Wohnhaus

Werthmannstraße 19 · Lindenthal

Baudenkmalnummer DE_05315000_A_8114
Typ Gebäude-Denkmal
BezeichnungWohnhaus
Adresse Werthmannstraße 19, 50935 Köln
Baujahr1958
Eigentumprivates Eigentum
Eingetragen seit 12.06.1997
Stadtteil Lindenthal

"Haus Müller"; erbaut 1958; Architekt: Oswald Mathias Ungers; zweigeschossiger Putzbau mit Flachdächern; Gliederung des Bauvolumens in vier Funktionsbereiche: Schlaftrakt, Küchen- und Treppenhaustrakt, Turm und - als verbindendes Element - Wohnbereich sowie seitliche Garage.

Außenbau: Schlaftrakt: bewegte Kubatur durch verspringende Fluchten und partiell eingezogenes EG; Geschoßüberstand des OG verdacht im Nordwesten den Eingangsbereich (originale hölzerne Eingangstür mit Beschlägen) und im östlichen Bereich einen Teil der Außenterrasse; weitgehend geschlossene - der Funktion gemäß - Außenwände; Horizontalgliederung der Westansicht durch schmales Fensterband im OG; weit vorkragender Balkon im OG (Südansicht); Küchen- und Treppenhaustrakt: durch zylindrischen Treppenhausvorbau (Nord-Ansicht rechts) wesentlich in seiner Wirkung bestimmt; Fensteröffnungen links gemäß der Funktionen (WC mit hochliegenden Fenstern, Küche großflächig durchfenstert); Turm: zweigeschossig auf rundem Grundriß; begehbare Dachterrasse mit Brüstung und Geländer; Belichtung im EG und OG durch unterschiedlich rhythmisierte mauerschlitzartige Fenster; im OG seitlich (Osten) in den Turm eingefügter zylindrischer Schacht (überragt das flache Turmdach) für die auf die Dachterrasse führende Wendeltreppe; Turmdach (Terrasse) mit erneuertem Belag; Geländer und Schornstein original; Wohnbereich: Südansicht über großflächige Glasfenster und -fenstertüren zum Garten hin geöffnet (Terrasse im EG, Balkon im OG); die nord-östliche Gebäudeecke (Eßbereiche) ist im EG komplett durchfenstert, im OG durch ein über Eck laufendes Fensterband horizontal gegliedert.

Alle schmalen hoch- und querrechteckigen Fenster mit originalen Vergitterungen (lamellenartig); alle Rolläden im EG und OG in Metall erneuert (ursprünglich Holz).

Innen original: Grundrisse (außer Raumerweiterung Schlafzimmer OG); Entree: Bodenbelag (Solnhofener Platten); EG: Glastüren zwischen Entree/Windfang und Wohnraum; Solnhofener Platten; konisch zulaufender Kamin (Backstein); originale Metallfenster; Terrasse mit Klinkerbelag; Küche mit Boden- und Wandfliesen, Einbauschrank; ehemaliges Bad der Kinderfrau mit originalen gelblichen Wandfliesen; Treppenraum: Beleuchtung durch Rundfenster mit Plexiglaskuppel; Treppengeländer; Treppenbelag aus Solnhofener Platten; OG: originale Türen mit Beschlägen (außer Zwischentür zum Schlaftrakt); Solnhofener Platten im Wohnraum; originale Metallfensterrahmen (Fensterscheiben in Thermopane erneuert); backsteinsichtiger Kamin; hölzerne Wendeltreppe mit Metallhandlauf; Küchentüren und -schränke; Küche und Bad mit originalen Wandfliesen (gelblich); alle Wandschränke in den Schlafzimmern; Bad im Schlaftrakt mit originalen schwarzen Boden- und gelblichen Wandfliesen.

Veränderungen: EG: im Schlafzimmer nachträglicher Einbau einer Fenstertür (Belichtungserweiterung); Bad der Eltern (im EG) mit neuen Belägen; OG: Raumerweiterungen im Schlafzimmertrakt (Entfernen zweier Zwischenwände); Fenster in den Schlafräumen erneuert (Holz); erneuerter Bodenbelag auf dem Balkon; elterliches Bad im EG mit erneuerten Wand- und Bodenfliesen; teilweise erneuertes Parkett.

Bestandteil des Denkmals sind auch der das Haus umgebende Garten, die Garage mit originalem Tor und die seitliche Einfassungsmauer (in der Höhe verspringend, verputzt).

Orts- und stadtgeschichtliche Bedeutung besitzt das 1958 erbaute "Haus Müller", da es die lange Tradition der Villenbebauung in Lindenthal eindrucksvoll fortsetzt. Der Kölner Vorort Lindenthal war 1888 eingemeindet worden und ist, trotz erheblicher Kriegszerstörungen, in weiten Bereichen - etwa an der Mommsen-, Virchow- und Krieler Straße - durch anspruchsvoll gestaltete Villen und Doppelvillen geprägt. Aufgrund der geringen gewerblichen Besiedlung und der Anlage des Stadtwalds kurz vor 1900 wurde Lindenthal zu einem bevorzugten gutbürgerlichen Wohnviertel Kölns mit ruhigen, begrünten Wohnstraßen, Alleen und Plätzen.

Das Haus Müller ist zeitlich zwischen den Ungers-Mehrfamilienhäusern in der Brambach- und Mauenheimer Straße in Dellbrück, bzw. Nippes und dem Wohnhaus Ungers in Müngersdorf entstanden, die allesamt durch unverputztes Mauerwerk und rauh belassenen Sichtbeton charakterisiert sind.

