Wohnhaus

Düsseldorfer Straße 27 · Mülheim

Baudenkmalnummer DE_05315000_A_8259
Typ Gebäude-Denkmal
BezeichnungWohnhaus
Adresse Düsseldorfer Straße 27, 51063 Köln
Baujahr1903
Eigentumprivates Eigentum
Eingetragen seit 08.01.1998
Stadtteil Mülheim

1903 erbaut für Julius Leverkus; freistehende, zweigeschossige Villa im Stil des Historismus, reich gegliederter Werksteinbau mit Krüppelwalmdach, Risalite zur Garten- und Rheinseite; Tür- und Fensteröffnungen mit profilierten Werksteinrahmungen, die Fensteröffnungen im EG meist segmentbogig, im OG auch hochrechteckig, Fenster und Rolläden größtenteils erneuert, Kellerfenster original vergittert, jeweils 1 geschweiftes, verschiefertes Dachhäuschen auf jeder Hausseite.

Eingangsfront: rechts Risalit mit 3 Achsen, in linker Achse Eingang mit originaler Tür oberhalb liegendem, originalem Fenster, Freitreppe mit Steinstufen und Terrazzoboden sowie Holzvorbau mit Schnitzereien und Schieferdach, mittig kleines und größeres, segmentbogiges EG-Fenster (nachträglich vergittert); im OG 3 Fenster, mittleres durch Verdachung betont, oberhalb Gesims mit 2 kartuschenartigen Konsolen; Krüppelgiebel durch Profile in 3 Bereiche untergliedert, seitlich jeweils ein kleiner Occulus, mittig 2 gekuppelte Rechteckfenster mit Sohlbankgesims und verzierter Brüstung; links in einer Achse Kellerfenster, darüber EG- und OG-Fenster sowie Dachhäuschen.

südliche Seitenfront: rechts Giebelwand mit 2 Achsen, jeweils 1 Kellerfenster, darüber in der rechten Achse 1 EG- und OG-Fenster, in der linken jeweils 2 Fenster; links Traufseite des rheinseitigen Risalits, im EG Standerker mit abgeschrägten Ecken, Terrassentür und je Seite 1 Fenster, darüber leicht vorkragender Balkon mit Tür (Balkonbrüstung erneuert), nahe der rheinseitigen Wandecke schmales EG- und OG-Fenster; seitlich neben Dachhäuschen 2 rechteckige Dachgauben nachträglich angebracht.

Rheinfassade: rechts Giebelwand mit Kellerfenster, großem EG- und OG-Fenster, Spitzgiebel ähnlich unterteilt wie gartenseitiger Giebel, hier nur ein breiteres Fenster und in der vertikal unterteilten Giebelspitze sonnenstrahlenförmige Steinmetzarbeit; links großes EG-Fenster, im OG 2 gekuppelte und 1 einzelnes Fenster.

nördliche Seitenfront: links Giebelwand mit 3 Achsen, in linker Achse Türöffnung und darüber Fenster (Tür und Fenstergitter original); Mittelachse leicht nach links verschoben, in ihr großes Kellerfenster, darüber 2 EG-Fenster (nachträglich vergittert) und 2 OG-Fenster; rechts turmartiger, zweigeschossiger Treppenhausvorbau mit Zinnenabschluß und 1 steinernem Wasserspeier, im EG Türöffnung und kleines, oberlichtartiges Fenster, darüber großes Fenster und Balkontür (EG-Tür und Gitter des kleinen Fensters original); im Krüppelgiebel mittig 3 kleine Rechteckfenster, Ortgang mit Schnitzereien; rechts größtenteils geschlossene Wandfläche mit 1 Kellerfenster, Kaminvorbau und im EG abgeschrägter Ekke mit Fensteröffnung und profiliertem Zwickel (vorgesetzter Schuppen nachträglich).

Innen original: Boden: im Eingangsflur ebenso die halbhohe Wandverkleidung aus Marmor (zum Teil erneuert), im Treppenhaus Terrazzoboden, im Erker Fliesen, ansonsten Holzriemen, zum Teil in Fischgrätmuster (zum Teil erneuert); Decke: Tonnengewölbe mit Stuckaturen im Eingangsbereich, 3 EG-Zimmer und das Treppenhaus mit Stuckdecken, das nordwestliche EG-Zimmer mit Holzkassettendecke (1 EG-Zimmer mit abgehängter Decke), im OG abgehängte Decken; Türen und Fensterrollläden im EG erneuert; Verkleidung der Heizkörper im EG und OG; Treppe bis EG mit Terrazzostufen, dann aus Holz, Holzgeländer mit gedrechselten Stäben, hölzernem Handlauf und Antrittspfosten auf quadratischer Grundfläche.

