Halbvilla

Virchowstraße 21 · Lindenthal

Baudenkmalnummer DE_05315000_A_7974
Typ Gebäude-Denkmal
BezeichnungHalbvilla
Adresse Virchowstraße 21, 50935 Köln
Baujahr1912
Eigentumprivates Eigentum
Eingetragen seit 19.09.1996
Stadtteil Lindenthal

"Villa J. Levi"; erbaut 1912; Architekt: Robert Stern (Inschrift an straßenseitiger Front rechts); zweigeschossiger Putzbau auf Natursteinsockel (Souterrain) mit ausgebautem Satteldach.

Straßenfront: 2 Achsen; Betonung der linken Achse durch eingeschossigen, halbrunden Standerker mit Balkon (Brüstung mit Balustern); Satteldach mit Zwerchhaus (Rundgiebel); Fenster, Schlagläden (im OG) und Vergitterungen der Kellerfenster original.

Seitenfront: zweifach vorgestuft mit verspringenden Giebelflächen (bewegte Dachlandschaft); seitlicher Eingang mit separatem Dach; originale Eingangstür und Fenster.

Rückfront: links Wintergarten (EG) mit Balkon (Geländer erneuert); rechts daneben Terrasse (heute geschlossen) mit teilweise erhaltenem originalem Holzgeländer (rechte Schmalseite); Fenster (außer DG) und Fenstertür original.

Innen original: Grundrisse (außer DG: hier im rückwärtigen Dachbereich leicht verändert); EG: Windfang mit schwarz-weißen Bodenfliesen und Marmorwandbelag; Eingangshalle mit flach angelegtem Deckenstuck (Hohlkehle, stilisierte Girlanden; hölzerne Treppenanlage mit profilierten Geländerstäben; neben der Treppe durch Holzgeländer (profilierte Stäbe unter der Decke) abgetrennte garderobenähnliche Nische; Zimmertüren mit Rahmen, Laibungen und Beschlägen; beide Straßen- und das Gartenzimmer mit Parkett, Fußleisten und Deckenstuck (Hohlkehlen, Blumenornament); Gartenzimmer durch originale zweiflüglige Schiebetür (voll verglast) mit Straßenzimmer verbunden; Wintergarten durch korbbogenförmigen Durchgang vom Gartenzimmer leicht separiert; OG: Zimmertüren mit Rahmen, Laibungen und Beschlägen; Einbauschrank im rückwärtigem Umkleidezimmer (zwischen ehemaligem Schlafraum und Badezimmer, heute als Küche genutzt); DG: Zimmertüren mit Beschlägen.

Veränderungen: Dacheindeckung erneuert (Vordach ehemals mit Biberschwänzen); rückwärtiger Seitenanbau (Abstellkammer) nach dem Krieg angebaut; ehemals offene Terrasse (rechts neben dem Wintergarten) nachträglich verglast und überdacht; Werkstatt im Souterrainbereich (unterhalb der ehemaligen Terrasse) nachträglich eingerichtet; DG durch rückwärtigen Ausbau 1982 verändert (zweifenstriges Zwerchhaus entfernt, heute breitgelagerte fünffenstrige Schleppgaube; 2 Wände und Speichertreppe entfernt.

Bestandteile des Denkmals sind auch der Vorgarten mit Einfriedung (Sockel/Metallgeländer mit Tor), die zweiseitige Gartenmauer (backsteinsichtig mit Vorlagen) und der rückwärtige Garten. Nicht Bestandteil des Denkmals ist die Garage (nicht aus der Erbauungszeit des Hauses).

Orts- und stadtgeschichtliche Bedeutung besitzt die 1912 erbaute Villa als Zeugnis des noblen Charakters des Kölner Vororts Lindenthal (1888 eingemeindet), der im Bereich Mommsen-, Virchow- und Krieler Straße durch anspruchsvoll gestaltete Villen und Doppelvillen geprägt wird. Aufgrund der geringen gewerblichen Besiedlung und der Anlage des Stadtwalds kurz vor 1900 wurde Lindenthal zu einem bevorzugten gutbürgerlichen Wohnviertel Kölns mit ruhigen, begrünten Wohnstraßen, Alleen und Plätzen.

Baukünstlerische Bedeutung darf die zweigeschossige, sich über einem Natursteinsockel mit hohem Souterrain erhebende Halbvilla beanspruchen, da sie als zeittypisches Beispiel einer pittoresken Mischung von Neoklassizismus, Jugend- und Landhausstil gelten kann.

Wesentliche Gestaltungsmerkmale sind hierbei die Betonung der Kubatur und ein reduzierter Schmuckaufwand. Die Straßenfront wird durch einen konvex vorkragenden Vorbau mit Austritt, der ursprünglich sein Pendant am Haus Nr. 23 hatte (die Positionierung ist geblieben, die formale Gestaltung jedoch verändert) und ein hoch aufragendes Zwerchhaus mit stilisiertem Palladio-Motiv rhythmisiert. Die Seitenfront bezieht ihre Wirkung hingegen aus einer dynamischen Asymmetrie mehrfach in Höhe und Tiefe verspringender Bauglieder, deren ineinander verschachtelte Volumina auf einen Einfluß der Heimatschutzbewegung hinweisen.

Der reduzierte Schmuckaufwand, der im wesentlichen auf das Palladio-Motiv beschränkt bleibt, ist ein Hinweis auf die bei gutsituierten Bauherren aufkommende Vorliebe für schlichter und strenger wirkende Formen, die durchaus auch als Reaktion auf die mitunter als überladen empfundenen Gründerzeitfassaden zu verstehen ist.

Wesentliche, den Gesamteindruck des Gebäudes bestimmende Details, wie die erhaltenen Schlagläden und die originale Fensteraufteilung, unterstreichen den Landhauscharakter der Halbvilla, deren Lage in dem stark durchgrünten Stadtteil dieser Gestaltung wohltuend entspricht. Die nahezu komplett erhaltene Innenausstattung veranschaulicht sowohl den hohen repräsentativen Anspruch der Erstbewohnerschaft, als auch die ursprünglichen Funktionen der unterschiedlichen Räume. Während sich im EG die Wohn- und Repräsentationsräume - erkenntlich an den eleganten Stukkaturen und den sich zueinander öffnenden Räumen - befinden, waren im OG ursprünglich die Schlafräume gelegen, was sich auch heute trotz veränderter Nutzung noch an der räumlichen Abfolge von ehemaligem Schlaf-, Ankleide- und Badezimmer ablesen läßt.

Der Architekt des Hauses, Robert Stern (geb. 1885 in Köln; gest. in New York), ist neben Georg Falck der bedeutendste Kölner Architekt jüdische Glaubens in der ersten Jahrhunderthälfte. Bis zu seiner Emigration (um 1936/37) nach London und anschließend nach New York schuf er eine umfangreiche Liste bedeutender Bauten in Köln (hier vor allem in Marienburg, Bayen- und Lindenthal).

Das o.g. Objekt ist eines der wenigen erhaltenen baulichen Dokumente der ursprünglichen Bebauung Lindenthals, die die Zerstörungen des Zweiten Weltkrieges überdauert haben. Es ist daher unverzichtbar für das Verständnis der städtebaulichen Zusammenhänge in diesem Teil Lindenthals und von daher unbedingt zu erhalten.

Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0