Wohn- u. Geschäftshaus
Mülheimer Freiheit 142 · Mülheim
| Baudenkmalnummer | DE_05315000_A_8133 |
|---|---|
| Typ | Gebäude-Denkmal |
| Bezeichnung | Wohn- u. Geschäftshaus |
| Adresse | Mülheimer Freiheit 142, 51063 Köln |
| Baujahr | um 1890 |
| Eigentum | privates Eigentum |
| Eingetragen seit | 21.08.1997 |
| Stadtteil | Mülheim |
Um 1890 erbaut, viergeschossiges, traufständiges Vorderhaus mit rückwärtigem Anbau.
Straßenfassade: Stuckfassade mit Fugenschnitt, aufwendiger Fensterrahmung und Traufgesims, 2 Achsen, linke Achse betont durch Doppelfenster und Erker mit bekrönendem Balkon; im EG originale Haustür (Strukturglas nachträglich), Ladenfront umgestaltet, OG-Fenster erneuert, Dach umgebaut.
Rückseite: Vorderhaus und Anbau backsteinsichtig, Kellerfenster und zugehöriges Gitter original, Hoftür verkleinert, Fenster erneuert.
Innen original: EG-Flur mit mehrfarbigen braunen Fliesen, Wand- und Deckenstuckaturen (teilweise beschädigt), Zwischentür mt Oberlicht (Strukturglas nachträglich); Holztreppe mit Stabgeländer, Antritts- und Podestpfosten.
Die Straße Mülheimer Freiheit war seit dem Mittelalter der wirtschaftliche und gesellschaftliche Mittelpunkt der bis 1914 unabhängigen Stadt Mülheim. Erst um die Jahrhundertwende verlor sie diese überragende Bedeutung an die Frankfurter Straße, da diese näher an den in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts am Stadtrand errichteten Industriebetrieben lag und die neu angelegten Wohnviertel erschloß.
Entsprechend der ehemaligen Bedeutung der Straße weist das Gebäude Mülheimer Freiheit 142 eine reich geschmückte, dabei ausgewogene Straßenfassade auf. Dem starken Vertikalzug der Fassade, bedingt durch die strenge Achsialität in den Obergeschossen, wird durch den waagerechten Fugenschnitt und die ihn gliedernden Sohlbank- und Kämpfergesimse abgemildert. Dies Putzfugen sind im EG-Bereich profiliert, während sie in den Obergeschossen einfacher gestaltet wurden. Dadurch treten die reichen Stuckapplikationen um die Fenster und den Erker stärker hervor. Diese Stuckaturen weisen RenaissanceMotive auf (Konsolen, Erkerlisenen, Rundbögen, Diamantquader, Zahnschnitt); daneben finden sich auch neogotische Elemente (Maßwerk der Balkonbrüstung, gekehlte Fensterrahmung). Diese Mischung von Architekturelementen unterschiedlicher Zeitepochen ist typisch für den Stilpluralismus am Ende des 19. Jahrhunderts. Insofern ist dieses Gebäude, trotz Umbau des Ladens und des Daches, ein gutes Beispiel historistischer Architektur.
Zugleich ist es ein wichtiges Zeugnis für die Bebauung dieses Teils der Mülheimer Freiheit vor der Kriegszerstörung, denn es bildete ehemals den linken Abschluß eines Ensembles gleich hoher und ähnlich geschmückter Bauten, von denen sich außer dem o. g. Objekt noch die Häuser Nr. 126-132 erhalten haben. Jenseits zweier kleiner Nachkriegsbauten setzt sich diese Häuserreihe mit zwei Bauten (Nr. 148 und 150) fort, die Anfang des 20. Jahrhunderts errichtet wurden.
Im Gegensatz zu der damals modernen Fassadengestaltung ist die Aufteilung des Grundstücks (Vorderhaus, Anbau und Hof) und die Raumaufteilung im Inneren traditionell. Das Haus steht damit in der Tradition des im 19. Jahrhundert im Kölner Raum weit verbreiteten "3-Fenster-Hauses", wenn auch die Fassade wegen der schmalen städtischen Parzelle nur zweiachsig ausgeführt wurde. Ein Haus dieses Typs ist im alten Kern Mühlheims mittlerweile selten geworden.
Aus den o.g. Gründen ist das Objekt Mülheimer Freiheit 142 unbedingt zu erhalten.
Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0