Wohnhaus
Riehler Gürtel 39 · Riehl
| Baudenkmalnummer | DE_05315000_A_8314 |
|---|---|
| Typ | Gebäude-Denkmal |
| Bezeichnung | Wohnhaus |
| Adresse | Riehler Gürtel 39, 50735 Köln |
| Baujahr | 1928 |
| Eigentum | privates Eigentum |
| Eingetragen seit | 18.05.1998 |
| Stadtteil | Riehl |
Erbaut 1928 (inschr. datiert Nr. 43), Architekt: Ernst Scheidt, Eckgebäude zur Xantener Straße, östliches Gebäude eines zweiteiligen Gruppenbaus, Bestandteil einer vierteiligen, annähernd symmetrischen freistehenden Gebäudegruppe, auf unregelmäßig rechteckiger Grundfläche mit Vorbauten.
Fassade: 3 Geschosse, Walmdach (einheitliches Dach der Gebäudegruppe), 7:3 Achsen, Backsteinfassaden mit Gliederungen im rheinischen Tuffstein in expressionistischen Formen, das 2. Obergeschoß im rechten Gebäudeabschnitt staffelgeschoßartig zurückgesetzt mit vorgelagerter Terrasse, Brüstung in Backstein, Treppenhausrisalit auf kreissegmentförmiger Grundfläche, Eingang links im Treppenhausrisalit, zweistufige Treppe, Podest in Backstein, waagrechte Wetterplatte auf Backsteinstütze, profilierte Kante in Tuffstein, scharriert, Eingang mit geradem oberen Abschluß, originale Haustür in Holz mit dekorativen Glas, originales vertikales Fensterband, Fenster mit geradem oberen Abschluß, alle straßenseitigen Fenster erneuert, Holz, Mittelteilung, Oberlicht.
Ostfassade (zur Xantener Straße): Backstein, 3 Achsen, in der Mittelachse Loggien in allen Geschossen, Brüstungen in Backstein, in den Obergeschossen Mittelbetonung durch geöffnete Loggiabrüstung mit Einschluß geschmiedeter Stahlgitter, Schmuckkeilstein, Öffnungen der Stirnseite mit geradem oberen Abschluß, alle Fenster, Loggiatüren mit flankierenden Fenstern erneuert (Holz, Mittelteilung, Oberlicht), Betonung der Außenachsen durch Öffnungen, deren Einfassung über Eck mit den Hauptfassaden zusammengefaßt erscheinen.
Rückseite: Backstein, 4 Achsen, rechts Loggiaausbauten, Brüstung in Backstein, Erdgeschoßloggia nachträglich geschlossen, nachträglich angefügter Austritt als Metall-/Holzkonstruktion, Wendeltreppe in Metall zum Garten, Öffnungen mit geradem oberen Abschluß, alle rückwärtigen Fenster und Loggiatüren erneuert (Holz, Mittelteilung, Oberlicht), beide Loggien des 1. Obergeschosses mit erneuerten Bodenfliesen, rot.
Im Inneren: Vestibül: Natursteinbodenplatten, vierstufige Treppe mit Natursteinplatten verblendet, Wandverblendung durch Natursteinplatten.
Treppenhaus: Terrazzotreppe, geschmiedetes Stahlgeländer mit Horizontalsprossen, Handlauf in Holz, Podeste und Zwischenpodeste mit Terrazzobodenbelag, Treppenhausfensterband original in Holz, originale Wohnungseingangstüren in Holz mit Oberlicht.
In den Wohnungen:
Erdgeschoß: Diele und Wohnräume mit Parkettboden, z. T. Böden in Estrich, originale Türen (z. T. verglast) und Gewände, Zweiflügeltür, verglast mit Horizontalsprossenteilung, in den straßenseitigen Wohnräumen links Deckenstuckprofile (korrespondieren mit der Profilierung der Türgewände), Stuckkehlen, vierteiliges Oberlicht von der Küche zum Flur, Holz, Sprossenteilung, z. T. originale Heizkörperverkleidungen in Holz.
1. Obergeschoß: Diele und Wohnräume mit Parkettboden, z. T. Böden in Estrich, originale Türen (z. T. verglast) und Gewände, Zweiflügeltür, verglast mit Horizontalsprossenteilung, in den straßenseitigen Wohnräumen links Deckenstuckprofile (korrespondieren mit der Profilierung der Türgewände), Stuckkehlen, in einem straßenseitigen Wohnraum rechts Deckenstuckprofile, vierteiliges Oberlicht von der Küche zum Flur, Holz, Sprossenteilung, Küche mit originalen Bodenfliesen schwarz/weiß, originale Wandfliesen (z. T. erneuert), originale Boden- und Wandfliesen im Bad, z. T. originale Heizkörperverkleidungen in Holz.
2. Obergeschoß: Diele und Wohnräume mit Parkettboden, z. T. Böden in Steinholz, originale Türen (z. T. verglast) und Gewände, in den straßenseitigen Wohnräumen links Deckenstuckprofile (korrespondieren mit der Profilierung der Türgewände), Stuckkehlen, in einem straßenseitigen Wohnraum rechts Deckenstuckprofile, vierteiliges Oberlicht von der Küche zum Flur, Holz, Sprossenteilung, z. T. originale Heizkörperverkleidungen in Holz.
Der straßenseitigen Ziergarten mit kniehoher Einfriedungsmauer in Backstein, Mauerpfeiler in Backstein, Hecke sowie der rückwärtige Ziergartenbereich sind Bestandteil des Denkmals.
