Wohnhaus

Xantener Straße 147 · Riehl

Baudenkmalnummer DE_05315000_A_7966
Typ Gebäude-Denkmal
BezeichnungWohnhaus
Adresse Xantener Straße 147, 50735 Köln
Baujahr1927 bis 1928
Eigentumprivates Eigentum
Eingetragen seit 17.09.1996
Stadtteil Riehl

Erbaut 1927/28, mittleres Gebäude einer freistehenden, annähernd symmetrisch gestalteten dreiteiligen Gebäudegruppe; Architekt Ernst Scheidt, Bauherr: Kölnische Bauaktien Gesellschaft; auf rechteckiger Grundfläche mit Vorbauten.

Fassade: 2 Geschosse, ausgebautes Dachgeschoß, Walmdach mit Fuß, Dachgaupen, weit vorkragende Dachkante, Unterseite in Putz mit Profilierung (einheitliches Dach des Doppelbaus), 2 Achsen, Backsteinfassade, Gliederungen in rheinischem Tuffstein und Backstein in expressionistischen Formen, Eingang mit geradem oberen Abschluß in der linken Achse, fünfstufige Treppe, Eingangspodest mit kniehoher verputzter Mauer, Haustür in Holz (transloziert von einem benachbarten Gebäude), originales Oberlicht mit Sprossenteilung und Einschluß einer Laterne, Fenster mit geradem oberen Abschluß, im Erdgeschoß rechts Fenstertür in Holz erneuert, Sprossenteilung, originales geschmiedetes Gitter in Stahl, Obergeschoßfenster erneuert in Kunststoff, nachträglicher Kellerzugang rechts, Holztür.

Rückseite: 2 Achsen, Backstein, im Erdgeschoß vorgelagerte Terrasse auf Souterrainausbau, Brüstung in Backstein, 12-stufiger Gartentreppe, Bodenbelag der Terrasse und Treppe erneuert (Fliesen), gestufte und gerundete Brüstung in Backstein, Sichtschutzmauern in Backstein, z.T. verputzt, links mit nachträglich aufgesetzten Glasbausteinen, rechts mit Sichtschutz in Metall/Glas, Metall-/Wellblechverdachung nachträglich angefügt, Fenster und Türen mit geradem oberen Abschluß, links dreiteilige Terrassentür in Holz, rechts zweiteilige Küchentür in Holz, flankierendes Fenster in Holz, Obergeschoßfenster erneuert in Kunststoff, zweiteilige Gartentür im Souterrain erneuert (aufgesetzte Sprossen).

Im Inneren: Eingangsbereich und Garderobe mit originalen Natursteinbodenplatten, Rundbogendurchgang zur Diele, in der Diele originaler Parkettboden, originale Holztreppe, dekorativer Antrittspfosten, horizontale Stäbe, weitere Holztreppe von der Obergeschoßdiele zum Dachgeschoß, Holzhandlauf in der Wand verankert, Obergeschoßdiele mit erneuertem Parkettboden, weitere Holztreppe zum Dachgeschoß original.

In den Wohnräumen: in den Wohnräumen originaler Parkettboden, in der Küche originaler Fliesenboden schwarz/weiß, im Obergeschoß Böden erneuert (Beton/Teppichboden), im Dachgeschoß originale Holzdielenböden (unter Belag), Türen und Gewände original erhalten, eine zweiflügelige, die Wohnräume verbindende Tür, weitgehend verglast, Sprossenteilung, im Erdgeschoß originale Deckenstuckprofile in den Wohnräumen, im Obergeschoß ein Raum mit Deckenstuckprofilen, im Obergeschoß breites sprossengeteiltes Oberlicht in Holz zwischen Diele und Badezimmer erneuert, im Dachgeschoß Grundriß z.T. verändert, originale Türen und Gewände, alle Fenster erneuert.

Der straßenseitige Ziergarten (einheitliche Einfriedung der gesamten Anlage Xantener Straße 145-149) mit hüfthoher Einfriedungsmauer in Backstein, Mauerpfeilern und aufgesetztem geschmiedeten Stahlgitter, originalem Gartentor, sowie der rückwärtige Ziergarten mit Backsteinmauer nach Osten, sind Bestandteil des Denkmals.

