Wohnhaus

Guilleaumestraße 23 · Buchheim

Baudenkmalnummer DE_05315000_A_8289
Typ Gebäude-Denkmal
BezeichnungWohnhaus
Adresse Guilleaumestraße 23, 51065 Köln
Baujahr1925 bis 1926
Eigentumprivates Eigentum
Eingetragen seit 02.03.1998
Stadtteil Buchheim

1925/26 erbaut; Doppelhaushälfte, traufständig; zwei Geschosse, ausgebautes Satteldach mit zwei querrechteckigen Gauben, Dachdeckung mit Muldenfalzziegeln, Schornsteine aus Backstein mit Abschlußlagen in Zahnschnittverband; traufseitig zwei Achsen; Putzfassaden mit Backsteingliederungen im Stil des Expressionismus (Sockel, Blendfelder, Fensterrahmungen, -stürze und -sohlbänke, Gesimse), traufseitiges Dachgesims mit Stuckfries; im Erdgeschoß nischenartig abgeschrägte Gebäudeecke; Giebelseite mit gestuftem und geschwungenem Ziergiebel (ursprünglich mit bekrönendem Werksteinabschluß), axialsymmetrische Gestaltung mit mittlerem, gerundet vortretenden Backsteinerker im Obergeschoß, originales bekrönendes Wetterfähnchen; hochrechteckiger Hauseingang über zwei Backsteinstufen mit originaler Haustür, im Blendfeld daneben schlitzartiges schmales Fensterchen mit originalem Ziergitter, in Ober- und Dachgeschoß runde bzw. dreieckige Fensterchen, sonstige Fensteröffnungen hochrechteckig bzw. querrechteckig bei Oberlichtern und Gauben, alle Fenster original, zumeist mit Sprossenteilungen, Klappläden, Kellerfenster mit originalen Ziergittern.

Rückseite: Zwei Achsen, rechte Achse vortretend; Terrasse in ganzer Fassadenbreite mit neuerer Brüstungsmauer (ursprünglich mit Geländer) und Treppenstufen aus Backstein, teilweise originaler Belag aus sechseckigen roten Tonfliesen, Reste des originalen Treppengeländers, originale Ziergitter der Kellerfenster; Kellerabgang mit originalem Geländer, im Obergeschoß in linker Achse Balkon mit originalem Geländer; neuere Terrassen- und Balkonüberdachungen; in der linken Achse eine querrechteckige Gaube; Putzfassade mit Backsteingliederungen; hochrechteckige Fenster- und Türöffnungen, Fenster und Türen weitgehend original mit Sprossenteilungen, in der rechten Achse erneuert (Holz bzw. Kunststoff).

Im Inneren original: Grundrißgestaltung; Zimmertüren, Kellertür, im Obergeschoß neuere Etagenabschlußtür, Dielenböden, Holzfußleisten; im Eingangsbereich Bodenbelag aus sechseckigen roten Tonfliesen, Treppenstufen aus Holz und Holzverkleidung des Wandsockels; Kellertreppe aus Holz mit hölzernem Handlauf an der Wand; im Treppenhaus hölzerne Treppe mit Holzgeländer aus gesägten Balustern und am Antritt schneckenförmig gerolltem Handlauf, Wandschränke; in der Diele hölzerne Eckbank und Tisch mit gesägtem Fuß entsprechend der Geländerbaluster.

Zurückgesetzt im Winkel an die Giebelseite des Hauses angrenzender zweigeschossiger Anbau, traufständig mit Satteldach; Erdgeschoß 1925/26 erbaut, Straßenseite backsteinsichtig, durch Pfeilervorlagen dreigeteilt, abschließendes Putzgesims, links Toröffnung mit späterem Garagentor aus Holz, rechtekkige Tür- und Fensteröffnungen, Haustür original, spätere Holzfenster (rechts ursprünglich großflächige Sprossenverglasung); Obergeschoß mit Putzfassade Ende der 1920er Jahre erbaut, querrechteckige Fensteröffnungen hinter Balkon mit Brüstungsmauer (ursprünglich vermutlich Brüstungsgeländer); rückwärtiger Gebäudeteil flach gedeckt, Fassaden verputzt; rechteckige Fensteröffnungen mit späteren Fenstern; im Inneren original: Holztreppe mit einfachem Stabgeländer und Holzhandlauf, Oberlicht mit Buntverglasung über der Treppe, Türen.

Bestandteil des Denkmals ist auch die straßenseitige Einfriedungsmauer aus Backstein.

