Wohnhaus

Thusneldastraße 31 · Deutz

Baudenkmalnummer DE_05315000_A_8211
Typ Gebäude-Denkmal
BezeichnungWohnhaus
Adresse Thusneldastraße 31, 50679 Köln
Baujahr1965
Architekt / PlanungEugen Weiler
Eigentumprivates Eigentum
Eingetragen seit 18.11.1997
Stadtteil Deutz

Erbaut 1965, Architekt Eugen Weiler; am Wendehammer der Thusneldastraße gelegen, traufseitige Eingangsfront zum Fußgängerverbindungsweg zwischen Thusnelda- und Totilastr. orientiert. Souterrain/ Kellergeschoß, zwei Geschosse, Dachgeschoß, höhenversetzte Geschosse, rechteckiger Grundriß, 3 Wohneinheiten.

Eingangsfront: glatte Putzfassade nach dem goldenen Schnitt aufgeteilt in linke schmalere Fassadenseite und breitere rechte Seite. Mittig der zweiteilige Hauseingang (original erhalten, Alurahmen mit Holztür und großem Fenster), dahinter ein schmales Treppenhaus das das Haus auf versetzten Ebenen auch innen in zwei Hälften teilt. Teilung an der Fassade durch das Regenfallrohr markiert, die Fenster zeigen die unterschiedlichen Ebenen nach außen an. Rechts im EG Fensterband aus niedrigen Fenstern (erneuert, Kunststoff), darüber zwei leicht hochrechteckige Fenster (ein F. alt, Holz; ein F. neu, Kunststoff), rechts im Satteldach verschieferte Gaube mit querrechteckigem Fenster (erneuert, Kunststoff) knapp über Traufe. Links im EG großes, dreigeteiltes Fenster (erneuert, Kunststoff, Aufteilung wahrscheinlich verändert) unmittelbar unter Balkonbodenplatte ansetzend, weit vorkragender Betonbalkon mit geraden, geschlossenen Seitenwänden, dreigeteiltes Balkonfenster (erneuert, Kunststoff).

Rückseite: Fassade glatt verputzt; analog der Vorderseite in linke schmalere und rechte breitere Seite geteilt, das Fallrohr bestimmt auch hier die Trennungslinie, links im EG großes 5-fach unterteiltes Terrassenfenster, darüber zweiflügeliges querrechteckiges Fenster und quergelagerte Gaube im Dach. Rechts im Souterrain zwei vergitterte Einflügelfenster, dazwischen Gartentür, im EG und OG jeweils ein Einflügel- und ein Zweiflügelfenster, die Fenster des OG knapp unter der Traufe ansetzend (Fenster teilweise erneuert, Kunststoff).

Nördliche Seite: zwei Garageneinfahrten, darüber je ein Fenster im EG und OG, beide bilden stark betontes, senkrechtes Fensterband, das links bündig mit linker Garage abschließt. Südliche Seite: Im EG und OG jeweils zwei leicht hochrechteckige Fenster, die rechten Fenster in Fassadenachse, unmittelbar über rechtem OG-Fenster kleiner Austrittbalkon mit seitlicher Betonbrüstung und vorne tiefgezogenem Gitter, die Balkontür reicht bis in die Giebelzone (alle Fenster erneuert, Kunststoff).

Innen original: Aufteilung der Wohnungen, Terrazzotreppe, schlichtes Metallgitter mit Kunststoffhandlauf, schmale, in Wandfläche eingeschnittene Wohnungszugänge (Holztüren), schmale Zimmertüren größtenteils original (Holz, z.T. mit Oberlicht), weiße Wandfliesen in Bädern, Toiletten und Küchen.

Die Kölner Nachkriegsarchitektur war zu Beginn der 50er Jahre zunächst auf die Versorgung der Bevölkerung mit Wohnraum ausgerichtet und beschäftigte sich daher fast ausschließlich mit dem Neubau oder der Wiederherstellung von Wohnsiedlungen und größeren Mehrfamilienhäusern. Architektonisch bedeutende Einfamilien- oder kleinere Mehrfamilienhäuser entstanden selten, einige Kölner Architekten bauten für sich selbst oder für wohlhabende private Auftraggeber Einfamilienhäuser, die die Auseinandersetzung mit der Moderne vor dem zweiten Weltkrieg und die Suche nach neuen, zeitgemäßen Ausdrucksformen im Wohnbau bezeugen. Der Stil der 50er Jahre setzt sich - gleichbedeutend neben neuen Impulsen der 60er - in der ersten Hälfte der 60er Jahre fort, es gibt in diesem Jahrzehnt relativ wenig neue Impulse und eine begrenzte Anzahl bedeutender Bauten in der Kölner Wohnarchitektur.

In dieser Situation entstand mitten in einem neu bebauten Gebiet in Deutz das Haus Thusneldastr. 31 als qualitätvolles Beispiel der Kölner Wohnhausarchitektur. Am Verbindungsweg zwischen Totila- und Thusneldastraße gelegen, fällt das Haus sofort durch seine klar gegliederte Architektur und besonders durch die betonte Fassadengliederung auf. Das Haus besteht aus einem glatt verputzen Kubus mit aufgesetztem, flachen Satteldach, alle Fassadenseiten wirken wie graphisch behandelte Flächen, die den Baukörper umgeben.

Jede Fassade wird durch die gerade eingeschnitten Fensteröffnungen rein funktional gestaltet: die Fenster sind mit verschiedenen - sehr bewußt gewählten - Formaten asymmetrisch über die Wand verteilt und bilden betonte klare Flächen und Linien. Vorder- und Rückseite sind nach den Regeln des Goldenen Schnittes mit Hilfe des Fallrohres in zwei Fassadenhälften geteilt. Besonders auffallend ist das Ansetzen der Fenster direkt unter der Traufe oder unterhalb der Balkone. Der ursprüngliche Entwurf des Architekten, die Gauben bündig mit der Wand hochzuziehen und so ein hochrechteckiges Fenster im Dachgeschoß einzubauen, wurde vom Bauaufsichtsamt abgelehnt. Die glatte Fassade mit den eingeschnittenen Fensterformen erinnert an die Architektur des `Neuen Bauens' der 20er Jahre und wurde z.B. Ende der 50er Jahre ähnlich von Ungers in Lindenthal (Werthmannstr. 19) an einem allerdings plastisch stark ausgeformten Wohnhaus verwirklicht.

Die besondere Qualität dieses Dreifamilienwohnhauses ist darüber hinaus in seiner Innengliederung zu sehen: Alle drei Wohnungen werden mit einem ausgeklügelten System über jeweils zwei Ebenen verteilt und bilden so - in Mietwohnungen selten anzutreffende - individuelle Wohnungen, die darüber hinaus entweder Zugang zum Garten oder aber einen großzügigen Balkon besitzen.

Das Objekt Thusneldastr. 31 ist daher aus künstlerisch-wissenschaftlichen Gründen wichtiges Beispiel der späten Kölner Nachkriegsarchitektur. Es bezeugt aber auch die Geschichte der Menschen in Köln und die Entwicklung der Wohnbebauung der Kölner Vororte.

Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0