Politisch war Riehl im 19. Jahrhundert ein Teil der Bürgermeisterei Longerich und wurde 1888 nach Köln eingemeindet. In der Mitte des 19. Jahrhunderts hatte sich mit der Anlage des Zoos 1859/60 und der Flora 1862/64 das damalige Kölner Vergnügungsviertel "Goldene Ecke" entwickelt. Die ältesten erhaltenen Wohnbauten Riehls an der Hittorf-, Stammheimer- und Boltensternstraße stammen aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde im südlichen Teil Riehls der Botanische Garten angelegt, um dieses Grüngebiet entstand seit den 20er Jahren das vornehme Wohnviertel mit Villenbebauung Am Botanischen Garten. Die städtische Wohnungsbaugesellschaft GAG bebaute gleichzeitig die Freiflächen an Barbara- und Boltensternstraße mit großen Mietblöcken (Naumannviertel). Als jüngster Wohnbereich Riehls wurde in der Nachkriegszeit das Gelände zwischen Zoologischem Garten und Rhein erschlossen. Die Stammheimer Straße mit ihren ältesten Bauten im nördlichen Abschnitt, den späten Gründerzeitbauten und den repräsentativen Eingängen zum Botanischen Garten, zur Flora und zum Zoologischen Garten in ihrem südlichen Teil, veranschaulicht die städtebauliche Entwicklung des Vortortes Riehl.

An die Mietwohnobjekte mit Vorgärten an der Stammheimer Straße schließen sich die durch Gartengrün und Baumbestand aufgelockerten, aufwendigen, zumeist zweigeschossigen und stilistisch einheitlichen Wohnbauten Mathias-Schleiden-, Theodor-Schwann-, Johannes-Müller- und Xantener Straße/ Riehler Gürtel an, die jeweils - wie auch die Nrn. 145-149 - als Gruppenbauten kleinere Baueinheiten bilden. Das Wohnviertel weist die besonderen Vorzüge der Nähe zu Flora, Botanischem- und Zoologischem Garten und zum Citybereich auf. Die unmittelbare Umgebung prägen die Siedlungsbauten Ecke Riehler Gürtel/Esenbeckstraße in expressionistischen Formen der Zwischenkriegszeit und die Eckbereichsbebauung zur Amsterdamer Straße.

Das Bauensemble zeigt charakteristische Merkmale von Villen in Gruppenbauweise mit Anklängen an expressionistische Siedlungsbauten in Backstein. Das Gebäude 147 ist ein markantes Beispiel für die hohen Ansprüche genügende Baukultur repräsentativer Reihenbauten im dritten Jahrzehnt unseres Jahrhunderts. Es wurde in Einheit mit den Nachbargebäuden (145/149) errichtet; alle drei Häuser weisen eine gleichförmige, symmetrische Behandlung der Fassaden mit Betonung der Außenachsen und der Eingangsbereiche auf. Die künstlerische Gestaltung weist individuelle Gestaltungsdetails einer traditionellen Moderne und einer malerisch bewegten Architektursprache mit zeittypischen Baumerkmalen in expressionistischen Formen auf (Verbindung von Plastik, Tuffstein und Reliefs). Die optisch in der Horizontalen betonten Gebäude zeigen dekorative und repräsentative Formen (Vielfalt der Fensterformen, Mittel- und Eckbetonung an der Schauseite), die gestaltbildend ineinandergreifen und sich dem Vorrang der Architektur in der Gestaltung unterordnen (Schmuckformen: einheitliche Komposition des Gruppenbaus, breitgelagerte kubische Bauform, Sockelbereich verputzt, Einfassung der Öffnungen durch rheinischen Tuffstein, dekorative Fenstergitter in expressionistischen Formen). Die Dachlandschaft mit weit vorkragender Traufkante faßt die einheitlich behandelten Fassaden zusammen. Wesentlicher Bestandteil des ursprünglichen Erscheinungsbilds ist der eingefriedete Vorgarten und der rückwärtige Gartenbereich. Die Gesamtanlage fügt sich harmonisch in die gehobene Wohnhausarchitektur des Straßenzuges, dessen reich dekorierte Baukörper mit Risaliten, Erkern, Balkonen und Ziergiebeln in historisierenden und zeitgemäß modernen Formen und Varianten des Jugendstils dem Wohnviertel sein charakteristisches Gepräge geben. Das Gebäude dokumentiert mit weiteren in der Nachbarschaft anstehenden Gruppenbauten und Siedlungskomplexen in ausgezeichneter Überlieferung das Werk des bedeutenden Architekten Ernst Scheidt. Aufgrund der weitgehenden Erhaltung des Originalzustands, des Treppenhauses, großer Teile der Interieurs und der Fassaden, die individuell gestaltete und zeitgemäß moderne architektonische Formen zeigen, ist das Gebäude für das Erscheinungsbild der Xantener Straße und als Dokument des Sozialstatus der bürgerlichen Bauherrenschaft im dritten Jahrzehnts des 20. Jahrhunderts von hoher Bedeutung.

Das Wohnhaus Xantener Straße 147 ist als zeittypisches Dokument gebauter Architektur ein unverzichtbarer Bestandteil der Kölner Baukunst.

Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0