Villa

Virchowstraße 22 · Lindenthal

Baudenkmalnummer DE_05315000_A_8176
Typ Gebäude-Denkmal
BezeichnungVilla
Adresse Virchowstraße 22, 50935 Köln
Baujahr1907
Eigentumprivates Eigentum
Eingetragen seit 09.10.1997
Stadtteil Lindenthal

Erbaut 1907; 2 Geschosse, Souterrain und ausgebautes Dachgeschoß, schiefergedecktes Mansarddach, Putzfassade mit Stuckgliederungen im Stile des Neobarock, Fugenschnittputz im Souterrain, Fenster original erhalten.

Straßenfront: 3 Achsen, rechts zurückspringender Hauseingang: aufwendige Natursteintreppe mit schmiedeeisernem Geländer, originale Haustür (Holz) mit Fenster und segmentbogigem Oberlicht, glasgedecktes schmiedeeisernes Vordach. Schaufassade: breit vorspringendes Souterrain (verändert: Garagentor), darauf im EG Loggia mit korinthisierenden Säulen, die den Balkon des OG tragen, abschließendes vorspringendes Traufgesims und geschweifter Ziergiebel mit Ochsenauge. Balusterbrüstungen an Loggia und Balkon, Rundbogenfenster und -türen mit Stuckrahmungen, Fugenschnittputz am Souterrain und an den Fassadenkanten.

Rechte Seite: 3 Achsen, linke Achse Haustreppe, darüber im OG ein Fenster, mittlere Achse risalitartig vorspringend, dort im EG und OG je ein großes Fenster mit Stuckrahmung, das Dielenfenster im EG mit farbiger Jugendstilverglasung, rechte Achse fensterlos.

Rückseite: bewegte Putzfassade, 2 Achsen, linke Achse: Risalit auf trapezförmigem Grundriß, rechte Achse im Souterrain vorgewölbt, darüber gerade, im OG kleiner Balkon mit originalem Gitter (im Dach große Fensterfläche eingefügt).

Linke Seite: 3 Achsen, die mittlere Achse trapezförmig vorspringend, große und kleine Rundbogenfenster, teilweise mit Stuckrahmungen.

Innen original: Grundrisse, Keller: Holztreppe mit gedrechselten Stäben, teilweise alte Türen. EG: originale Türen und aufwendige, mit geometrischen Mustern verzierte Laibungen (Füllungen der Flügeltüren im Arbeitszimmer verglast), wenig Stuck (teilweise Zimmerdecken erneuert), aufwendige zweiläufige Holztreppe mit verziertem Antrittspfosten und profilierten Geländerstäben. OG: originale Türen und Laibungen, Dielenboden in beiden rückwärtigen Zimmern, Hohlkehle im straßenseitigen Zimmer (dort auch moderner Kamineinbau). DG: (als Zugang neue Wendeltreppe aus Stahl), originale Türen, freiliegende Dachbalkenkonstruktion im straßenseitigen Zimmer.

Bestandteil des Denkmals ist auch der Vorgarten mit originaler Einfriedung zur Straße (Pfeiler und schmiedeeisernes Gitter).

Orts- und stadtgeschichtliche Bedeutung besitzt die 1907 erbaute Villa als Zeugnis des noblen Charakters des Kölner Vororts Lindenthal (1888 eingemeindet), der im Bereich Mommsen-, Virchow- und Krieler Straße durch anspruchsvoll gestaltete Villen und Doppelvillen geprägt wird. Aufgrund der geringen gewerblichen Besiedlung und der Anlage des Stadtwaldes kurz vor 1900 wurde Lindenthal zu einem bevorzugten gutbürgerlichen Wohnviertel Kölns mit ruhigen, begrünten Wohnstraßen, Alleen und Plätzen.

Die Architektur des Objektes zeigt eine eigentlich zurückhaltene Verwendung neobarocker Formen, die aber durch die Verbindung mit der vorgesetzten, äußerst aufwendigen Loggia mit Balkon eine in Köln ungewöhnliche Ausprägung erfährt. Die fast die ganze Frontbreite einnehmende Loggia springt mit großer Tiefe rechteckig vor und wird mit Hilfe von korinthischen Säulen und zwei Balustraden auffallend geschmückt und erinnert somit auch an italienische Villenarchitektur. Fassade und Garteneinfriedung mit Pfeilern und Eisengeländer zeigen eine einheitliche Konzeption durch das häufige Auftreten von geschwungenen Formen. Die aufwendige Ausstattung im Äußeren und im Inneren der Villa (die komplizierten Fenstergliederungen, die geschwungene Außentreppe mit schmuckvollem Eisengeländer, der repräsentative Eingangsbereich mit großer Treppenanlage, farbigem Jugendstilfenster und aufwendigen Türen) legt noch heute anschauliches Zeugnis des Anspruches des ehemaligen Bauherrn und damit der Wohnkultur der Jahrhundertwende in diesem Kölner Stadtteil ab.

Von wichtiger städtebaulicher Bedeutung ist die unmittelbare Nähe des Objektes zur Kreuzung Mommsenstraße, von der aus gesehen die Villa mit ihrem Vorgarten einen betonten Auftakt der Virchowstraße bildet. In unmittelbarer Nachbarschaft wurden auch nach dem Krieg noch erhaltene Villen durch wenig qualitätvolle Architektur verdrängt, gegenüber befinden sich jedoch noch die ebenfalls denkmalwerten historistischen Häuser Nr. 21 und 27.

Das hier behandelte Objekt ist somit eines der wenigen erhaltenen baulichen Dokumente der ursprünglichen Bebauung Lindenthals, die die Zerstörungen des Zweiten Weltkrieges überdauert haben. Es ist daher unverzichtbar für das Verständnis der Architektur und der städtebaulichen Zusammenhänge in diesem Teil Kölns und deshalb unbedingt zu erhalten.

Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0