Wohnhaus
Theodor-Schwann-Straße 26 · Riehl
| Baudenkmalnummer | DE_05315000_A_7992 |
|---|---|
| Typ | Gebäude-Denkmal |
| Bezeichnung | Wohnhaus |
| Adresse | Theodor-Schwann-Straße 26, 50735 Köln |
| Baujahr | um 1922 bis 1923 |
| Eigentum | privates Eigentum |
| Eingetragen seit | 29.10.1996 |
| Stadtteil | Riehl |
Erbaut um 1922/23, Bauherr: Besatzungsbauamt Köln, ehemaliger Besatzungsbau im Besitz der Deutschen Bau- und Grundstücks A.G. Berlin, ab 1925 im Besitz der Reichsvermögensverwaltung, südliches Gebäude (Eckhaus) einer dreiteiligen, annähernd symmetrisch gegliederten Reihenhauszeile, auf rechteckiger Grundfläche mit seitlichem Vorbau.
Fassade: 2 Geschosse, ausgebautes Dachgeschoß, ausgebauter Spitzboden, Walmdach, (einheitliches Dach der Gebäudegruppe), 4:1 Achsen, Putzfassade, sparsame Gliederungen in klassizistischen Formen, historisierende Fassadendetails, Traufgesims, leicht vorkragende Dachkante, hochrechteckige Fenster, straßenseitige Fenster in Teilen original (Holz, Mittelteilung, Oberlicht), Dachgeschoßfenster und Fenstertür erneuert.
Südfassade (Seitenfront): verputzt, einachsig, Traufgesims, Risalit auf segmentförmiger Grundfläche, fortgeführt bis ins Dachgeschoß, Abschluß als gemauerte und verputzte Brüstung, Hauseingang im Risalit, Haustür erneuert in Holz, Oberlicht, geschmiedetes Fenstergitter, Fenster der Südfassade (Obergeschoß) erneuert (Holz).
Rückseite: verputzt, 3 Achsen, Fenster mit geradem oberen Abschluß, rückwärtige Fenster z.T. original (Holz), Terrasse und Terrassentür (Holz) nachträglich angefügt.
Im Inneren original erhalten: Holztreppe, Antrittspfosten, Geländer mit Stäben und Handlauf in Holz, weitere Treppe von der Obergeschoßdiele zum Dachgeschoß Holz, mit Stäben und Handlauf. In den Wohnungen: Erdgeschoß Parkett original, im Wohnraum Deckenstuck, im Ober- und Dachgeschoß Holzdielenboden, in der Vorküche originale Bodenfliesen rot, in der Küche Bodenfliesen rot/weiß, Türen und Gewände original erhalten.
Im Dachgeschoß Grundriß verändert, innerhalb des ausgebauten Spitzbodens Wendeltreppe.
Der straßenseitige Ziergarten (ohne gebaute Einfriedung) sowie der rückwärtig gelegene große Ziergarten mit altem Baumbestand sind Bestandteil des Denkmals.
Die rückwärtig angebaute Terrasse, die seitlich angebaute Garage und die Schleppgaupe mit vorgelagerter Dachgeschoßterrasse nach Westen (Brüstung in Metall/Glas) sind nicht Bestandteil des Denkmals.
Das o.g. Objekt ist ein Baudenkmal im Sinne von § 2 Abs. 1 und 2 des Denkmalschutzgesetzes (DSchG NW). Das für die Qualifizierung als Baudenkmal notwendige öffentliche Interesse ist gegeben, da dieses Denkmal sowohl bedeutend für die Geschichte des Menschen, für Städte und Siedlungen ist, als auch künstlerische, wissenschaftliche und städtebauliche Gründe für seine Erhaltung vorliegen. Das ergibt sich aus Folgendem:
Der erstmals 942 bezeugte Ort Riehl war im Mittelalter eine dörfliche Ansiedlung mit stattlichen Hofanlagen. Nach großen Überschwemmungen und Zerstörung im Zuge des burgundischen Krieges fand das mittelalterliche Riehl 1474 ein Ende. Neuerrichtete, weniger umfassende Ansiedlungen entstanden in den folgenden Jahrhunderten. Politisch war Riehl im 19. Jahrhundert ein Teil der Bürgermeisterei Longerich und wurde 1888 nach Köln eingemeindet. In der Mitte des 19. Jahrhunderts hatte sich mit der Anlage des Zoos 1859/60 und der Flora 1862/64 das damalige Kölner Vergnügungsviertel "Goldene Ecke" entwickelt. Die ältesten erhaltenen Wohnbauten Riehls an der Hittorf-, Stammheimer- und Boltensternstraße stammen aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde im südlichen Teil Riehls der Botanische Garten angelegt, um dieses Grüngebiet entstand seit den 20er Jahren das vornehme Wohnviertel mit teilweiser Villenbebauung. Die städtische Wohnungsbaugesellschaft GAG bebaute gleichzeitig die Freiflächen an Barbara- und Boltensternstraße mit großen Mietblöcken (Naumannviertel). Als jüngster Wohnbereich Riehls wurde in der Nachkriegszeit das Gelände zwischen Zoologischem Garten und Rhein erschlossen. Die Stammheimer Straße mit ihren ältesten Bauten im nördlichen Abschnitt, den späten Gründerzeitbauten und den repräsentativen Eingängen zum Botanischen Garten, zur Flora und zum Zoologischen Garten in ihrem südlichen Teil, veranschaulicht die städtebauliche Entwicklung des Vortortes Riehl.
