Wohnhaus
Merheimer Straße 79 · Nippes
| Baudenkmalnummer | DE_05315000_A_8219 |
|---|---|
| Typ | Gebäude-Denkmal |
| Bezeichnung | Wohnhaus |
| Adresse | Merheimer Straße 79, 50733 Köln |
| Baujahr | um 1860 |
| Eigentum | privates Eigentum |
| Eingetragen seit | 05.12.1997 |
| Stadtteil | Nippes |
Erbaut um 1860, Fassadenüberformung um 1890, 3-geschossiges, 3-achsiges Wohnhaus mit Satteldach auf rechteckiger Grundfläche, Putzfassade mit Stuckgliederungen des Historismus.
Fassade: EG 1933 neu gestaltet: Ladeneinbau (Holz), schlichter erneuerter Putz, rechts Hauseingang mit erneuerter Tür. Im 1. und 2. OG Fugenschnittputz und über kräftigen Brüstungsgesimsen je drei Fenster(erneuert, Holz, alte Teilungen ohne Sprossen) mit Stuckrahmungen und im 1. OG mit renaissanceartigen Verdachungen, Traufgesims.
Rückseite: verputzt, 3 Achsen; im EG links Hoftür (erneuert), rechts Hoftür vom Laden (erneuert), Fenster teilweise Nachkriegserneuerungen mit alten Teilungen, teilweise Kunststoff (EG und 2. OG). Im Hof/Garten ein Schuppen, der anfangs als Pferdestall diente (Auskunft der Eigentümerin), später als Waschküche. Der dem Haus anschließende Hofbereich betoniert und zwischen Schuppen und Haus Überdachung eingefügt. Der hintere Bereich noch heute als Garten genutzt.
Innen original: im vorderen Flurbereich alte Bodenfliesen mit geometrischen Mustern erhalten, schlichte hellgelbe Wandfliesen und grüne Rahmen. Schmale Holztreppe mit gedrechseltem Holzgeländer und Antrittspfosten, im 1. OG zwei Schiebetüren mit Holzfüllungen erhalten, auf dem Dachboden zwei alte Türen erhalten, Holzdielenboden. Keller: nur der vordere Bereich des Hauses mit einem sehr tief liegenden Backsteinkeller mit gestampftem Boden und großer Backsteintonnenwölbung unterkellert.
Zum Denkmal gehörig ist auch der rückwärtige Garten mit dem Schuppen als ehemaliger kleiner Nutzgarten.
In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde aus dem 1888 nach Köln eingemeindeten ehemaligen Bauerndorf Nippes ein bedeutender Industriestandort mit rasch anwachsender Arbeiterbevölkerung. Noch heute prägen diesen Stadtteil im wesentlichen die vor der und um die Jahrhundertwende errichteten zwei- bis dreigeschossigen, meist dreiachsigen Häuser mit sparsamen Stuckfassaden und die etwas größeren, reicher stuckierten Bauten aus den ersten beiden Jahrzehnten unseres Jahrhunderts. Der westliche Bereich von Nippes wurde seit 1859/60 durch die Rheinische Eisenbahngesellschaft geprägt, die dort ihre zentrale Eisenbahnwerkstätte einrichtete und den Bereich westlich der Merheimer Str. mit Arbeiterhäusern bebaute. Die Merheimer Str., die bis 1890 Longericher Straße hieß, wurde zur Hauptverkehrsachse dieses Ortsteils "Sechzig".
Das o.g. Objekt ist Teil der Erstbebauung dieser Straße und erinnert mit einer Reihe weiterer, aus dieser Zeit in der Nachbarschaft erhaltener Bauten an die Entwicklung des Kölner Vorortes Nippes und damit auch an die Geschichte der Menschen in Nippes. Hier wird ganz besonders stark die enge Verknüpfung von Industrialisierung, Eisenbahnbau und Siedlungsgeschichte deutlich. Besonders wichtig an diesem Objekt ist seine Erhaltung in einem Straßenabschnitt zwischen Werkstatt Str. und Sechzigstr., der nach alten Karten zu den am frühesten besiedelten Bereichen der Merheimer Str. gehörte, dessen Erstbebauung heute jedoch bis auf wenige Reste zerstört ist.
Das hohe Alter der Bebauung ist auch an dem tief liegenden, backsteingewölbten Keller abzulesen, der nur einen Teil des Hauses unterfängt. Im Gegensatz zu einigen wenige Jahre später etwas weiter nördlich errichteten Dreifensterhäusern auf typisch schmalen Flurstücken, läßt die Breite dieses Hauses noch eine frühere, größere Parzellenbreite ablesen, die unter anderem auch praktische Gründe hatte, da man den Garten als Nutzgarten gebrauchte und dort häufig auch Tiere unterbrachte.
Die Stuckgliederungen der Fassade zeigen ganz typische Elemente des Fassadenschmuckes der 80er und 90er Jahre des 19. Jahrhunderts, als man die Fenster mit mehr oder weniger aufwendigen Rahmungen umgab, meistens das 1. OG besonders betonte und das Abnehmen der Geschoßhöhe von unten nach oben auch an der Fassade ablesbar war.
Die Eltern der heutigen Eigentümer haben nach deren Aussage 1902 das Haus von der Witwe Bober gekauft, Bober war 1890 im Adressbuch als Eigentümer des Hauses eingetragen, damals hatte das Haus noch die Adresse Longericher Str. 7.
Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0