Villa
Hauptstraße 305 · Porz
| Baudenkmalnummer | DE_05315000_A_8160 |
|---|---|
| Typ | Gebäude-Denkmal |
| Bezeichnung | Villa |
| Adresse | Hauptstraße 305, 51143 Köln |
| Baujahr | 1903 bis 1905 |
| Eigentum | privates Eigentum |
| Eingetragen seit | 24.09.1997 |
| Stadtteil | Porz |
Erbaut zwischen 1903-05 für den Fabrikanten Franz Ahren in historisierenden Formen.
Zweigeschossiger, giebelständiger verklinkerter Winkelbau mit Stuckgliederungen in zwei Achsen, eine Achse verbreitert, risalitartig vorgezogen und durch geschweiften Zwerchhausgiebel betont, eine Achse zurückversetzt; in den Versprung eingestellter Eckrisalit mit Glockendach. Hochrecht- eckige Tür- und Fensteröffnungen mit aufgeputzten Rahmungen, im Obergeschoß (OG) reicher stukkiert.
Straßenfassade: Verputzter Eckrisalit mit plastischer Stuckzier, im Erdgeschoß (EG) auf Pfeilern und Säule, mit seitlicher Rundbogennische; im OG polygonaler Erker. Originale Eingangstür mit Verglasung und Ziergitter. Fenster erneuert.
Rechte Gebäudeseite: dreiachsig, davon eine Achse als Treppenhausachse leicht vorgezogen, mit z.T. gerundeten Fensteröffnungen und Zwerchhausgiebel; seitlich vorkragender Anbau.
Linke Gebäudeseite: dreiachsig durch Blendfenster mit Putzrahmungen.
Rückseite: zwei Achsen, dreieckiger Zwerchhausgiebel; an der linken Gebäudeseite anschließender ehem. Terrassenanbau (zweigeschossig), nachträglich zu Wohnzwecken geschlossen; darunter originaler Treppenabgang mit Metallgeländer in den Keller, Tür erneuert. Die rechte Gebäudeecke ist abgeschrägt und im OG verputzt. Im EG vor der rechten Gebäudehälfte originaler Kastenerker mit neuer Metalltreppe und im OG aufsitzendem Balkon mit Gitterbrüstung (50er).
Innen original: Keller mit Betondecke, Holztreppe. Entrée: Marmorboden (neu), originaler Deckenstuck mit zarten Blütenmotiven in Jugendstilformen; Hohlkehlen in den übrigen Räumen. Holztreppe mit Balustergeländer. Im OG eingezogener Spitzbogen als Treppenhausabtrennung. Grundrisse weitgehend erhalten, Wohnungsabtrennung im DG neu. Vierteilige Kassettentüren mit originalen Laibungen weitgehend erhalten. Dielenböden in den Geschossen abgedeckt. Dachgeschoß zu Wohnzwecken ausgebaut, Kassettentüren erhalten.
Großer Vorgartenbereich, heute zu Parkzwecken umgestaltet - eine alte Blutbuche hat sich erhalten. Rückwärtige Gartenanlage mit altem Baumbestand (Zeder und Blutbuche), ursprünglicher umlaufender Wegeführung mit Backsteinbelag und originaler Metallgittereinfriedung mit aufwendig gestaltetem Tor zur Rheinpromenade. Der Garten mit seiner originalen Einfriedung ist Teil des Denkmals.
Schon im Mittelalter erlangte Porz als Verwaltungszentrum des in Ämter geteilten Herzogtums Berg regionale Bedeutung. Das Amt Porz umfaßte ein großes Gebiet südlich der Wupper, dem bis auf die kurkölnische Orte Deutz, Kalk, Vingst, Poll und Westhoven auch das heutige rechtsrheinische Stadtgebiet angehörte. Unter der französischen Herrschaft wurden die Ämter abgeschafft. Die Preußen übernahmen zunächst die 1808 geschaffenen Bürgermeistereien Wahn und Heumar, die alle heute zu Porz gehörenden Ortschaften umfaßten. 1847 wurde der Amtssitz der Bürgermeisterei Heumar nach Porz verlegt.
In der 1. Hälfte des 19. Jh.s waren Landwirtschaft und Fischfang die häufigsten Erwerbs-quellen, bis um die Jahrhundertmitte die Industrialisierung auch im Porzer Raum allmählich einsetzte. Die Einwohnerzahl stieg von 1000 (1825) auf 5000 (1900). 1929 wurden Wahn und Porz in einer Gemeinde zusammengefaßt, 1951 kam es zur Stadterhebung und 1975 wurde Porz letztendlich der Stadt Köln eingemeindet.
Für den Innenstadtbereich von Porz ist eine Gemengelage von Werksgeländen und Wohngebäuden bestimmend, so wurden z.B. 1897: die Deutsche Cotton Öl, 1899: die Rhein. Weinessig Fabrik, 1900: die Rhein. Portlandwerke, Tonröhrenfabrik Wienecke und 1900: das Spiegelglaswerk Germania gegründet. Um 1900 hat die Bebauung die Porzer Hauptstraße (früher: Provinzialstraße) übersprungen, die bis dahin die östliche Begrenzung des Stadtkerns bildete. Außer der Schule gab es dort bis dato nur gewerblich genutzte Gebäude wie die Firmen Seidel und Himmelreich. 1903 wurde ein Fluchtlinienplan beschlossen und ab 1904 setzte eine vermehrte Bebauung mit Wohn- und Geschäftshäusern ein.
Leider sind mit der großflächigen Innenstadtmodernisierung der 70er Jahre viele Gebäude dieser Zeit verlorengegangen. Somit kommt den nur noch vereinzelt vorhandenen Altbauten im Bereich der Porzer Hauptstraße als Geschichtszeugnis des Ortes besondere Bedeutung zu. Zu dieser Gruppe gehört auch die Villa Hauptstraße 305. Sie entstand ungefähr gleichzeitig mit den beiden Nachbargebäuden Nr. 303 und 307. Zwischen den beiden anderen Villen gelegen, hat sich sich als Einzige nahezu unverändert erhalten. Der Bauherr Franz Ahren war einer der 17 Vorstandsmitglieder der Spiegelglaswerke "Germania", die ab 1900 in Porz produzierten. Die Ähnlichkeit der Architektur mit der zur Fabrik gehörende Direktorenvilla sowie dem Verwaltungsgebäude läßt vermuten, daß derselbe Architekt gebaut hat. Zudem bestand zu ihrer Erbauungszeit sogar eine Sichtbeziehung zwischen der Villa Ahren und dem Glaswerk. Das Gebäude ist nicht nur architektonisch von Bedeutung, sondern auch wichtig als ortsgeschichtliches Dokument für die industrielle Entwicklung des ehemals dörflichen Porz.
Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0