Die außergewöhnliche gestalterische Qualität des o.g. Objektes ergibt sich aus einer bewegten Komposition unterschiedlicher, klar voneinander zu unterscheidender Funktionsbereiche, deren unterschiedlich gestaltete Volumina, die zugleich Hülle ind Form sind, in einen spannungsvollen Gesamtzusammenhang gebracht werden.

Der Baukörper wird in seiner äußeren Gestaltung wesentlich durch die unterschiedlichen Funktionen der Bauteile bestimmt: so ist der Schlaftrakt weitgehend durch geschlossene Außenwände charakterisiert. Anders verhält es sich bei dem zentral angeordneten Wohnteil, der zwischen Schlaftrakt, Eingangsbereich, Küche und Turmbau eingespannt und großflächig durchfenstert ist. Aufgrund der zentralen Lage und der starken Durchlichtung ist dieser Bereich in seiner Funktion als Wohn- und Eßbereich zu bestimmen. Interessant ist in diesem Zusammenhang eine der Änderungen zwischen der Bauzeichnung und der Bauausführung. Während die Planung im EG-Eßbereich nur ein schmales Fensterband - vergleichbar mit der Ausführung im OG - vorsah, ist bei der Bauausführung eine vollständige Durchfensterung des EG vorgenommen worden.

Trotz vielfältiger funktionsbedingter Gestaltungen läßt sich das Gebäude keinesfalls als funktionalistisch bezeichnen. Vielmehr belegt es das Bemühen seitens des Architekten um die Zurückgewinnung des Architektonischen vor dem Sachzwangdenken des Nachkriegs-Funktionalismus.

So assoziiert der Besucher beim Turmbau, der im EG als Bibliothek und Kaminzimmer, im OG als Wohn- und Kaminzimmer genutzt wird, in erster Linie einen wehrhaften Charakter, wobei neben der Bauform die schlitzartigen Fensteröffnungen bestimmend sind. Der in den Hauptwohnraum einschneidende Turm akzentuiert einerseits das architektonische Erscheinungsbild des Gebäudes und scheint andererseits auf den Apsis-Bereich der in unmittelbarer Nähe liegenden Kirche St. Elisabeth - 1930-32 von Dominikus Böhm gebaut - zu antworten, der die Form eines hoch aufragenden Halbzylinders hat. Innerhalb des Hauses hat der Turmbau in dem rund ausschwingenden Treppenhaus an der nordwestlichen Gebäudeecke einen markanten Gegenpol, sodaß der Bau durch einen spannungsvollen Kontrast von Kuben und Zylindern geprägt wird.

Der Gesamtbau bildet durch die Komposition der Volumina eine Art Innenhof mit einer Terrasse im EG, die partiell unterhalb des vorkragenden OG liegt und so Innen- und Außenbereich wirkungsvoll miteinander verknüpft. Ganz ähnlich verhält es sich mit der Eingangssituation: der Besucher wird zunächst außen an der Westseite des Gebäudes vorbeigeführt um dann unterhalb des OG an der Nordwestecke auf eine völlig überdachte Eingangssituation zu treffen. Diese Verschränkung der Volumen bei gleichzeitiger Bildung von intimen Innen- und Außenbereichen kennzeichnen den Bau.

Während der Zugang zum EG über eine Diele mit großflächigen Glastüren (Windfang) geregelt wird, wobei der Besucher Durchblicke Richtung Osten (Eßzimmerbereich) und Süden (Terrasse) erhält, ist der Zugang zum OG über eine halbrund geführte Treppe geregelt. Bemerkenswert ist hierbei die Beleuchtungssituation über eine kreisrunde Plexiglaskuppel oberhalb der Treppe (Ungers wird diese Motiv ein Jahr später bei seinem eigenen Wohnhaus in Müngersdorf wieder aufnehmen). Dadurch, daß die Treppe in einem Zylinder geführt wird, der nach außen vollständig geschlossen ist, wird die räumliche Erweiterung im Obergeschoß in ihrer Wirkung gesteigert. Die besondere räumliche Qualität des Wohnraumes wird nicht allein durch die großflächige Durchfensterung erreicht, sondern durch die unterschiedliche Ausrichtung der Belichtungselemente und deren unterschiedliche Form, die je nach Himmelsrichtung variiert und so jeweils unterschiedliche Beleuchtungssituationen schafft, die die Wohnqualität entscheiden mitbestimmen.

Von besonderer räumlicher Wirkung sind die innerhalb des Turmes liegenden Räume, die durch den zylindrisch, bzw. konisch ausgeführten Kaminabzug räumlich besonders akzentuiert werden. In der Kombination von Baugestalt, Belichtungsführung und Nutzung bekommen diese Räume, die durch die runden Wände auch weitgehend von den angrenzenden Wohnräumen abgeschirmt werden, einen fast bergenden Charakter, der dem wehrhaften äußeren Erscheinungsbild entspricht.

Für die Gesamtwirkung des Gebäudes von Bedeutung ist auch der durch den Garten gestaltete Umraum, der durch einen großflächigen, durch Büsche und Bäume gesäumten Rasen charakterisiert ist.

Als bauliches Dokument der Nachkriegsarchitektur und wichtiger Bestandteil des Gesamtwerkes von Oswald Mathias Ungers verknüpft dieser Bau die Tradition der klassischen Moderne mit innovativen Elementen der 50er Jahre-Architektur, wobei der Einfluß auf andere bedeutende Architekten, zu nennen ist hier unbedingt Aldo Rossi, dessen frühe Wohnhäuser unmittelbar an das "Haus Müller" anschließen, berücksichtigt werden muß, wodurch das o.g. Objekt einen hohen Stellenwert in der Architekturgeschichte der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts einnimmt und daher unbedingt zu erhalten ist.

Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0