T. Hochrechteckfenster, z. T. annähernd quadratische Fenster, alle straßenseitigen Fenster erneuert (Einscheibenfenster in Aluminium, grün), Kellerfenster: zwei dreiteilige Fensterbänder (unterhalb des Betongesimses) original, Metall, Veluxfenster des Dachgeschosses erneuert. Ehemaliger Haupteingang nach Osten von der offenen Bogenhalle der Pfarrgebäude, sechsstufige Treppe, Natursteinplatten, beidseitig Treppengeländer in Metall, zweiteiliger Eingang, Türen mit horizontaler Schichtung von Metallstegen und Verglasung, Seiten- und Oberlichte (heute wird das Gebäude Schwalbengasse 3 über den Neubau erschlossen).

Rückseite: Backstein, 5 Achsen (keine konsequente axiale Anordnung), Veränderungen: Balkone des 1. Obergeschosses entfernt, außenliegende Treppe vom Garten zum Souterrain verlegt und verändert, dem Souterrain rechts vorgelagert vierteiliger Ausbau in Glas/Aluminium. Alle rückwärtigen Öffnungen mit geradem oberen Abschluß, Fenster und Fenstertüren (ehemals Balkontüren) erneuert (Aluminium).

Im Inneren: Treppenhaus: Treppenstufen auf Betonunterzug, Treppe mit polierten Natursteinplatten (erneuert) belegt, originales Treppengeländer, Stäbe in Metall, Handlauf in Messing.

In den Wohnräumen: weitgehend keine Originalsubstanz, originale Fensterbänke in Kunst- und Naturstein, z. T. poliert.

Nach den Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs, die in der Kölner Altstadt verheerende Verluste der historischen Baukultur zur Folge hatten, wurden weite Teile der gebauten Umwelt, insbesondere die die Altstadt prägende Architektur des späten 19. Jahrhunderts aufgegeben. Den architektonischen und stadtplanerischen Vorstellungen der Nachkriegszeit entsprechend schuf man durch eine großzügige Planung ausgedehnte Freiflächen, die eine großräumige Gestaltung zur Folge hatte. Der Straßendurchbruch Nord-Süd-Fahrt mitten durch die Altstadt und seine architektonische Fassung führten weitgehend zu einer Entwertung des historisch gewachsenen Stadtgrundrisses und zu großmaßstäblich geplanter Bebauung.

Im Bereich zwischen den Ost-West-Achsen Zeughaus/Komödienstraße und der Breite Straße liegt in einem kleinteiligen, von den Straßen Auf dem Berlich und Neven-DuMont-Straße (ehemals Langgasse) begrenzten Geviert die katholische Barockkirche St. Maria Himmelfahrt von 1705-1715. An der Stelle der sich heute westlich an die Saalkirche anschmiegenden Pfarrgebäude lag in historischer Zeit des Kloster der Karmeliterinnen (1660 Baubeginn, 1802 Aufhebung des Klosters, 1828 Übergabe des Klosters an die Kölner Cellitinnen). Das Klostergebäude im Bauverband zum Kirchengebäude war ein schlichter, um einen rechteckigen Hof neben der Westseite der Kirche gelegener Bau aus dem 17. Jahrhundert. Seit 1802 fungiert die Kirche als Pfarrkirche. Nach Zerstörung der bis ins 20. Jahrhundert überlieferten Gebäude im Zweiten Weltkrieg ließ der Orden zu Beginn der 1950er Jahre, westlich des Kirchenschiffs das zur Gasse drei- zum rückwärtigen Garten viergeschossige langgestreckte Klostergebäude errichten. Der nach Westen anschließende gleichgestaltete Bauabschnitt (Nr. 5 und 5 a) mit Kapelle, Sakristei, Refektorium und Verwaltungsräumen wurde 1985-1987 abgebrochen und durch einen Neubau ersetzt.

