Wohnhaus
Mülheimer Freiheit 148 · Mülheim
| Baudenkmalnummer | DE_05315000_A_8359 |
|---|---|
| Typ | Gebäude-Denkmal |
| Bezeichnung | Wohnhaus |
| Adresse | Mülheimer Freiheit 148, 51063 Köln |
| Baujahr | 1903 |
| Eigentum | privates Eigentum |
| Eingetragen seit | 14.09.1998 |
| Stadtteil | Mülheim |
1903 erbaut (inschriftlich datiert), viergeschossiger, traufständiger Bau mit Mittelerker; vegetabiler Jugendstil.
Straßenfassade: dreiachsige Stuckfassade; betonte Mittelachse durch Erker mit bekönendem Balkon; reiche Stuckapplikationen an Fensterrahmungen und -brüstungen, verschiedenartig gestaltete Fensteröffnungen; EG und Dach verändert, Haustür und Fenster erneuert.
Rückseite: backsteinsichtig, rechts vorspringendes Treppenhaus mit bunten Fensterscheiben (EG und 1.OG geschlämmt, nachträglich Balkon im 1.OG, 2 Schlitzfenster vermauert).
Innen original: Holztreppe mit gewundenem Lauf, Stabgeländer und viereckigem Antrittspfosten, Treppenabsätze mit Holzdielen, Geschoßpodeste durch vorgeschobene Wohnungstüren verkleinert; teilweise ornamentale Wandfliesen erhalten.
Nicht Bestandteil des Denkmals sind die hofseitigen eingeschossigen Anbauten.
Die Mülheimer Freiheit war seit dem Mittelalter der gesellschaftliche und wirtschaftliche Mittelpunkt der bis 1914 unabhängigen Stadt Mülheim. Erst im 20. Jahrhundert verlor sie allmählich diese überragende Bedeutung an die Frankfurter Straße, da diese näher an den in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts am Stadtrand entstandenen Industriebetrieben liegt und die neu angelegeten Wohnviertel erschließt.
Als das o. g. Haus 1903 erbaut wurde, war die Mülheimer Freiheit noch eine wichtige Geschäftsstraße. Dementsprechend aufwendig ist die Hausfassade gestaltet, deren Mittelachse durch einen reich stuckierten Erker betont wird. Dieser setzt auch heute noch einen markanten Akzent im Straßenbild.
Die varaintenreichen Detailformen der Straßenfassade, in Mülheim und im gesamten Kölner Raum eher selten, sind typisch für den Jugendstil um die Jahrhundertwende. So weisen die Fenster fünf verschiedene Formen auf: Es finden sich rechteckige, rund- und korbbogige Fensteröffnungen und im 3.OG gotisierende Gardinenfenster. Auch die Rahmung der Öffnungen variiert zwischen wuchernden Blumenteppichen im 1.OG, schlichten Stäben im 2.OG und einem Fries im 3.OG. Außerdem mischen sich unter die Jugendstil-Formen historisierende Elemente, die meist der spätgotischen Architektsprache entlehnt sind, wie die Fensterform des 3.OG, die Wappenkartuschen und die Fenstersäule im Erkers. Diese Säule und das darüberliegende, Laubwerk imitierende Stuckfeld greifen das Motiv des Lebensbaumes auf. Das die Fassade trotz ihrer unterschiedlichen Details nicht unruhig wirkt, dürfte an der für den Jugendstil ungewöhnlich strengen Mittelsymmetrie der Hausfront liegen. Insofern nimmt das Gebäude Rücksicht auf die ältere Bebauung in diesem Teil der Mülheimer Freiheit.
Das o. g. Objekt stellt ein wichtiges Zeugnis der Jugendstil-Architektur dar, denn trotz des umgebauten Erdgeschosses entfaltet die Fassade noch ihre dekorative Wirkung. Diese wird ausgezeichnet durch ein ausgeglichenes Verhältnis zwischen dem Vertikalsog der Mittelachse und den horizontalen Gliederungselementen (breite Putzbänder).
Das Haus ist zusammen mit dem Nachbarhaus Mühlheimer Freiheit 150 und den westlich gelegenen Bauten Nr. 126-132 ein Zeugnis für die Bebaung der Jahrhundertwende in diesem Bereich der Mülheimer Freiheit. Dem o. g. Objekt kommt dabei besondere Bedeutung zu, weil es mit seiner Stuckfassade und dem Mittelerker den Straßenraum prägt. Es ist daher in der ansonsten stark veränderten Straße von hohem ortsgeschichtlichen und städtebaulichen Wert.
Aus den o. g. Gründen ist das Hauses Mülheimer Freiheit 148 unbedingt zu erhalten.
Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0