Pfarrgebäude

Schwalbengasse 1 · Altstadt/Nord

Baudenkmalnummer DE_05315000_A_8018
Typ Gebäude-Denkmal
BezeichnungPfarrgebäude
Adresse Schwalbengasse 1, 50667 Köln
Baujahr1954
Architekt / PlanungKarl Band, Hans Schilling
Eigentumkirchliches Eigentum
Eingetragen seit 15.11.1996
Stadtteil Altstadt/Nord

Erbaut: 1954, Architekten: Karl Band (1900 - 1995; Mitglied der sogenannten "Kölner Schule"), Hans Schilling (1921), Gemeindebauten der katholischen Kirche St. Maria Himmelfahrt, genannt St. Maria in der Kupfergasse; die verschiedenen ein- und zweigeschossigen Gebäude im Westen anschließend an das Kirchengebäude, im Bauverband miteinander verbunden und Uförmig um einen innenliegenden Kreuzgang (ehemaliger Friedhof) gruppiert: Pfarrhaus, Pfarrerwohnung, Pfarrbüro, Pfarrsaal, Küsterwohnung, Sakristeien, Kreuzgang.

Zur Schwalbengasse Eingangsgebäude auf rechteckiger Grundfläche; alle weiteren Gebäude auf jeweils rechteckiger Grundfläche befinden sich im Blockinnenbereich - zur NevenDuMont-Straße durch das Kirchengebäude, zur Schwalbengasse durch den Neubau des Altenheims aus den 1950er Jahren - begrenzt.

Eingangsgebäude; errichtet auf bestehenden Mauerresten.

Fassade: 2 Geschosse, flaches Walmdach (ehemals - bis 1994 - Flachdach); Erdgeschoß Backstein, Obergeschoß verschiefert, Eingangsachse, Eingang mit geradem oberem Abschluß, geschmiedetes Stahltor mit Rautenmuster, über dem Eingang Grinkopf, das deutlich vorkragende Obergeschoß gänzlich verschiefert, rechts zwei annähernd quadratische Fenster (erneuert) mit geradem oberen Abschluß, Holz; links: erkerartiger Fensterausbau, nach vorne und über das Dach hinaus vorkragender Ausbau, kubusartig das Obergeschoß durchdringend (1994 verändert), Sohlbank, Gewände und Sturz in Beton, mehrteiliges Fenster mit Seiten- und Oberlicht.

Ostfassade

Erdgeschoß: offene Rundbogenhalle (Dreibogengruppe), Backstein, Obergeschoß verschiefert, drei annähernd quadratische, in die Schieferfassade eingeschnittene Fenster mit geradem oberen Abschluß, Holz.

Offene Bogenhalle (innen): die Südwand backsteinsichtig, die West- und Nordwand verputzt, Bodenplatten; nach Süden (Eingang zu Treppenhaus und Pfarrbüro/Pfarrerwohnung), vorgebautes Eingangsgehäuse Metall /Strukturglas, verglaste Seitenteile, Metalltür mit dekorativem Knauf und Metallstreben, Seiten- und Oberlichte; nach Südwest: Eingang zum Kreuzgang; nach Westen in der Fassadenmitte (ehemaliger Eingang zum Altenheim): sechsstufige Treppe, Natursteinplatten, beidseitig Treppengeländer in Metall, zweiteiliger Eingang, Türen mit horizontaler Schichtung von Metallstegen und Verglasung, Seiten- und Oberlichte.

Obergeschoß: nördlicher Teil der Pfarrerwohnung.

Pfarrbüro (Pfarrbüro/Erdgeschoß, Pfarrerwohnung/Obergeschoß; nach Süden im Bauverband zum Eingangsgebäude, nach Osten im Bauverband zum Kirchengebäude, den Nordwestturm (Glockenturm) zweigeschossig einschließend):

Westfassade:

Erdgeschoß: Backstein, der westliche Gebäudeabschnitt als überdachter seitlich zum Garten offener Gang in Nord-Süd-Erstreckung (dem Pfarrbüro vorgelagert), drei Fenster mit geradem oberen Abschluß, ein breitgelagertes Holzfenster mit geradem oberen Abschluß, dreigeteilt, Oberlichte, Holz.

Obergeschoß: Backstein, drei Fenster mit geradem oberen Abschluß, Holzfenster.

