Wohnhaus

Mülheimer Freiheit 130 · Mülheim

Baudenkmalnummer DE_05315000_A_8065
Typ Gebäude-Denkmal
BezeichnungWohnhaus
Adresse Mülheimer Freiheit 130, 51063 Köln
Baujahrum 1880 bis 1890
Eigentumprivates Eigentum
Eingetragen seit 18.03.1997
Stadtteil Mülheim

Um 1880/90 erbaut, viergeschossiger, traufständiger Bau mit angedeutetem Mittelrisalit und Erker.

Straßenfassade: Dreiachsige Stuckfassade, EG und Erker mit Rustika-Gliederung, Lagerfugen im 1. OG, im obersten ErkerGeschoß und an den Risalitecken, Gesimse um Erker verkröpft (Stockwerk-, 3 Sohlbank- und Traufgesims), Erker und Fensterrahmungen reich stuckiert, Haustür und Fenster original (Schaufenster nachträglich zugesetzt, Dachhaus umgebaut).

Rückseite: Dreiachsig, unverputzte Backsteinmauer, links Wohnungsfenster, mittig Hoftür und Treppenhausfenster (erneuert), rechts Toilettentrakt (Fenster erneuert).

Innen original: Grundrißdispostion in allen Geschossen; im EG Flur mit bunten Bodenfliesen, Wand- und Deckenstuck, Flur-Zwischentür (beschädigt), Tür zum ehemaligen Laden, Toiletten- und Kellertür; Treppenhaus mit Strukturtapete (beschädigt), zweiläufige Holztreppe mit Stabgeländer (beschädigt), Handlauf und Antrittspfosten (Bekrönung fehlt), Decken der Treppenabsätze vertäfelt und die der Geschoßpodeste stuckiert; Obergeschosse mit aufwendigen Stuckdecken in den straßenseitigen Zimmern, Wohnungs- und Zimmertüren erhalten (z. T. Holzfüllungen durch Glas ersetzt); Dachgeschoß mit Wohnungstür.

Nicht Bestandteil des Denkmals ist der betonierte Hof und der dort stehende Schuppen.

Die Mülheimer Freiheit war seit dem Mittelalter der gesellschaftliche und wirtschaftliche Mittelpunkt der bis 1914 unabhängigen Stadt Mülheim. Erst um die Jahrhundertwende verlor sie diese überragende Bedeutung an die Frankfurter Straße, da diese näher an den in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts am Stadtrand entstandenen Industriebetrieben liegt und die neu angelegeten Wohnviertel erschließt.

Als das o. g. Haus Ende des 19. Jahhunderts erbaute wurde, war die Mülheimer Freiheit noch eine wichtige Geschäftsstraße. Dementsprechend aufwendig ist die Hausfassade gestaltet, deren Mittelachse risalitartig vorspringt und durch einen reich stuckierten Erker betont wird. Dieser setzt auch heute noch, trotz Umgestaltung des Daches, einen markanten Akzent im Straßenbild.

Die Detailformen der Straßenfassade (Rustikageschoß, Blendocculi, Säule, Fenstergiebel, Gesimskonsolen, Klötzchenfries an der Traufe) erinnern ebenso wie die Stuckaturen im Treppenhaus und in den straßenseitigen Zimmer an die Renaissance. Daneben finden sich aber auch neobarocke Baluster (als Erkerbrüstung) und ein bärtiger Krieger (im Fenstergiebel des Erkers). Die Mischung verschiedener Baustile und ihre rein dekorative Anwendung ist typisch für die historistische Architektur der Jahrhundertwende. Das o. g. Objekt stellt ein wichtiges Zeugnis dieser Bauweise dar, denn trotz des umgebauten Schaufensters (vor 1943 zugesetzt) und des fehlenden oberen Erkerabschlusses entfaltet die Fassade noch ihre dekorative Wirkung. Diese wird ausgezeichnet durch ein ausgeglichenes Verhältnis zwischen dem Vertikalsog der Mittelachse und den markanten horizontalen Gliederungselementen (geschoßweise Putzquaderung und durchlaufende Gesimse).

Das Haus ist Teil eines Ensembles (Mühlheimer Freiheit 126-132), das Zeugnis ablegt für die ehemals geschlossene Bebaung der Jahrhundertwende in diesem Bereich der Mülheimer Freiheit. Dem o. g. Objekt kommt dabei besondere Bedeutung zu, weil es mit seiner Stuckfassade und dem Mittelerker die beiden Nachbarbauten mit Backsteinfassaden (Nr. 128 und 130) dominiert. Sie sind daher in der ansonsten stark veränderten Straße von hohem ortsgeschichtlichen und städtebaulichen Wert.

Das Gebäude wurde geschoßweise an Personen aus dem Mittelstand vermietet, so werden 1904 ein kaufmännischer Beamte und ein Lehrer als Mieter genannt, während sich im Ergeschoß eine Fahrradhandlung befand. Bürgerlicher Selbstdarstellung diente neben der Fassade auch das reich dekorierte Treppenhaus, die aufwendigen Holztüren und Deckenstuckaturen. Die Wohnungsaufteilung ist original erhalten. Das Gebäude ist damit ein wichtiges, weil kaum verändertes Beispiele des mittelständischen Wohnens im Mülheim des späten 19. Jahrhunderts. Aus den o. g. Gründen ist die Erhaltung des Hauses unverzichtbar.

Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0