Standbild (sitzende Madonna mit Kind)
Kardinal-Frings-Straße 10 · Altstadt/Nord
| Baudenkmalnummer | DE_05315000_A_8058 |
|---|---|
| Typ | Kleindenkmal |
| Bezeichnung | Standbild (sitzende Madonna mit Kind) |
| Adresse | Kardinal-Frings-Straße 10, 50668 Köln |
| Baujahr | Mitte 19. Jahrhundert |
| Eigentum | städtisches / öffentliches Eigentum |
| Eingetragen seit | 18.03.1997 |
| Stadtteil | Altstadt/Nord |
Sitzende Madonna mit Kind, figürliche Plastik, Sandstein, weiß.
Entstehung: ca. Mitte des 19. Jahrhunderts.
Auftraggeber, Bildhauer und Entstehungsdatum unbekannt.
Aufstellung am heutigen Standort in jüngster Zeit (1980er Jahre; ursprünglicher Standort im nach Westen dem ehemaligien St.-Vincenz-Hospital vorgelagerten Gartenbereich Eintrachtstr. 131 - 147).
Gesamthöhe: ca. 230 cm.
Sockel (erneuert); Natursteinblock: Höhe 34,5 cm; Breite 113 cm; Tiefe 113 cm. Die aus einem Sandsteinblock gehauene Skulptur zeigt einen zweiteiligen Aufbau in Sockel und figürliche Plastik.
Sockel: Höhe 17 cm; Breite 97 cm; Tiefe: 93 cm.
Plastik: Höhe ca. 180 cm; Breite (maximal) 94 cm; Tiefe (maximal) 83 cm.
Die aus Sandstein gehauene überlebensgroße Madonnengestalt hält das seitlich auf ihrem Oberschenkel stehende Christuskind mit beiden Händen empor. Die Jungfrau ist von einem das Haupt und die Figur umfangenden und die Körperformen durch einen reichen Faltenwurf betonenden Gewand mit Sternenbandsaum umhüllt. Mutter und Kind blicken, ihre Köpfe leicht nach unten gesenkt, den Betrachter an. Die Körperhaltung entspricht dem für die Plazierung auf hohem Sockel vorgesehenen Standort, wie er ehemals vor dem Hospitalbau verwirklicht war.
Zustand: die Steinoberfläche z. T. stark verwittert und vermoost; insbesondere sind die Gesichter beider Figuren durch Verwitterung weitgehend unkenntlich; beide Arme des Christuskindes abgebrochen, Teile der Gewandfalten abgebrochen, die Sockelkante stark verwittert bzw. abgestoßen.
Heutiger Standort: im nördlichen Randbereich des rückwärtigen parkähnlichen Gartens der Gebäude Kardinal-FringsStraße 10.
Die Figur steht mit ihrer Schauseite den rückwärtigen Fassaden der Gebäude zugewandt innerhalb einer aus Buschwerk und Baumgruppen gebildeten Nische; dem dem Standbild vorgelagerte Bodenbereich ist mit Kopftsteinpflasterung gedeckt.
Der erneuerte Natursteinsockel ist in Einheit mit dem Bildwerk Bestandteil des Denkmals.
Die überlebensgroße figürliche Plastik aus Sandstein stellt die sitzende Jungfrau Maria mit dem Christuskind dar. Eine ursprüngliche, vorderseitige Inschrifttafel im Frontbereich des historischen Sockels (seit der Neuaufstellung entfernt) bezeichnete die Madonna als "Gottesgebährerin" ("Unter deinen Schutz und Schirm fliehen wir o heilige Gottesgebährerin").
Die Entstehung von figürlichen Bildnissen der Mutter Gottes in der Mitte des 19. Jahrhunderts steht in unmittelbarem Zusammenhang mit dem Dogma von der unbefleckten Empfängnis der Gottesmutter, das der Hl. Stuhl im Jahre 1854 verkündete. In den nachfolgenden Jahren erfuhr die Errichtung denkmalartiger Bildwerke der Jungfrau Maria eine bis dahin nicht gekannte Verbreitung. In zahlreichen rheinischen Städten fanden und finden sich als Ausdruck der Marienverehrung und als Äußerungsform der Volksfrömmigkeit gleichbedeutende Werke der Mariendarstellung, die innerhalb des Spektrums der Denkmalskulptur des 19. Jahrhunderts eine zentrale Stellung einnehmen.
In Einheit mit dem ehemaligen Hospital St. Vincenz kam der auf hohem Sockel plazierten monumentalen Figur die Bedeutung der gütigen Fürbitterin zu, auf die der Inhalt der heute entfernten Inschrifttafel explizit hinwies.
Errichtet wurde das Bildwerk ca. in der Mitte des 19. Jahrhunderts in Einheit mit dem 1862 - 1864 von Heinrich Nagelschmidt (1822 - 1902) erbauten St.-Vincenz-Hospitals und in architektonisch gestalterischem Zusammenhang des dem Hospital vorgelagerten Grünbereiches zur Eintrachtstraße. Nach der Niederlegung des Krankenhauses zugunsten des großräumigen Neubaus des Maternushauses, wurde auch die Madonnenplastik entfernt und in dem nichtöffentlichen Park des erzbischöflichen Hauses an der Kardinal-Frings-Str. 10 wieder aufgestellt.
Die Plastik der Sitzenden Madonna mit Christuskind im Park des erzbischöflichen Hauses ist als ein Denkmal sakraler Architektur einzuordnen, dem für die kirchlich-religiöse Geschichte des ehemaligen St.-Vincenz-Hospitals Bedeutung zukommt. Die Plastik aus der Mitte des 19. Jahrhunderts hat ihren ursprünglichen Zusammenhang in Verbindung mit dem Krankenhaus verlassen und erscheint heute in verfremdeter, der Öffentlichkeit entzogener Situation. Das religiöse Standbild ist mit weiteren hierin verbrachten Baureliquien und Architekturteilen, die sich innerhalb der Grünanlage verteilen und harmonisch plaziert die romantische Idee bildhaft-malerischen Parks unterstreichen, zur dekorativen Gartenskulptur mutiert. Die die Figur deutende Sockelinschrift wurde konsequenterweise entfernt.
Zur Geschichte des Denkmals gehört seine Translozierung und Wiederaufrichtung in unmittelbarer Vergangenheit. Diese geben uns Aufschluß über das sich wandelnde Geschichts- und Denkmalbewußtsein bis in die heutige Zeit.
Dennoch stellt der heute gültige Standort der Madonnenplastik im nichtöffentlichen Raum des erzbischöflichen Gartens eine befriedigende Plazierung des Denkmals dar, dessen Schutz und Erhalt innerhalb des privat genutzten Anwesens garantiert ist.
Die Ausstattung der Steinplastik als Symbol materiell zitierter Vergangenheit und Äußerungsform der Frömmigkeit im 19. Jahrhundert ist bedeutend für die religiös-kirchliche Geschichte in Köln und für den nicht mehr existierenden Hospitalbau St. Vincenz.
Die an den Vorgängerbau des Maternushauses erinnernde Skulptur ist ein Dokument der Denkmalplastik des 19. Jahrhunderts und als historisches Zeugnis unbedingt zu erhalten.
Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0