Pfarrhaus u. Sakristei St. Peter

Jabachstraße 1 · Altstadt/Süd

Baudenkmalnummer DE_05315000_A_8207
Typ Gebäude-Denkmal
BezeichnungPfarrhaus u. Sakristei St. Peter
Adresse Jabachstraße 1, 50676 Köln
Baujahr1959 bis 1960
Architekt / PlanungKarl Band
Eigentumkirchliches Eigentum
Eingetragen seit 18.11.1997
Stadtteil Altstadt/Süd

Erbaut 1959/60; Architekt: Karl Band; 3-geschossiger Winkelbau Jabachstraße/Ecke Leonhard-Tietz-Straße, einseitig an St. Peter anschließend; backsteinsichtig.

Bauteil I (Jabachstraße): Pultdach; Straßenansicht: 4 Achsen; Fassadenrhythmisierung durch paarweise zusammengefaßte Fenster (hochrechteckige Holzfenster; Betonstürze, im 2.OG leicht zurückversetzt und bis an die Traufkante reichend); davon optisch abgetrennt (Fallrohr, weitgehend geschlossene Wandfläche) der Eingangsbereich (durch seitlichen Wandschlitz betont; originale Eichentür und Verdachung); Anbindung an den Baukörper an der Leonhard-Tietz-Straße über leicht eingezogenen Treppenhaustrakt.

Seitenansicht (Chorbereich St. Peter): eine Achse (rechts); originale Holzfenster, Eingangstür (Eiche) und -verdachung.

Rückansicht: 4 Achsen (rechts eingezogenes Treppenhaus); EG zweifach vorgestuft (Sakristei links, Kapelle mit seitlichem Wandschlitz rechts, darüber Dachterrasse); hochrechteckige Fenster mit Betonstürzen; Terrassengitter, Fenster und Fenstertür (Holz, ursprüngliche Einteilung) erneuert; Eingangstür (Metall, verglast) erneuert.

Innen original: Grundrisse (außer Türdurchbruch Treppenhaus-EG rechts, Zusammenlegung zweier Zimmer im EG; leichte Grundrißveränderungen im 1.OG aufgrund Umnutzung zu Wohnraum); hölzerne Zimmertüren, Zwischentüren mit verglasten Oberlichtern und verglaste Zwischentür im EG ; Fensterbänke; Treppenhaus: grün-schwarzer Terrazzobelag und -treppe; Metallgeländer mit Mipolam-Handlauf; EG-Wohnung: Wandfliesen in einem ehemaligen Bad (heute als Küche genutzt); Aufzug zur Bibliothek (heute Pfarrsaal); Kapelle: Terrazzobelag; Sakristei: hölzerne Einbauschränke; Pfarrsaal (ehem. Bibliothek): originaler Parkettboden.

Bauteil II (Leonhard-Tietz-Straße): Satteldach; Straßenansicht: 3 Achsen; Fassadenrhythmisierung durch gekoppelte Fenster der Mittel- und rechten Achse; davon optisch abgetrennt (Fallrohr, geschlossenen Wandfläche) die linke Achse; Betonstürze und -gliederungen; Kellerfenster in Form von Wandschlitzen.

Giebelansicht Jabachstraße: eine Fensterachse rechts (kleine querrechteckige Fenster mit T-förmiger Gliederung in Sichtbeton, im EG/1./2.OG leicht vor die Bauflucht gezogen). Giebelansicht Leonhard-Tietz-Straße: eine Fensterachse links (hochrechteckige Fenster mit Betonstürzen, im EG gekoppelt); Fenster in Holz erneuert (ursprüngliche Aufteilung).

Rückfront: einachsig; hochrechteckige Holzfenster (in ursprünglicher Form erneuert).

Innen original: Grundrisse (außer Aufteilung eines Badezimmers in 2 Einheiten); Zimmer der Patres im 1./2.OG mit originalen Einbauschränken (Holz).

