Wohnhaus
Xantener Straße 132 · Riehl
| Baudenkmalnummer | DE_05315000_A_8352 |
|---|---|
| Typ | Gebäude-Denkmal |
| Bezeichnung | Wohnhaus |
| Adresse | Xantener Straße 132, 50735 Köln |
| Baujahr | um 1925 |
| Eigentum | privates Eigentum |
| Eingetragen seit | 31.08.1998 |
| Stadtteil | Riehl |
Erbaut um 1925, Eckgebäude zu Theodor-Schwann-Straße; Bauherr: Besatzungsbauamt Köln, ehemaliger Besatzungsbau im Besitz der Deutschen Bau- und Grundstücks A.G. Berlin, ab 1925 im Besitz der Reichsvermögensverwaltung; südwestliches Gebäude einer freistehenden fünfteiligen, symmetrisch gegliederten Reihenhauszeile, auf rechteckiger Grundfläche mit seitlichem Treppenhausrisalit.
Fassade: 2 Geschosse, ausgebautes Dachgeschoß, Walmdach mit Fuß (einheitliches Dach der Gebäudegruppe), 3 Achsen, Putzfassade mit Gliederungen in klassizistischen Formen, insgesamt symmetrische Fassadengliederung des Gruppenbaus, Fenster mit geradem oberen Abschluß, alle straßenseitigen Fenster in Holz erneuert (Sprossenteilung, im Erdgeschoß Oberlichtbereich z.T. geschlossen).
Seitenfassade (nach Südwesten): eine Achse, verputzt, Treppenhausrisalit auf segmentförmiger Grundfläche in der Mitte, Eingang mit geradem oberen Abschluß, profiliertes und scharriertes Gewände, Keilstein, Haustür mit Oberlicht erneuert, originales geschmiedetes Stahlgitter, flankierende kleine Fenster mit originalen geschmiedeten Gittern in Stahl, Fenster mit geradem oberen Abschluß, alle Fenster der Seitenfront erneuert (Holz, Sprossenteilung).
Rückseite: verputzt, 3 Achsen, rechts nachträglich angefügte Erdgeschoßterrasse auf Holzkonstruktion, nachträgliche Veränderung eines Erdgeschoßfensters als Terrassentür, Fenster mit geradem oberen Abschluß, alle rückwärtigen Fenster in Holz erneuert (Sprossenteilung, im Erdgeschoß Oberlichtbereich z.T. geschlossen), seitliche sechsstufige Gartentreppe.
Im Inneren original erhalten: im Eingangsbereich originale Bodenfliesen, sechseckig, grau, nachträgliche geschoßweise Abschlüsse, Holztreppe mit Antrittspfosten, Stäben und Handlauf original, Podeste mit Holzdielenboden (unter Belag), weitere Holztreppe von der Obergeschoßdiele zum Dachgeschoß, Antrittspfosten, Stäbe und Handlauf original.
In den Wohnungen: im Erdgeschoß in einem Wohnraum originaler Parkettboden (unter Belag), in ehemaliger Vorküche und Küche Fliesenboden (unter Belag), Türen und Gewände z.T. original, eine originale Zweiflügeltür mit Sprossenteilung, im Obergeschoß originale Holzdielenböden (unter Belag), im Bad originaler Fliesenboden (unter Belag), originale Türen und Gewände, im Dachgeschoß originaler Holzdielenboden, originale Türen und Gewände.
Der straßenseitige Ziergarten mit kniehoher verputzter Einfriedungsmauer, Hecke, zur Straßenkreuzung hüfthohe Bruchsteinmauer mit Deckplatten und altem Baumbestand, sowie der rückwärtig gelegene Ziergarten sind Bestandteil des Denkmals.
Das o.g. Objekt ist ein Baudenkmal im Sinne von § 2 Abs. 1 und 2 des Denkmalschutzgesetzes (DSchG NW). Das für die Qualifizierung als Baudenkmal notwendige öffentliche Interesse ist gegeben, da dieses Denkmal sowohl bedeutend für die Geschichte des Menschen, für Städte und Siedlungen ist, als auch künstlerische, wissenschaftliche und städtebauliche Gründe für seine Erhlatung und Nutzung vorliegen. Das ergibt sich aus Folgendem:
Politisch war Riehl im 19. Jahrhundert ein Teil der Bürgermeisterei Longerich und wurde 1888 nach Köln eingemeindet. In der Mitte des 19. Jahrhunderts hatte sich mit der Anlage des Zoos 1859/60 und der Flora 1862/64 das damalige Kölner Vergnügungsviertel "Goldene Ecke" entwickelt. Die ältesten erhaltenen Wohnbauten Riehls an der Hittorf-, Stammheimer- und Boltensternstraße stammen aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde im südlichen Teil Riehls der Botanische Garten angelegt, um dieses Grüngebiet entstand seit den 20er Jahren das vornehme Wohnviertel mit teilweiser Villenbebauung. Die städtische Wohnungsbaugesellschaft GAG bebaute gleichzeitig die Freiflächen an Barbara- und Boltensternstraße mit großen Mietblökken (Naumannviertel). Als jüngster Wohnbereich Riehls wurde in der Nachkriegszeit das Gelände zwischen Zoologischem Garten und Rhein erschlossen. Die Stammheimer Straße mit ihren ältesten Bauten im nördlichen Abschnitt, den späten Gründerzeitbauten und den repräsentativen Eingängen zum Botanischen Garten, zur Flora und zum Zoologischen Garten in ihrem südlichen Teil, veranschaulicht die städtebauliche Entwicklung des Vortortes Riehl.
