Wohn- u. Geschäftshaus
Hauptstraße 327 · Porz
| Baudenkmalnummer | DE_05315000_A_8276 |
|---|---|
| Typ | Gebäude-Denkmal |
| Bezeichnung | Wohn- u. Geschäftshaus |
| Adresse | Hauptstraße 327, 51143 Köln |
| Baujahr | 1905 |
| Architekt / Planung | Josef Eimermacher |
| Eigentum | privates Eigentum |
| Eingetragen seit | 02.03.1998 |
| Stadtteil | Porz |
Erbaut 1905 (inschriftlich datiert) von Josef Eimermacher in historisierenden Formen.
Zweigeschossiger traufständiger Putzbau in drei Achsen mit Backsteingliederungen, Zwerchhausgiebel und ziegelgedecktem Satteldach. Segmentbogige Tür- und Fensteröffnungen.
Straßenfassade: Im Erdgeschoß (EG) Ladenlokal. Originale zweiflügelige Eingangstür mit Sprossenoberlicht in historisierenden Formen in der Mittelachse. Fenster in Holz erneuert. Mehreckiger Zwerchhausgiebel mit reichem Schmuck und rundbogigem Fenster mit originaler Gliederung; unter der Sohlbank aufgeputztes, geschweiftes Band mit Jahreszahl (1905) und Blütendekor.
Rechte Gebäudeseite : glatt verputzt; mittige Treppenhausachse mit originaler Eingangstür mit Oberlicht, in Ober- (OG) und Dachgeschoß (DG) je eine zusätzliche Fensteröffnung, Fenster in Holz erneuert.
Linke Gebäudeseite: glatt verputzt; originale Fensteröffnungen segmentbogig, Fenster in Holz, z.T. ohne Teilung, erneuert.
Rückseite: dreiachsig, mit mittig vorgezogenem Treppenhauserker. Fenster weitgehend erneuert .
Innen original: Keller mit Betonkappendecke, Backsteinboden und Holztreppe. Entrée: originaler Fliesenboden (Weiß/Schwarz), abgedeckt; Deckenstuckleiste sowie schmaler Rundbogen zum Treppenhaus. Hier ebenfalls abgedeckte Fliesen, Holztreppe mit einfachem Stabgeländer. Toiletten in rückwärtigem Anbau auf halber Höhe. Grundrisse weitgehend erhalten, Wohnungsabtrennung im OG neu. Dielenböden in den Geschossen, größtenteils abgedeckt. Kassettierte Zimmertüren und Laibungen erhalten. Im OG Rabitzdecken hoch abgehängt. Dachgeschoß zu Wohnzwecken ausgebaut, Dielenböden und Kassettentüren erhalten.
Schon im Mittelalter erlangte Porz als Verwaltungszentrum des in Ämter geteilten Herzogtums Berg regionale Bedeutung. Das Amt Porz umfaßte ein großes Gebiet südlich der Wupper, dem bis auf die kurkölnische Orte Deutz, Kalk, Vingst, Poll und Westhoven auch das heutige rechtsrheinische Stadtgebiet angehörte. Unter der französischen Herrschaft wurden die Ämter abgeschafft. Die Preußen übernahmen zunächst die 1808 geschaffenen Bürgermeistereien Wahn und Heumar, die alle heute zu Porz gehörenden Ortschaften umfaßten. 1847 wurde der Amtssitz der Bürgermeisterei Heumar nach Porz verlegt.
In der 1. Hälfte des 19. Jh.s waren Landwirtschaft und Fischfang die häufigsten Erwerbsquellen, bis um die Jahrhundertmitte die Industrialisierung auch im Porzer Raum einsetzte. Die Einwohnerzahl stieg von 1000 (1825) auf 5000 (1900). 1929 wurden Wahn und Porz in einer Gemeinde zusammengefaßt, 1951 kam es zur Stadterhebung und 1975 wurde Porz letztendlich der Stadt Köln eingemeindet.
Für den Innenstadtbereich von Porz ist eine Gemengelage von Werksgeländen und Wohngebäuden bestimmend, so wurden z. B. 1897: die Deutsche Cotton Öl, 1899: die Rhein. Weinessig Fabrik, 1900: die Rhein. Portlandwerke, Tonröhrenfabrik Wienecke und 1900: das Spiegelglaswerk Germania gegründet. Um 1900 hat die Bebauung die Porzer Hauptstraße (früher: Provinzialstraße) übersprungen, die bis dahin die östliche Begrenzung des Stadtkerns bildete. Außer der Schule gab es dort bis dato nur gewerblich genutzte Gebäude wie die Firmen Seidel und Himmelreich. 1903 wurde ein Fluchtlinienplan beschlossen und ab 1904 setzte eine vermehrte Bebauung mit Wohn- und Geschäftshäusern ein.
Leider sind mit der großflächigen Innenstadtsanierung der 70er Jahre viele Gebäude dieser Zeit verlorengegangen. Somit kommt den nur noch vereinzelt vorhandenen Altbauten im Bereich der Porzer Hauptstraße als Geschichtszeugnis des Ortes besondere Bedeutung zu. Zu dieser Gruppe gehört auch das Gebäude Hauptstraße 327. Es entstand 1905 und gehört zu einem der wenigen erhaltenen Wohn-/Geschäftshäuser in historisierenden Formen aus der Frühzeit der Bebauung dieser Straße. Typisch für den ländlichen Raum ist seine breite Lagerung in drei Achsen bei nur zwei Geschossen, einmalig in der Hauptstraße ist die Ausführung als Putzbau mit aufwendigen Backsteingliederungen. Das Gebäude ist somit sowohl architektonisch von Bedeutung als auch als als frühes Beispiel der mit der industriellen Entwicklung des Ortes einhergehenden Infrastruktur.
Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0