Wohn- u. Geschäftshaus
Merheimer Straße 85 · Nippes
| Baudenkmalnummer | DE_05315000_A_8228 |
|---|---|
| Typ | Gebäude-Denkmal |
| Bezeichnung | Wohn- u. Geschäftshaus |
| Adresse | Merheimer Straße 85, 50733 Köln |
| Baujahr | um 1906 |
| Eigentum | privates Eigentum |
| Eingetragen seit | 22.12.1997 |
| Stadtteil | Nippes |
Erbaut um 1906, 4-geschossiges, 3-achsiges traufständiges Wohnhaus mit Mansarddach auf annähernd quadratischer Grundfläche, Putzfassade mit Stuckgliederungen des geometrischen Jugendstils.
Fassade: mittig angeordneter breiter Erker im 1. und 2. OG, im Dachbereich einen Balkon tragend und durch großen Giebel bekrönt. Im EG unter dem Erker Ladenlokal (Schaufenster, Holz, erhalten. Ladentür erneuert, Holz; Kellerluken im Sockel original erhalten), rechts Hauseingang mit originaler Haustür. Hochrechteckige Fenster alle original erhalten. Wandflächen teilweise mit Fugenschnittputz und die Brüstungsfelder der Fenster, das Traufgesims, die Balkonbrüstung und der Giebel aufwendig mit Jugendstilornamenten geschmückt. Die Fenster des Dachgeschosses in den verschieferten, abknickenden Bereich des Mansarddaches eingeschnitten.
Innen original: im Vestibül schlichter Terrazzoboden, guterhaltene mittelblaue Wandfliesen mit eingelegter Borde aus schmaleren, hochrechteckigen Fliesen mit Obst- und Blumendekor, reicher Stuck (Rosette, Kehlrahmung, Wandkassetten). Stuckierter Durchgangsbogen, Terrazzotreppe mit gedrechseltem Holzgeländer und hölzernem Antrittspfosten. Wohnungstüren erhalten, Kellertür erhalten, Hoftür erneuert.
In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde aus dem 1888 nach Köln eingemeindeten ehemaligen Bauerndorf Nippes ein bedeutender Industriestandort mit rasch anwachsender Arbeiterbevölkerung. Noch heute prägen diesen Stadtteil im wesentlichen die vor der und um die Jahrhundertwende errichteten zwei- bis dreigeschossigen, meist dreiachsigen Häuser mit sparsamen Stuckfassaden und die etwas größeren, reicher stuckierten Bauten aus den ersten beiden Jahrzehnten unseres Jahrhunderts. Der westliche Bereich von Nippes wurde seit 1859/60 durch die Rheinische Eisenbahngesellschaft geprägt, die dort ihre zentrale Eisenbahnwerkstätte einrichtete und den Bereich westlich der Merheimer Str. mit Arbeiterhäusern bebaute. Die Merheimer Str., die bis 1890 Longericher Straße hieß, wurde zur Hauptverkehrsachse dieses Ortsteils "Sechzig".
Das o.g. Objekt ist Teil der kurz nach der Jahrhundertwende errichteten Bebauung und erinnert mit einer Reihe weiterer, zum Teil auch noch älterer, in der Nachbarschaft erhaltenen Bauten, an die Entwicklung des Kölner Vorortes Nippes und damit auch an die Geschichte der Menschen in Nippes. Hier wird ganz besonders stark die enge Verknüpfung von Industrialisierung, Eisenbahnbau und Siedlungsgeschichte deutlich. Besonders wichtig an diesem Objekt ist seine Erhaltung in einem Straßenabschnitt zwischen Werkstatt Str. und Sechzigstr., der nach alten Karten zu den am frühesten besiedelten Bereichen der Merheimer Str. gehörte.
Die Parzelle war bereits vor der Jahrhundertwende gewerblich genutzt, die Adressbücher der 1880er Jahre geben eine Spezereihandlung an, später eine Molkerei. Während sich z. B. mit der Nr. 79 ein Beispiel der frühen Bebauung erhalten hat, wurden um 1905/06 diese Parzelle und auch die Eckparzelle zur Werkstattstraße neu bebaut.
Die Stuckgliederungen der Fassade zeigen typische Elemente des zu dieser Zeit beliebten geometrischen Jugendstils, der in diesem Straßenabschnitt auch an dem Eckhaus zur Werkstattstraße mit sehr reichen Formen auftaucht.
Während im nördlichen Bereich der Merheimer Straße bis zur Kempener Straße die Jahrhundertwende-Bebauung noch fast vollständig erhalten ist, haben Krieg und Nachkriegsabriß große Lücken in den hier besprochenen Straßenabschnitt gerissen. Daher ist die Erhaltung dieses Objektes von besonderer historischer und städtebaulicher Bedeutung.
Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0