An die für gehobene Ansprüche errichteten Mietwohnobjekte mit Vorgärten an der Stammheimer Straße nördlich des Riehler Gürtels schließen sich die durch Gartengrün und Baumbestand aufgelockerten, aufwendigen, zumeist zweigeschossigen freistehenden und stilistisch einheitlich gestalteten Besatzungswohnbauten der Mathias-Schleiden-, Theodor-Schwann-, Johannes-Müller- und Xantener Straße an, die jeweils - wie auch bei dem Gebäude Riehler Gürtel 37/Xantener Str. 132-138 - als Doppelhäuser und Gruppenbauten kleinere Baueinheiten bilden. Die in unmittelbarer Nähe zu der Artelleriekaserne an der Amsterdamer Straße errichteten Besatzungsbauten für Offiziere sind charakterisiert durch eine zurückhaltende Ornamentik in Putz mit Betonung der Achsen und der Hauseingänge. Die im Kreuzungsbereich zur Theodor-Schwann-Straße/Riehler Gürtel gelegene symmetrisch gegliederte Hausgruppe ist ein markantes Beispiel für die hohen Ansprüchen genügende Baukultur repräsentativer Reihenbauten, deren einheitlicher Siedlungscharakter von hoher städtebaulicher Bedeutung ist. Die gleichförmige Behandlung der Fassaden weist eine aufwendige Mittelbetonung durch einen hohen gebrochenen Ziergiebel und Einschluß einer grotesken Maske und geschwungene seitliche Vorlagen auf. Das Gebäude Xantener Straße 132, in großzügigem Grünbereich gelegen, weist individuelle Gestaltungsdetails einer traditionellen Moderne und einer malerisch bewegten Architektursprache mit zeittypischen Baumerkmalen auf. Das in den 20er Jahren errichtete Wohngebäude zeigt in der Fassadengestaltung eine klassizistische Strömung mit reduzierten klaren Formen und Versatzstücken historisierender Fassadendekoration, die sich dem Vorrang der Architektur in der Gestaltung unterordnen. Die optisch in der Horizontalen betonten Geschosse (Sockel-, Stockwerk- und Traufgesims) zeigen dekorative und repräsentative Formen, die gestaltbildend ineinandergreifen (Schmuckformen: Rhythmisierung der gleichförmig gestalteten Gesamtanlage durch die einheitliche Dachlandschaft und den hohen Mittelgiebel, an der Rückseite bilden die Eckgebäude risalitartige Vorbauten, seitlicher Hauseingang mit Keilstein und bekrönender Halbkugel). An den Seitenfassaden bilden die beiden Eckhäuser der Reihe risalitartige Vorbauten. Städtebaulich wertvoll ist das Gebäude als Teil der gesamten Gruppe und als Bestandteil eines größeren Ensembles der Zwischenkriegszeit. Wesentlicher Bestandteil des ursprünglichen Erscheinungsbildes sind der große Vorgarten und der rückwärtig gelegene Ziergarten, z.T. mit altem Baumbestand. Die Gesamtanlage fügt sich harmonisch in die gehobene Wohnhausarchitektur des Straßenzuges, dessen reich dekorierte Baukörper mit Risaliten, Erkern und Ziergiebeln in konservativ-historisierenden und zeitgemäß modernen Formen und Varianten des Jugendstils dem Wohnviertel sein charakteristisches Gepräge geben. Aufgrund der weitgehenden Erhaltung des Originalzustands, der Fassaden, des Treppenhauses und z.T. der Interieurs, die an bürgerliche Wohnformen anknüpfende historisierende- und moderne Stilformen offenbaren, ist das Gebäude für das Erscheinungsbild des Wohnbereichs und als Dokument des Sozialstatus der bürgerlichen Bauherrenschaft des dritten Jahrzehnts unseres Jahrhunderts von hoher Bedeutung.
Das Wohnhaus Xantener Straße 132 ist als zeittypisches Dokument gebauter Architektur zu Beginn unseres Jahrhunderts ein unverzichtbares Bauwerk im Ortsteil Riehl und wertvoller Bestandteil der städtisch geprägten Baukunst in Köln.
Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0