Im Inneren:

Erdgeschoß (Pfarrbüro/Pfarrerbüro): Eingangsbereich/Treppenhaus: die Treppe zum Obergeschoß (Pfarrerwohnung) um den nordwestlichen Rundturm der Kirche geführt (S-förmige Rundung), Betontreppe mit PVC-Belag, in der Rundung, dem Treppenverlauf folgend Rundglasbausteine zum Pfarrbüro hin.

Obergeschoß (Pfarrerwohnung): Diele Buntglas-Bleifenster nach Osten, in der Rundung, dem Treppenverlauf folgend Glasbausteine, Kamin, roter Marmor, 18. Jahrhundert, als dekorative Heizkörperverkleidung hierhin transloziert, Parkettboden erneuert, in den Wohnräumen z. T. originaler Parkettboden (Riemchen), Wohnraum nach Süden mit vorgelagerter Terrasse, Wohnraum nach Norden: Konferenzzimmer.

Der Pfarrerwohnung vorgelagerte Terrasse nach Süden (z. T. über dem westlichen Annexbau der Kirche z. T. über dem östlichen Kreuzgangflügel).

Keller: Grundmauern des historischen Glockenturms in Bruchstein, verputzt (diese sollen noch von dem im 17. Jahrhundert niedergelegten Neuenahrer Hof stammen), im Heizungskeller (nach Norden): historisches Tonnengewölbe in Backstein.

Sakristeien (den Komplex nach Süden begrenzendes Gebäude in Ost-West-Erstreckung; Erdgeschoß: Sakristeien (Arbeitssakristei, Pfarrersakristei, Knabensakristei), Kreuzgang, zentrale Diele und Treppenhaus; Obergeschoß: Küsterwohnung; nach Norden im Bauverband zum Annexbau der Kirche und zum Gebäude des Pfarrbüros.

Nordfassade (im nördlichen Erdgeschoßbereich eingeschossiger östlicher Kreuzgangflügel): zweigeschossig, Backstein, Traufzone in Sichtbeton, im Obergeschoß rechts: vier hochrechteckige Fenster in Holz (erneuert) mit geradem oberen Abschluß, links horizontales dreiteiliges Fensterband im oberen Bereich, Holz.

Der Küsterwohnung vorgelagerte Terrasse nach Norden.

Südfassade: zweigeschossig, zurückgesetztes Obergeschoß, verputzt.

Erdgeschoß: links Treppenhaus, Eingang rechts mit geradem oberen Abschluß, links vertikale Glaswand aus durchsichtigen Glasbausteinen mit Einschluß von Formglasbausteinen; rechts: drei querrechteckige Schwenkfenster in Holz, geschliffene Gläser (Darstellung des Hl. Geistes und des Auge Gottes).

Obergeschoß: rechts dreiteiliges Band von annähernd quadratischen Fenstern in Holz mit geradem oberen Abschluß, links großes Fenster mit geradem oberen Abschluß und anschließender Terrassentür, vorgelagerte Terrasse.

Im Inneren: Treppenhaus: Kunststeinbodenblag, Kunststeintreppe, Geländer in Holz.

Sakristeien: Linoleumbodenbelag, Einbauschränke, Fensterbänke in rot/grauem Marmor.

Pfarrsaal (zweigeschossiges Gebäude in Ost-West-Erstreckung im Bauverband zu Sakristeigebäude/Kreuzgang).

Nordfassade:

Souterrain: dem Gebäude vorgelagert in Sichtbeton gefaßter Lichtschacht zur Belichtung des Souterrains, fünf Fenster in Holz mit geradem oberen Abschluß.

Erdgeschoß: Sichtbetonfachwerk, Gefache in Backstein, Obergeschoß Backstein, Flachdach, 5 Achsen, Erdgeschoß: von den vertikalen Betonstützen gefaßte Reihe von fünf Fenstern in Holz mit geradem oberen Abschluß, den Fenstersturz der Reihe bildet das horizontale Gesims in Sichtbeton.

Obergeschoß: paarweise zusammengefaßt je zwei Fenster in Holz mit geradem oberen Abschluß, Fensterstürze in Beton. Stirnseite (nach Westen): Erdgeschoß gänzlich geschlossen; Obergeschoß: dreiteiliges Fensterband, Fenster in Holz mit geradem oberen Abschluß, Fensterstürze in Beton.

Im Inneren:

Souterrain (Versammlungsraum): PVC-Bodenplatten, Eingang von Osten: Holztür mit flankierenden Seitenlichten.