Das Gebäudes Schwalbengasse 3 von 1950/51 bildet mit den nach Osten anschließenden ein- bis zweigeschossigen Gebäuden der Pfarrkirche (Pfarrhaus, Pfarrsaal, Pfarrbüro, Sakristeien, Kreuzgang) einschließlich der gemeinschaftlichen Gartenanlage, die 1954 von Karl Band realisiert wurden, ein einheitliches Ensemble. Das Zentrum der Gesamtanlage stellt der nur geringe Ausmaße aufweisende Garten dar, der unmittelbar von einem neuerbauten Kreuzgang vierseitig eingefaßt ist. Um den Kreuzgang, bzw. auch mit den Kreuzgangarmen direkt verbunden und diese einschließend, erheben sich die in U-Form den Blockinnenbereich umschließenden ein- und zweigeschossigen Pfarrgebäude sowie der Bau des Seniorenhauses. Die in Grund- und Aufriß einfach gestalteten Baulichkeiten zeigen Backsteinfassaden mit Gliederungen in Sichtbeton. Gestaltbildende architektonische Prinzipien sind der Verzicht auf eindeutige Fensterachsen (an Straßen- und Rückfassade), einfach in die Fassaden eingeschnittene Fenster und die Individualität in Anordnung, Format und Größe der Öffnungen.

Die Architekten haben sich eingehend mit der Geschichte der historischen Bebauung am Ort befaßt und sich mit den Ordnungsprinzipien der archivalisch und bildlich überlieferten Klosterarchitektur auseinandergesetzt. Erkenntnisse haben sie als Vorgaben für die Neubauten zu Grunde gelegt. Diese haben die Planung der Anlage und die Gebäudegruppierung beeinflußt, sowie die verwendeten Materialien bestimmt. In Kenntnis der und aus Respekt vor den historischen Gegebenheiten haben die Architekten ein Ensemble geschaffen, das monastische Organisations- und Bauformen rezipiert.

Auch in den Detailformen sind Tradition, Überlieferung und bewußte Fortsetzung eines Kontinuums Grundlagen der Planung. Die Eingangssituation in Gestalt der Dreibogengruppe vor offener Halle ist eine im Kirchenbau repräsentative Bildung der Portalgliederung, die ihre Hauptverbreitung als dekoratives Element der (staufischen) Baukunst im Rheinland fand. Da die Kirche genordet erscheint, wurde die testamentarische Forderung, daß die Kirche drei Eingänge im Westen besitzen soll, an prominenter Stelle, d.h. im nach Westen orientierten Zugang zum ehemaligen Klosterbereich, verwirklicht. Der Dreibogengruppe unmittelbar gegenüber angeordnet befindet sich der ehemalige Eingang des Seniorenheims mit aufwendig gestaltetem Portal.

Den an der schmucklosen, backsteinsichtigen Nordwand zur Schwalbengasse eingelassene Seiteneingang schmückt heute eine transferierte Baureliquie in Form eines "Grinkopfes". Aus den schriftlich überlieferten Quellen geht hervor, daß eine gleiche Plastik bereits den nördlichen Eingang zum Kloster markierte.

Die 50er Jahre, die erste Wiederaufbauphase nach den Zerstörungen des Zweiten Weltkrieges, sind als inzwischen abgeschlossene Periode des Bauschaffens Gegenstand wissenschaftlicher Betrachtung. Aus dieser Zeit verfügt Köln über eine Anzahl von Bauwerken von hoher baukünstlerischer und städtebaulicher Qualität. Karl Band hat mit dem, der Kirche St. Maria in der Kupfergasse zugehörigen Seniorenhaus ein in seinen Formen zurückhaltendes Bauwerk geschaffen, dessen Wert in seiner funktionalen Schlichtheit und klaren architektonischen Gestaltung liegt. Der im Stil der internationalen Moderne gehaltene Neubau der 1950er Jahre vermeidet jegliche Art von Monumentalität und repräsentativer Wirkung.

Das Gebäude Schwalbengasse 3 ist wesentlicher Bestandteil der Altstadtbebauung nach dem Zweiten Weltkrieg und als charakteristische architektonische Schöpfung und individuelle Lösung des Wiederaufbaus unbedingt zu erhalten.

Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0