Politisch war Riehl im 19. Jahrhundert ein Teil der Bürgermeisterei Longerich und wurde 1888 nach Köln eingemeindet. In der Mitte des 19. Jahrhunderts hatte sich mit der Anlage des Zoos 1859/60 und der Flora 1862/64 das damalige Kölner Vergnügungsviertel "Goldene Ecke" entwickelt. Die ältesten erhaltenen Wohnbauten Riehls an der Hittorf-, Stammheimer- und Boltensternstraße stammen aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde im südlichen Teil Riehls der Botanische Garten angelegt, um dieses Grüngebiet entstand in den 20er Jahren ein vornehmes Wohnviertel mit Villenbebauung. Die städtische Wohnungsbaugesellschaft GAG bebaute gleichzeitig die Freiflächen an Barbara- und Boltensternstraße mit großen Mietblöcken (Naumannviertel). Als jüngster Wohnbereich Riehls wurde in der Nachkriegszeit das Gelände zwischen Zoologischem Garten und Rhein erschlososen. Die Stammheimer Straße mit ihren ältesten Bauten im nördlichen Abschnitt, den späten Gründerzeitbauten und den repräsentativen Eingängen zum Botanischen Garten, zur Flora und zum Zoologischen Garten in ihrem südlichen Teil, veranschaulicht die städtebauliche Entwicklung des Vorortes Riehl.
Das Bauensemble zeigt charakteristischen Merkmale des gehobenen Mietwohnbaus mit Anklängen an expressionistische Siedlungsbauten in Backstein. Das Gebäude Riehler Gürtel 39 ist ein markantes Beispiel für die hohen Ansprüchen genügende Baukultur repräsentativer Reihenbauten im dritten Jahrzehnt unseres Jahrhunderts. Es wurde in Einheit mit den Nachbargebäuden (Nrn. 41 - 45) errichtet; alle vier Gebäude weisen eine gleichförmige, annähernd symmetrische Behandlung der Fassaden mit Betonung der risalitartigen Gebäudeabschlüsse, der Treppenhausrisalite und der Eingangsbereiche auf. Das Gebäude Nr. 39 bildet im Kreuzungsbereich zur Xantener Straße mit breitgelagerter Stirnseite und dem geschwungenen Verlauf der Seitenstraße folgendem versetzten Baukörper einen signifikanten, die Eckbebauung betonenden Blickfang. Die künstlerische Gestaltung weist individuelle Details einer traditionellen Moderne und einer malerisch bewegten Architektursprache mit zeittypischen Baumerkmalen in expressionistischen Formen (Verbindung von Plastik und Relief) auf. Die optisch in der Horizontalen betonten Gebäude zeigten dekorative und repräsentative Formen (Eingangsvorbauten, Horizontalschichtung in Backstein, profilierte Gesimse in scharriertem Tuffstein), die gestaltbildend ineinandergreifen und sich dem Vorrang der Architektur in der Gestaltung unterordnen (Schmuckformen: einheitliche Komposition der beiden Doppelbauten, horizontale Zusammenfassung der Geschosse, Treppenhausrisalite auf kreissegmentförmiger Grundfläche bis in das Dachgeschoß, vertikales Fensterband, dekorative Gestaltung des Traufgesimses durch reiche Profilierung, am Risalit gekröpft).
Die Dachlandschaft faßt die einheitlich behandelten Fassaden zusammen. Wesentlicher Bestandteil des Erscheinungsbildes ist der eingefriedete Vorgarten und der rückwärtige Gartenbereich.
Die Gesamtanlage fügt sich harmonisch in die gehobene Wohnhausarchitektur des Straßenzuges, dessen reich dekorierte Baukörper mit Risaliten, Erkern, Balkonen und Ziergiebeln in historisierenden und zeitgemäß modernen Formen und Varianten des Jugendstils dem Wohnviertel sein charakteristisches Gepräge geben. Aufgrund der weitgehenden Erhaltung des Originalzustandes, des Vestibüls und des Treppenhauses, der Interieurs und der Fassaden, die individuell gestaltet, moderne Architekturformen zeigen, ist das Gebäude für das Erscheinungsbild des Riehler Gürtels und als Dokument des Sozialstatus der bürgerlichen Bauherrenschaft im dritten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts von hoher Bedeutung.
Die Gebäude stellen ein ausgesprochen markantes Beispiel für die Siedlungsarchitektur der 20er Jahre in Formen des Expressionismus dar. Die einmalige Planung und die einheitliche Konzeption aller Teile, die durch eine variantenreiche plastische Gliederung der Schauseiten und der großzügig dimensionierten Rückseiten mit Loggien erriecht wird, zeugt von hoher architektonischer Qualität. Die hochwertige Ornamentik, die sich an allen Einheiten wiederholt, gibt dem Gebäudensemble eine signifikante Bedeutung. Die städtebauliche Bedeutung der Zeile wird darüber hinaus durch die aufgelockerte Großform (Vor- und Rücksprünge, Portalvorbauten, Platzsituation an der Kreuzung) gewonnen und beruht in Einheit mit der in expressionistischen Architekturformen errichteten Siedlung am Riehler Gürtel (66 - 72/Esenbeckstr. 1/Brehmstr. 1) und den Gruppenbauten Xantener Str. 133 - 139 von Ernst Scheidt aus den Jahren 1928/29 auf der Funktion der Gebäude als Blickpunkt entlang der hier aufeinandertreffenden Straßenachsen.
Das Bauwerk Riehler Gürtel 39 ist sowohl aufgrund seiner herausragenden städtebaulichen Bedeutung und der hochwertigen Gestaltung der Aufrisse, als auch bezüglich der Erhaltung wesentlicher Teile der wertvollen Originalsubstanz der Eingangsbereiche, Treppenhäuser und Wohnungen als Dokument der Siedlungsarchitektur der Zwischenkriegszeit und als bedeutendes Denkmal der Baukunst unbedingt zu erhalten.
Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0