Die bis in fränkische Zeit zurück reichende Vergangenheit des Ortes Buchheim ist heute noch mit der ehemaligen Wasserburg Herl und der Herler Mühle zu fassen. Die im Mittelalter greifbare Bedeutung des Ortes ging unter der Herrschaft der Herzöge von Berg zurück. 1815 - 1914 lag Buchheim als Teil der Bürgermeisterei Merheim im Landkreis Mülheim und fiel 1914 durch Eingemeindung an die Stadt Köln. Der heutige alte Ortskern Buchheims wird geprägt von gründerzeitlichen Wohnbauten des 19. Jahrhunderts an der Alten Wipperfürther Straße sowie der Kirche und dem Schulgebäude, die aus derselben Zeit stammen. Den Charakter Buchheims als Arbeiterwohnvorort kennzeichnen die angrenzenden Mietwohnblöcke der 1920er Jahre an der Caumannsstraße. Die Guilleaumestraße läuft parallel zur Alten Wipperfürther Straße am Rande des Ortskerns auf die Caumannsstraße zu. Dort mündet sie in eine kleine baumbestandene Platzanlage gegenüber der Kirche. Das Doppelhaus Guilleaumestr. 23 - 25 ist mit der Front der Nr. 25 auf diesen Platz hin ausgerichtet. Aufgrund seiner durch den Platz und den leicht abknickenden Straßenverlauf freigestellten Lage tritt der Baukörper im Verhältnis zur anschließenden Reihenbebauung deutlich hervor und setzt einen wichtigen städtebaulichen Akzent.

Das Mitte der 1920er Jahre errichtete Gebäude zeichnet sich durch einen für die Erbauungszeit typischen Baustil mit expressionistischen Elementen aus, die auf die Backsteingliederungen konzentriert sind. Zu geometrischen Ornamenten versetzte Steine gestalten z. B. die Blendfelder auf der Giebelseite oder die Fensterbrüstungen der Traufseite. Eigenwillige Formgebung charakterisiert das gesamte Gebäude, dessen Details wie beispielsweise die runden und dreieckigen Fenster oder die spitzen Bekrönungen über den Fensterstürzen durch den Kontrast zwischen dem Backstein und den helleren Putzflächen besonders auffällig in Erscheinung treten. Eindrucksvoll stellt sich die Giebelseite mit dem zenralen Erker dar. Ihre aufwendig gestufte und geschwungene Giebelkontur, ursprünglich abgeschlossen durch eine dreiarmig aufragende Bekrönung, hebt die städtebaulich markante Lage des Gebäudes an der hier leicht abknickenden Guilleaumestraße repräsentativ hervor. Die spezielle örtliche Situation wurde hier geschickt zu einer individuellen architektonischen Lösung für die Gebäudeekke genutzt. Während durch Abschrägung der Ecke im Erdgeschoß der stumpfe Winkel um Straßenverlauf Berücksichtigung findet, tritt im Obergeschoß über einer Ausnischung die Ecke prägnant hervor. Bezeichnend für die unkonventionelle architektonische Auffassung ist auch das mit expressionistisch anmutender Stuckornamentik gestaltete Traufgesims, das ungewöhnlich breit gebildet ist und unmittelbar oberhalb der Fensteröffnungen schräg vorkragend die Fassade abschließt.

Zugehörig zum o. g. Haus Guilleaumestr. 23 war von Beginn an ein zunächst eingeschossiger seitlicher Anbau, der als Büro des Bauherrn und Bücherrevisors Theodor Horn genutzt wurde und auch eine Garage enthält. Wenige Jahre nach Fertigstellung wurde in den ausgehenden 1920er Jahren dieser Gebäudeteil um ein weiteres Geschoß aufgestockt und rückseitig erweitert. Dort befand sich eine Papierwaren- und Tütenfabrik.

Das o. g. Gebäude ist weitgehend unverändert erhalten geblieben und weist noch in erheblichem Umfang die Ausstattungsdetails aus der Bauzeit auf. Im Inneren ist hier z. B. auf die einheitliche Ausgestaltung des Dielen- und Treppenraumes hinzuweisen. Das Doppelhaus Guilleaumestr. 23 - 25 besitzt über seine städtebauliche Bedeutung hinaus als qualiltätvolles Zeugnis der Architektur der 1920er Jahre, die in Buchheim nur gering vertreten ist, besonderen orts- und kunsthistorischen Wert und ist deshalb als Baudenkmal unbedingt zu erhalten.

Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0