Umbauten: Küche und Bäder umgebaut, Verbindungstreppe zwischen EG und OG in mittige Diele eingebaut und dafür südliche Dielenwand versetzt, Treppenhaustür im OG vergittert, 4 Türöffnungen zugesetzt, das nordwestliche OG-Zimmer nachträglich unterteilt, im OG östlicher Dielenteil abgetrennt und mit Einbauschränken versehen, Dachgeschoß umgebaut.

Garten: Rasenfläche, alter Baumbestand (Kastanien, 1 Blutbuche und 2 Eiben) und originale Stützmauer (heutige Parzellengrenze zum straßenseitig ausparzellierten Grundstück Nr. 27a), Terrasse zum Rhein (neu gekiest), gartenseitige Terrassenmauer mit mittiger, beidseitig ausschwingender Freitreppe, rheinseitige Stützmauer ebenfalls original (oberer Abschluß und Türöffnung zum Rhein erneuert); Gartenwege und Zufahrt erneuert, Garteneinfriedung im Norden und Osten nachträglich.

Nicht Bestandteil des Denkmals ist der Schuppen auf der Nordseite des Hauses samt des zugehörigen Gartentores.

Das Haus ist bedeutend für die Geschichte der Menschen in Mülheim, da es den Ausbauprozeß dieser bis 1914 selbständigen Stadt dokumentiert. Aufgrund der günstigen Verkehrslage (Rheinhafen, Straßen- und Eisenbahnknotenpunkt) und der historisch-politischen Gegebenheiten (Tradition der religiösen Freiheit) entwickelte sich Mülheim im 19. Jh. aus einer gewerblichen Ansiedlung zu einer Industriestadt (Waggonfabrik Zypen & Charlier 1846, Bleiweißfabrik Lindgens & Söhne 1851, Walzwerk Böcking & Cie 1872, Drahtseilerei Felten & Guilleaume 1874). Als Folge dieser Industrialisierung erlebte Mülheim einen wirtschaftlichen Aufschwung mit Bevölkerungszuwachs, der zur raschen Bebauung des bis dahin freien Geländes entlang der Ausfallstraßen und in der Nähe der neuen Industrieanlagen führte.

An der im 18. Jahrhundert ausgebauten Chaussee nach Norden (Düsseldorfer Straße) errichteten im Zuge der Industrialisierung Mülheims die Fabrikantenfamilien Andreae, Charlier, Böcking, Greeven u. a. ihre großzügigen Wohnhäuser. Die am Rheinufer stehenden Villen waren mit großen Gärten ausgestattet, die ehemals von der Straße bis zum Uferweg reichten.

Letzte Zeugnisse dieser großbürgerlichen Bebauung sind neben dem im ehemaligen Eingangsbereich eines großzügigen Parks gelegenen Pförtnerhaus Düsseldorfer Str. 13 die beiden benachbarten Villen Düsseldorfer Str. 27 und 29. Beide Wohnhäuser knüpfen mit ihren zinnenbekrönten Türmen an die im 19. Jahrhundert beliebte Rheinburgen-Romantik an. Dementsprechend ist das Haus Düsseldorfer Str. 27 auch als aufwendiger Werksteinbau ausgeführt. Das Quadermauerwerk mit farblich hervorgehobener Eckgestaltung, die profilierten Werksteinrahmungen der Tür- und Fensteröffnungen und die additive Baumasse mit vielgestaltiger Dachlandschaft erinnern allgemein an mittelalterliche Architektur. Die durch Profile unterteilten Giebel sind an der oberrheinischen Romanik orientiert, während die Brüstungsfelder mit Rosetten an die deutsche Renaissance angelehnt sind. Auch im Inneren werden verschiedene Architektustile zitiert, so erinnern die Decken an Romanik (Tonnengewölbe), Renaissance und Barock (Stuckdecken).

Die vielgestaltige äußere Form des Hauses, die wenig Wert auf Symmetrie legt, verrät auch den Einfluß des zur Erbauungszeit populären Jugendstils. Dieser tritt noch deutlicher hervor bei Details wie den geschwungenen Brüstungsmauern der Freitreppen oder bei einzelnen Türbeschlägen im EG. Generell ist festzustellen, daß entsprechend dem hohen Anspruch des Bauherrn die Ausführung der Detailformen (Steinmetzarbeiten, Schmiedearbeiten etc.) ein hohes künstlerisches Niveau aufweisen.

Neben der architekturgeschichtlichen Bedeutung und dem künstlerischen Wert stellt das Haus als Wohnsitz von Julius Leverkus auch ein wichtiges sozialhistorisches Zeugnis dar, ist es doch mit dem Nachbarhaus Nr. 29 die letzte Fabrikanten-Villa mit Rheinblick in Mülheim, denen auf der anderen Straßenseite die Wohnhäuser des Mittelstands (Nr. 2-10, 18, 20, 28, 44-46, 54-60 und Münsterer Straße) gegenüberstanden, während die Mietshäuser der Arbeiter in der Nähe der damaligen Fabriken lagen.

Aus den oben genannten Gründen ist das Haus unbedingt zu erhalten.

Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0