Erdgeschoß (Pfarrsaal): Linoleumboden, Türen in Holz, Eingang von Osten: dreiteiliger Holz-/Glaseinbau, Oberlicht. Obergeschoß (katholische Frauengemeinschaft): Büroräume, ein langgestreckter Flur (nach Süden) erschließt die nach Norden gelegenen Arbeitsräume, PVC-Bodenbelag, Türen und Gewände in Holz, breite Fensterbänke in Naturstein, Einbauschränke in Holz.

Kreuzgang:

auf rechteckiger Grundfläche, vierflügelig um den Garten geführt; z. T. offene (zum Garten hin gänzlich verglast) Wandelgänge, überbaut (Ostflügel, Südflügel), z. T. als selbständige und freistehende (zum Garten hin offen), flachgedeckte Gebäude (Nordflügel, Westflügel); tragende Metallstützen, Kunststeinbodenplatten, Traufbereich verschiefert.

Der östliche Kreuzgangflügel öffnet sich mit zwei Rundbogenfenstern zur Josephskapelle, Fenster in Metall, Sprossenteilung, Oberlicht. Der westliche und nördliche Kreuzgangflügel mit rückwärtiger halbhoher Backsteinmauer, im darübergelegenen Bereich Buntglas-Bleifenster mit Bildprogramm (von der Verkündigung an Maria bis zur Himmelfahrt Christi).

Der vom Kreuzgang umschlossene Kreuzgarten einschließlich der steinernen Grabstelle sowie der nördliche Gartenbereich sind Bestandteil des Denkmals.

Nach den Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs, die in der Kölner Altstadt verheerende Verluste der historischen Baukultur zur Folge hatten, wurden weite Teile der gebauten Umwelt, insbesondere die die Altstadt prägende Architektur des späten 19. Jahrhunderts teilweise aufgegeben. Den architektonischen und stadtplanerischen Vorstellungen der Nachkriegszeit entsprechend schuf man durch eine großzügige Planung ausgedehnte Freiflächen, die eine großräumige Neugestaltung zur Folge hatte. Der Straßendurchbruch Nord-SüdFahrt mitten durch die Altstadt und seine architektonische Fassung führten weitgehend zu einer Entwertung des historisch gewachsenen Stadtgrundrisses und zu großmaßstäblich geplanter Bebauung.

Im Bereich zwischen den Ost-West-Achsen Zeughaus-/Komödienstraße und der Breite Straße liegt in einem kleinteiligen, von den Straßen Auf dem Berlich und Neven-DuMont-Straße (ehemals Langgasse) begrenzten Geviert die katholische Barockkirche St. Maria Himmelfahrt von 1705 - 1715. An der Stelle der sich heute westlich an die Saalkirche anschmiegenden Pfarrgebäude lag in historischer Zeit das Kloster der Karmelitessen (1660 Baubeginn, 1802 Aufhebung des Klosters, 1828 Übergabe des Klosters an die Kölner Cellitinnen). Das Klostergebäude im Bauverband zum Kirchengebäude war ein schlichter, um einen rechteckigen Hof neben der Westseite der Kirche gelegener Bau aus dem 17. Jahrhundert. Seit 1802 fungiert die Kirche als Pfarrkirche. Nach Zerstörung der bis ins 20. Jahrhundert überlieferten Gebäuden im Zweiten Weltkrieg ließ die Kirchengemeinde in den 1950er Jahren, im Westen an das Kirchenschiff und die 1873 über zwei Joche parallel dazu angefügte Josephskapelle anschließend, umfangreiche, ein- bis zweigeschossige Gebäude (Pfarrhaus, Pfarrsaal, Pfarrbüro, Sakristeien, Kreuzgang) um die begrünte Innenfläche errichten.

Das Zentrum der Gesamtanlage stellt der nur geringe Ausmaße aufweisende Grünbereich (Garten) dar, der unmittelbar von dem neuerbauten Kreuzgang vierseitig eingefaßt ist. Um den Kreuzgang, bzw. auch mit den Kreuzgangflügeln direkt verbunden und diese einschließend, erheben sich die in U-Form den Blockinnenbereich umschließenden ein- und zweigeschossigen Gebäude. Diese sind in Grund- und Aufriß einfach gestaltete, den Funktionsvorgaben genügende Bauten. Das im Grundriß vorherrschende Rechteck der einzelnen Gebäude erfährt eine Auflockerung dadurch, daß die einzelnen Funktionsbereiche und gebauten Teile ineinander übergehen und ein einheiltiches Ensemble darstellen. Die vorgegebene Form setzt sich auch in den Aufrissen der breitgelagerten und höchstens zwei Geschosse hohen Gebäude fort. Backsteinfassaden mit Gliederungen in Sichtbeton, der Verzicht auf Fensterachsen, einfach in die Fassaden eingeschnittene Fenster und die Individualität in Anordnung, Format und Größe der Öffnungen kennzeichnen die zurückhaltenden Architekturformen, die sich dem im Bauverband anstehenden Kirchengebäude unterordnen.

