Wohn- u. Geschäftshaus

Nordstraße 96 · Nippes

Baudenkmalnummer DE_05315000_A_8291
Typ Gebäude-Denkmal
BezeichnungWohn- u. Geschäftshaus
Adresse Nordstraße 96, 50733 Köln
Baujahr1903
Eigentumprivates Eigentum
Eingetragen seit 24.04.1998
Stadtteil Nippes

Erbaut 1903, Eckhaus zur Schwerinstraße auf unregelmäßigem Grundriß, 3 Geschosse, ausgebautes Dachgeschoß, Satteldach, Backsteinfassade mit schlichten Stuckgliederungen des Historismus, alle Fenster verändert (Holz, Kunststoff oder bunte Bleiverglasungen (Kneipe), teilweise andere Teilungen).

Fassade: Hausecke zur Kreuzung hin abgeschrägt, daher 3:1:3 Achsen. EG stuckverkleidet mit Fugenschnitt, zur Nordstraße Öffnung verändert, Hauseingang in der Nordstraße, Kneipenzugang in abgeschrägter Ecke (später etwas hinter Fassade zurückversetzt). Oberhalb des EG Fassade aus gelbem Backstein mit horizontalen Putzstreifen in Sohlbank- und Kämpferhöhe der Fenster, Fenster des 1. OG mit dreieckigen Verdachungen mit Stuckblumen betont, im 2. OG in der abgeschrägten Ecke große Rundbogennische mit Figur des Hl. Josef (erneuertes langes Standkreuz in zu groß erneuerter linker Hand des Heiligen, hier vermutlich ursprünglich eiserne Lilie), Bekrönung der Ecke durch kleinen, geschweiften Ziergiebel mit Sonnenmotiv. Zu beiden Seiten des Giebels ursprüngliche kleine Gauben auf ganze Länge der Fassade verbreitert, kunstschieferverkleidet.

Rückseite: backsteinsichtig, roter Backstein mit gelben Streifen, Geschoßgesimse mit Deutschem Band betont. Veränderungen: der kleine Hof teilweise eingeschossig bebaut, Rest überdacht.

Innen original erhalten: im Vestibül Bodenfliesen mit ornamentalem Dekor, Hohlkehlenrahmung des Deckenspiegels (neue Wandfliesen bis Brüstungshöhe, Haustür erneuert: Alu). Terrazzotreppe mit schmiedeeisernem Geländer und Holzhandlauf, auf Treppenpodesten Fliesen mit floralem Dekor. (Verändert: Flurfenster mit Glasbausteinen, neue Wohnungstüren.)

Nicht zum Denkmal gehörig ist der spätere eingeschossige Anbau auf dem Hof.

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts entwickelte sich die bislang dörfliche Siedlung Nippes zu einem bedeutenden Industrieort, der als Bestandteil der Bürgermeisterei Longerich 1888 nach Köln eingemeindet wurde. Nachdem rapides Bevölkerungswachstum zu großer Wohnungsnot geführt hatte, erlebte Nippes seit etwa 1895 einen regelrechten Bauboom.

Erstmals wurden nun auch Gebiete nördlich der alten Achse Flora-/Mauenheimer Straße systematisch für eine Bebauung durch mehrgeschossige Miethäuser erschlossen. So entstand in der kurzen Zeit von 1900 bis 1905 zwischen Flora- und Nordstraße ein (überall nach den Helden oder Schlachtorten der "Befreiungskriege" benanntes) Netz gänzlich neuer Straßen.

Die drei- oder viergeschossigen Wohnbauten des neuen Viertels entsprachen mit ihren abwechslungsreich gestalteten repräsentativen Fassaden dem um die Jahrhundertwende sich vollziehenden Wandel des Industrieortes Nippes zum bürgerlichen Wohnort.

Die Nordstraße - nördlich der alten Achse Flora-/Mauenheimer Straße gelegen - wurde in der Zeit von der Jahrhundertwende bis 1910, wie auch benachbart gelegene Straßen (Blücher-, Waterloo-, Schwerinstraße) systematisch für eine Bebauung durch mehrgeschossige Miethäuser erschlossen. Diese gruppieren sich um die 1905 nach dem Entwurf von Fritz Encke geschaffene große rechteckige Grünanlage Leipziger Platz. Anlage und Erstbebauung der Nordstraße als auch des Platzes sind in einem städtebaulichen Zusammenhang zu sehen. Die Nordstraße schuf neben der Blücherstraße eine Ost-West-Verbindung der Neusser- mit der Niehler Straße.

Trotz zahlreicher Verluste an historischer Substanz und späterer Neubauten zeigt die Straße erhaltene Zeilen von zwei- bis dreigeschossigen und drei bis vier Achsen breiten Miethäusern mit dem für die Zeit um die Jahrhundertwende charakteristischen Erscheinungsbild historistisch-variantenreich dekorierter Fassaden.

Das aus dem Jahr 1903 stammende Haus Nordstraße 96 ist ein städtebaulich bedeutendes Gebäude an der Kreuzung zur Schwerinstraße. Im östlichen Bereich der Nordstraße sind wegen der Nähe zu Industrieanlagen an der Niehler Straße im Krieg nur vereinzelte Häuser der gründerzeitlichen Bebauung von Bombentreffern verschont geblieben. Umso größer ist die Bedeutung dieses Eckhauses, das in die Schwerinstraße, mit der 1913 am gegenüberliegenden Ende errichteten Bonifatiuskirche überleitet.

Das Haus erscheint in zeittypischer Weise als einfach gestaltetes, dreigeschossiges und jeweils dreiachsiges Wohngebäude. Die seltene Verwendung des in der Herstellung etwas teureren gelben Backsteins verleiht dem Haus trotz seines zurückhaltenden Stuckdekors und der - ohne Erker - flächigen Fassadengestaltung, ein auffälliges Äußeres. Die Eckbetonung durch die große Nischenfigur und den bekrönenden Giebel bezeugt ebenfalls den Anspruch des Bauherren.

Das Objekt dokumentiert mit den in der Nähe erhaltenen Bauwerken die Entstehung von Nippes. Es ist ein unverzichtbarer Bestandteil im Ensemblebereich des Stadtteils und somit als Baudenkmal zu erhalten.

Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0