Wohnhaus

Schwerinstraße 64 · Nippes

Baudenkmalnummer DE_05315000_A_8187
Typ Gebäude-Denkmal
BezeichnungWohnhaus
Adresse Schwerinstraße 64, 50733 Köln
Baujahrum 1900
Eigentumprivates Eigentum
Eingetragen seit 16.10.1997
Stadtteil Nippes

Errichtet um 1900. Unregelmäßiger Grundriß, 3 Geschosse, 2:1:1:2 Achsen, rechte Haushälfte zurückspringend und so Platz für Vorgarten bildend, hellgelbe Backsteinfassade mit Stuckgliederungen im Stil der Neorenaissance (alle Fenster erneuert, Kunststoff).

Fassade: Hauseingang schräg im Winkel der zurückspringenden rechten Haushälfte angeordnet (Tür erneuert, Alu), im EG grobe und feine Rustika, über kräftigem Gesims Backsteinfassade, darin stuckgerahmte Fenster, die des 1. OG mit karniesbogiger Verdachung, die des 2. OG mit einfacher Ohrenrahmung, angedeutete Eckquaderung und horizontal über die Fassade verkröpfte Putzstreifen, kräftiges Traufgesims, 3 spitzgiebelige Gauben.

Rückseite: Backsteinsichtig (EG geschlämmt), Fassade zweifach zurückspringend, (Hoftür erneuert, Kunststoff).

Im Inneren original erhalten: im Eingangsbereich Bodenfliesen mit floralen Mustern, Bogendurchgang zum Treppenhaus, Kunststeintreppe mit hölzernem Handlauf, gedrechselten Stäben und gedrechseltem, hölzernem Antrittspfosten, auf den Podesten teilweise zweifarbiger Fliesenboden. Im EG zwei Türen erhalten (eine davon innen vermauert, alle anderen Türen erneuert), in Wohnung EG links in beiden Zimmern Deckenstuck (profilierte Hohlkehle, im vorderen Zimmer Mittelrosette), Holzdielenböden.

Zum Denkmal zugehörig ist auch der Vorgarten (verändert: plattiert) mit originaler Einfriedung (verputzte niedrige Mauer mit Eisengitter) und der rückwärtige kleine Hof.

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts entwickelte sich die bislang dörfliche Siedlung Nippes zu einem bedeutenden Industrieort, der als Bestandteil der Bürgermeisterei Longerich 1888 nach Köln eingemeindet wurde. Nachdem rapides Bevölkerungswachstum zu großer Wohnungsnot geführt hatte, erlebte Nippes seit etwa 1895 einen regelrechten Bauboom.

Erstmals wurden nun auch Gebiete nördlich der alten Achse Flora-/Mauenheimer Straße systematisch für eine Bebauung durch mehrgeschossige Miethäuser erschlossen. So entstand in der kurzen Zeit von 1900 bis 1905 zwischen Flora- und Nordstraße ein (überall nach Helden oder Schlachtorten der "Befreiungskriege" benanntes) Netz gänzlich neuer Straßen um das Zentrum der 1905 nach dem Entwurf von Fritz Encke geschaffenen großen rechteckigen Grünanlage Leipziger Platz. Die drei- oder viergeschossigen Privathäuser des neuen Viertels entsprachen mit ihren abwechslungsreich gestalteten repräsentativen Fassaden dem um die Jahrhundertwende sich vollziehenden Wandel des Industrieortes Nippes zum bürgerlichen Wohnort. Gegenüber der Einmündung der 1903 erstmals erwähnten Schwerinstraße in die Gneisenaustraße liegt die katholische Pfarrkirche St. Bonifatius (1913), der dominierende Sakralbau des Viertels. Das am anderen Ende der Schwerinstraße liegende Haus Nr. 64 wird 1904 gemeinsam mit der Nr. 14 als erstes Haus der Straße genannt. Nach seiner flächigen, mit zurückhaltenden Elementen der Neorenaissance geschmückten Fassadengliedrung zu urteilen, ist das Haus jedoch schon im ausgehenden 19. Jahrhundert errichtet worden. Schon zu dieser Zeit wurde die zukünftige Gestaltung der Straße festgelegt, indem die zurückspringende Fassade die Baufluchtlinie festlegte und in der Folge die ganze Straße beidseitig kleine Vorgärten erhielt. Die Vorgärten, die anspruchsvolle Fassadengestaltung der nachfolgenden Häuser und die spätere Errichtung der Bonifatiuskirche im Fluchtpunkt der Straße zeigt den gehobenen Anspruch der Planung und der sich ansiedelnden Bauherren.

Im Bereich des hier bewerteten Objektes finden sich hauptsächlich in der benachbarten Nordstraße weitere erhaltene Zeugnisse dieser Erstbebauung, das nördliche Ende der Schwerinstr. wird dagegen stark von Nachkriegsbauten geprägt, die aber alle die straßenbildprägende Gliederung der kleinen Vorgärten wiederaufnehmen. Daher stellt dieses Haus mit seinem die Straße abschließenden Charakter ein unverzichtbares Zeugnis für die Besiedlung von Nippes dar.

Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0