Die Architekten haben sich eingehend mit der Geschichte der historischen Bebauung am Ort befaßt und sich mit den Ordnungsprinzipien der archivalisch und bildlich überlieferten Klosterarchitektur auseinandergesetzt. Erkenntnisse haben sie als Vorgaben für die Neubauten zu Grunde gelegt. Diese haben die Planung der Anlage, die Gebäudegruppierung beeinflußt, sowie Gebäudehöhen und verwendete Materialien bestimmt.

Der vom Kreuzgang umschlossene Garten diente den Klosterinsassen als Friedhof. Eine in Stein gefaßte Grabstelle der Karmelitessen ist in diesem Bereich bis heute überliefert. Dieser Zusammenhang war zur Bauzeit nach dem Weltkrieg Anlaß, die historisch gewachsene Anlageform in ihrer Grundstruktur zu erhalten. Das dem klösterlichen Leben eigentümliche Bauordnungsprinzip, d.h. die Abgeschlossenheit nach außen und die Orientierung aller Gebäude auf den Innenbereich, die eine zurückgezogene, nach Innerlichkeit der Glaubensausübung strebende Lebensphäre entfaltet, wurde mit den Neubauten, die sich nach Osten hin durch die Kirche, nach Norden hin durch den Neubau des Altenheims abschirmen und weitgehend nach Innen orientieren, nachvollzogen. In Kenntnis der und aus Respekt vor den historischen Gegebenheiten haben die Architekten ein Ensemble geschaffen, das monastische Organisations- und Bauformen rezipiert.

Auch in den Detailformen sind Tradition, Überlieferung und bewußte Fortsetzung eines Kontinuums Grundlagen der Planung. Die Eingangssituation in Gestalt der Dreibogengruppe vor offener Halle ist eine im Kirchenbau repräsentative Bildung der Portalgliederung, die ihre Hauptverbreitung als dekoratives Element der (staufischen) Baukunst im Rheinland fand. Da die Kirche genordet erscheint, wurde die testamentarische Forderung, daß die Kirche drei Eingänge im Westen besitzen soll, an prominenter Stelle, d.h. im nach Westen orientierten Zugang zum ehemaligen Klosterbereich verwirklicht.

Den an der schmucklosen, backsteinsichtigen Nordwand zur Schwalbengasse eingelassenen Eingang schmückt heute eine transferierte Baureliquie in Form eines "Grinkopfes". Aus den schriftlich überlieferten Quellen geht hervor, daß eine gleiche Plastik bereits den nördlichen Eingang zum Kloster markierte.

Die 50er Jahre, die erste Wiederaufbauphase nach den Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs, sind als inzwischen abgeschlossene Periode des Bauschaffens Gegenstand wissenschaftlicher Betrachtung. Aus dieser Zeit verfügt Köln über eine Anzahl von Bauwerken von hoher baukünstlerischer und städtebaulicher Qualität.

Karl Band und Hans Schilling haben mit den, der Kirche St. Maria in der Kupfergasse zugehörigen Pfarrgebäuden eine äußerst zurückhaltende Bautengruppe geschaffen, deren Wert in ihrer funktionalen Schlichtheit als Ausdruck der Respektierung der über Jahrhunderte gewachsenen historischen Bauten, die den verheerenden Kriegszerstörungen zum Opfer fielen, liegt. Die im Stil der internationalen Moderne gehaltenen Neubauten der 1950er Jahre vermeiden jegliche Art von Monumentaltiät und repräsentativer Wirkung. Sie treten nicht an Stelle der früheren Bebauung, sondern bilden in auf das Wesentliche reduzierten Formen ein der Tradition verpflichtetes Kontinuum. Die Gebäude Schwalbengasse 1 sind wesentlicher Bestandteil der Altstadtbebauung nach dem Zweiten Weltkrieg und als charakteristische architektonische Schöpfung und individuelle Lösung des Wiederaufbaus unbedingt zu erhalten.

Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0