An die für gehobene Ansprüche errichteten Mietwohnobjekte mit Vorgärten an der Stammheimer Straße nördlich des Riehler Gürtels schließen sich die durch Gartengrün und Baumbestand aufgelockerten, aufwendigen, zumeist zweigeschossigen freistehenden und stilistisch einheitlich gestalteten Wohnbauten der Mathias-Schleiden-, Theodor-Schwann- und Johannes-Müller-Straße an, die jeweils - wie auch bei den Nrn. 26-30 - als Doppelhäuser und Gruppenbauten kleinere Baueinheiten bilden (Mathias-Schleiden-Straße 3/5, 7-13, Johannes-MüllerStraße 42/44, 46/48, Theodor-Schwann-Straße 1/3, 5/7, 11-23, 2-14, 16/18, 20-24). Das Wohnviertel weist die besonderen Vorzüge der Nähe zu Flora, Botanischem- und Zoologischem Garten und zum Citybereich auf. Die im Kreuzungsbereich zur Xantener Straße gelegene Hausgruppe Theodor-Schwann-Straße 26-30 ist ein markantes Beispiel für die hohen Ansprüchen genügende Baukultur repräsentativer Reihenbauten der 1920er Jahre. Die Gebäude wurden gleichzeitig errichtet und weisen eine gleichförmige Behandlung der Fassaden auf. Das Gebäude Nr. 26, in großzügigem Grünbereich gelegen, weist individuelle Gestaltungsdetails einer traditionellen Moderne und einer malerisch bewegten Architektursprache mit zeittypischen Baumerkmalen auf. Das in den 20er Jahren errichtete Wohngebäude zeigt in der Fassadengestaltung eine klassizistische Strömung mit reduzierten klaren Formen und Versatzstücken historisierender Fassadendekoration, die sich dem Vorrang der Architektur in der Gestaltung unterordnen. Die optisch in der Horizontalen betonten Geschosse (Stockwerk- und Traufgesims, am Risalit gekröpft) zeigen dekorative und repräsentative Formen, die gestaltbildend ineinandergreifen (Schmuckformen: Rhythmisierung der gleichförmig gestalteten Gesamtanlage durch die einheitliche Dachlandschaft, Treppenhausrisalit auf segmentförmiger Fläche, Sockel sowie Fenster- und Türeinfassungen in Putz, scharriert, Treppe zum Hauseingang, scharrierte Fassung). An der Rückfassade bilden die beiden Eckhäuser der Reihe risalitartige Vorbauten, die Fassade des zurückgesetzten Mittelgebäudes ist bis in das Dachgeschoß hochgezogen. Städtebaulich wertvoll ist das Gebäude als Teil der gesamten Gruppe und als Bestandteil eines größeren Ensembles der Zwischenkriegszeit. Wesentlicher Bestandteil des ursprünglichen Erscheinungsbildes sind der Vorgarten und der rückwärtig gelegene große Ziergarten mit altem Baumbestand. Die im Bauverband mit den Nachbarhäusern gestaltete Anlage Theodor-Schwann-Straße 26 fügt sich harmonisch in die gehobene Wohnhausarchitektur des Straßenzuges, dessen reich dekorierte Baukörper mit Risaliten, Erkern, Balkonen und Ziergiebeln in historisierenden und zeitgemäß modernen Formen und Varianten des Jugendstils dem Wohnviertel sein charakteristisches Gepräge geben. Aufgrund der weitgehenden Erhaltung des Originalzustands, der Fassaden, des Treppenhauses und der Interieurs, die an großbürgerliche Wohn- und architektonische Hoheitsformen anknüpfende historisierende- und moderne Stilformen offenbaren, ist das Gebäude für das Erscheinungsbild des Wohnbereichs und als Dokument des Sozialstatus der bürgerlichen Bauherrenschaft des dritten Jahrzehnts unseres Jahrhunderts von hoher Bedeutung. Das Wohnhaus Theodor-Schwann-Straße 26 ist als zeittypisches Dokument gebauter Architektur zu Beginn unseres Jahrhunderts ein unverzichtbares Bauwerk im Ortsteil Riehl und wertvoller Bestandteil der städtisch geprägten Baukunst in Köln.
Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0