Wohn- u. Geschäftshaus

Wittekindstraße 42 · Sülz

Baudenkmalnummer DE_05315000_A_8043
Typ Gebäude-Denkmal
BezeichnungWohn- u. Geschäftshaus
Adresse Wittekindstraße 42, 50937 Köln
Baujahrum 1912
Eigentumprivates Eigentum
Eingetragen seit 17.01.1997
Stadtteil Sülz

Eckhaus zur Berrenrather Straße; erbaut um 1912.

Straßenansicht: 3 Geschosse, ausgebautes Mansarddach mit Biberschwanzbedachung (Eckbetonung durch turmartigen Aufsatz mit separater Verdachung; Verkleidung erneuert; 3 in der Substanz originale Gauben; eine erhaltene Fledermausgaube an der Wittekindstraße rechts); 3 : 6 Achsen, abgeschrägte Eckachse (Eingang an der Wittekindstraße, Zugang zum Ladenlokal über Eck); Putzfassaden mit Stuckgliederung in Kombinaton von Heimatstil- und neoklassizistischen Elementen; Fassadenrhythmisierung durch zweigeschossige Erker mit Balkonen (Balkongeländer an der Berrenrather Straße in Metall erneuert) und hochaufragende Knickgiebel; EG nachträglich im Bereich des Ladenlokals verändert (Travertin-Wandbelag; erneuerte Türen und Schaufenster); Fenster erneuert (Kunststoff, mit Oberlichtern); Eingangstür erneuert.

Rückfront: mehrfach verspringende Bauflucht; backsteinsichtig (EG nachträglich größtenteils verputzt); komplett erneuerte Fenster (Kunststoff) und Hoftür; Verunklärung der Rückfront durch nachträgliche zweigeschossige Teilüberbauung des Hofes.

Innen original: Vorflur: Terrazzoboden mit rahmender Bordüre und Mittelornament; aufgeputzte Wandgliederung; Wandverkleidung vermutlich original; Treppenhaus: Terrazzobelag (EG und Podeste) und treppe; gedrehte Geländerstäbe und Handlaufin Holz; je eine Wohnungseingangstüren pro Geschoß (im 2.OG zwei originale Oberlichter); Fensterbänke aus belgischem Granit; Speichertür (mit Beschlag und Rahmen) und Speichertreppe; Wohnungen: EG (Wittekindstraße): komplette Stuckausstattung und Zimmertüren; 1.OG (Wittekindstraße): Zimmertüren; Eckwohnung 2.OG: Grundriß; alle Zimmertüren mit Laibungen und Rahmen; komplette Deckenstuckausstattung (Mittelornamente und rahmende Deckenleisten); DG (Wittekindstraße): Zimmertüren.

Veränderungen: Umbauten des Ladenlokals; teilweise abgehängte Decken (Stuckausstattung erhalten); erneuerte Zimmertüren im 1. und 3.OG (Eckwohnungen); Speicher entlang der Berrenrather Straße nachträglich ausgebaut.

Nicht Bestandteil des Denkmals ist die hofseitige Überbauung (Aufstockung 1953).

Das o. g. Objekt ist ein Baudenkmal im Sinne des § 2 Abs. 1 und 2 des Denkmalschutzgesetzes (DSchG NW). Das für die Qualifizierung als Baudenkmal notwendige öffentliche Interesse ist gegeben, da dieses Denkmal sowohl bedeutend für die Geschichte des Menschen und für Städte und Siedlungen ist, als auch künstlerische, wissenschaftliche und städtebauliche Gründe für seine Erhaltung und Nutzung vorliegen. Das ergibt sich aus Folgendem:

Ortsgeschichtlich dokumentiert das o.g. Objekt die zweite Phase der Bebauung des 1888 nach Köln hin eingemeindeten Vororts Sülz, der seine Entstehung den Ziegeleien und Kiesgrubenbetrieben des 19. Jahrhunderts zu verdanken hat. Erste Bebauungsansätze datieren in das Jahr 1845. Die zweite, für Sülz wesentliche und das heutige Erscheinungsbild der Strassen immer noch prägende Ausbauphase, setzte kurz nach der Jahrhundertwende ein, als die Bebauung der Neustadt nahezu vollendet war. Entlang der wichtigen Ausfallstraßen, wie der Berrenrather, der Luxemburger und der Zülpicher Straße wurden jetzt weitere Gebiete für ein zentrumnahes Wohnen erschlossen. Die Wittekind- und Berrenrather Straße gehört in diesem Zusammenhang zu den relativ spät bebauten Wohnstraßen.

Die Gestaltung des o.g. Gebäudes wird durch eine Architekturauffassung charakterisiert, die unter bewußtem Verzicht auf eine dem Historismus verpflichtete Zierformenvielfalt eine Konzentration auf die wesentlichen, den Bau charakterisierenden Merkmale wie Fassadenrhythmisierung durch Erker und Kubatur (Baukörper einschl. Dachgestalt) fordert und baukünstlerisch umsetzt. Diese Architekturauffassung ist als bewußte Reformbewegung der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg zu verstehen, die den strengen Neo-Klassizismus konsequent weiterentwickelt, um zu einer neuen, als zeitgemäß, um nicht zu sagen modern empfundenen Architektursprache zu finden.

Das Gebäude entfaltet aufgrund seiner markant gestalteten Kubatur (hochaufragende Giebelfelder, betonte Ecklösung, bewußt eingesetzte Asymmetrien, Fassadenrhythmisierung durch Erker), die als stilprägendes Mittel für die Wirkung des Gebäudes wesentlich ist, eine straßenbildprägende Präsenz, die für die Kontinuität der im Bereich zwischen Manderscheider und Nikolausplatz erhaltenen Bebauung wesentlich ist.

Als integraler Bestandteil der Erstbebauung ist das o.g. Objekt unverzichtbar für die städtebaulichen, durch zeittypische Architekturauffassungen geprägten Zusammenhänge, die durch bauliche Dokumente wie das o.g. Eckgebäude anschaulich und erlebbar bleiben und unbedingt zu erhalten sind.

Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0