Auf den Fundamenten und Resten des Kellermauerwerks der alten Sakristei und des alten Pfarrhauses von St. Peter errichtete Karl Band, der zu den wichtigsten Kölner Architekten des Wiederaufbaus zählt, einen schlichten, in Dimensionierung, Proportionierung und Materialwahl für Band typischen Bau, der ursprünglich der Pfarrbetreuung, als Küsterwohnung und der Klostergemeinschaft der Jesuiten diente.

Karl Band, seit 1930 Regierungsbaumeister, war in der Vorkriegszeit bereits mit einer Reihe von Kirchenneubauten und Instandsetzungsaufgaben betreut. Nach Kriegsende leistete er bei der intensiven Betreuung und "Notversorgung" vieler Kölner Kirchen wertvolle Wiederaufbauarbeit, bevor er mit eigenen Bauvorhaben (u.a. Gürzenich, Rathaus, Schnütgen-Museum, Kloster zur Heiligen Elisabeth und einer Reihe von Kirchenneubauten) das Bild der Kölner Nachkriegsarchitektur entscheidend mitprägte.

Das o.g. Objekt wurde gemeinsam mit dem "Seminar für Jugend- und Wohlfahrtspflege" (heute Verwaltungsgebäude des Generalsekretariats des Malteser-Hilfsdienstes) geplant und erbaut. Eine frühere Planung von 1957 sah an dieser Stelle noch ein Jesuiten-Kloster mit Nebenräumen vor, die dann jedoch zugunsten der o.g. Bebauung aufgegeben wurde.

Unter städtebaulichen Gesichtspunkten betrachtet, ist der markante Eckbau ein herausragendes Beispiel für das Kölner Bebauungskonzept der Nachkriegszeit, das für die bedeutenden Romanischen Kirchen eine inhaltlich und gestalterisch angepaßte Begleitbebauung vorsah. Karl Band gelingt mit der zurückhaltend gestalteten Umbauung von St. Cäcilien und St. Peter eine spannungsvolle Zusammenfassung mittelalterlicher und moderner Bauformen, die erst durch den Einsatz einfacher gestalterischer Mittel (Kontrast backsteinsichtiger Wandflächen mit gliedernden Sichtbetonelementen) und einer bewußten Bescheidung bezüglich der Dimensionierung funktioniert. Band arbeitet dabei unter strenger Berücksichtigung des ursprünglichen Stadtgrundrisses und orientiert sich an der ehemals vorhandenen Bebauung und "repariert" so den Stadtgrundriß.

So wird das Gesamtensemble wieder an das zu über 90 % zerstörte Griechenmarktviertel angegliedert, dessen zeitgenössischer Wiederaufbau ebenfalls zu den großen Aufbauleistungen der Kölner Nachkriegszeit gehört.

Drei Faktoren machen hier wesentlichen die Qualität der Bandschen Architektur aus:

1. der sensible Umgang mit den Baumaterialien, die, kontrastierend eingesetzt, Alt und Neu deutlich unterscheidbar machen

2. die schlichte Baukörpergliederung bezieht sich auf Funktionsabläufe im Inneren, die am Außenbau sichtbar werden (eingezogenes Treppenhaus, Kapelle)

3. die Komposition der Baukörper zueinander und zur bestehenden historischen Bebauung berücksichtigt überkommene Zusammenhänge, mildert so materialbedingte Brüche

Als integraler Bestandteil der frühen Kölner Wiederaufbauphase ist das o.g. Objekt ein unverzichtbares bauliches Dokument einer Zeit, in der man um eine Synthese von modernen Bauformen und historischen Strukturen bemüht war. Karl Band ist diese Synthese auf eine zeitlos schlichte Weise - hier zeigt sich die herausragende Qualität seiner Bauten - gelungen. Er weiß um die stadtbildprägende Funktion der historischen Bauten und Strukturen, die er zeitgemäß zu ergänzen versteht, wobei die im Zweiten Weltkrieg stark zerstörten Beziehungen wieder sicht- und erlebbar gemacht werden.

Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0