Wohnhaus

Kriegerplatz 8 · Longerich

Baudenkmalnummer DE_05315000_A_8347
Typ Gebäude-Denkmal
BezeichnungWohnhaus
Adresse Kriegerplatz 8, 50739 Köln
Baujahrum 1870
Eigentumprivates Eigentum
Eingetragen seit 31.08.1998
Stadtteil Longerich

Um 1870; kleines, eingeschossiges Landarbeiterhaus, Satteldach.

Giebelfassade, Rückfront: backsteinsichtige Giebelseiten, verputzter Sockel, segmentbogige Öffnungen, Stürze und Fensterbänke in Rollschichtmauerwerk, je 2 Fenster im Erdgeschoß (erneuert, rückwärtig zugesetzt), Giebel mit abgerundetem Ansatz, leicht über Dach geführt (Rollschichtmauerwerk), Südgiebel mit einem Fenster (erneuert), 2 Maueranker, Nordgiebel mit Kamin (erneuert, ebenso Dachstuhl, Eindeckung und Verblechung).

Längswände: backsteinsichtig, 3 Achsen (Mittelachse: erneuerte Haustür, je seitlich ein Fenster, erneuert, rückwärtig zugesetzt), segmentbogige Öffnungen, Stürze und Fensterbänke in Rollschichtmauerwerk, leicht gestuftes Traufgesims.

Inneres: halbseitig unterkellert; Mittelflur mit seitlicher Treppe (erneuert), jeweils beidseitig 2 Räume (z. T. neu abgeteilt, Fußböden und Türen erneuert, Decken verkleidet), Dachraum (ausgebaut).

Das o. g. Objekt - hier die Außenwände und der Keller - ist ein Baudenkmal im Sinne von § 2 Abs. 1 und 2 des Denkmalschutzgesetzes (DSchG NW). Das für die Qualifizierung als Baudenkmal notwendige Interesse ist gegeben, da dieses Denkmal bedeutend für den Stadtteil Longerich der Stadt Köln ist, als auch städtebauliche Gründe für seine Erhaltung und Nutzung vorliegen. Das ergibt sich aus Folgendem:

Als dörfliche Siedlung war Longerich über Jahrhunderte hinweg von Landwirtschaft geprägt. Zeugnisse dieser dörflichen Vergangenheit stellen noch heute das unregelmäßige Straßennetz und eine weitgehend dörflich geprägte Parzellierung dar, vom Baubestand des alten Dorfes Longerich selbst haben sich jedoch nur noch Reste erhalten. Landwirtschaftliche Nutzbauten sind aus dem Ortsbild fast gänzlich verschwunden.

Zu den selten erhaltenen dörflichen Bauten des "alten" Longerich zählt das Haus Merkenicher Str. 176, da - zusammen mit einer kleinen Gruppe anderer Häuser - noch eine Vorstellung von einer dörflichen Struktur in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts vermittelt. In seiner schlichten baulichen Ausgestaltung, aber auch in seiner Proportionierung, zeugt es noch heute von der komplexen sozialen Schichtung des dörflichen Wohnens und Arbeitens. Bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts, wenige Jahrzehnte später, hatte das Bauen in Longerich deutlich städtischere Formen angenommen: sichtbar vollzog sich somit der Wandel vom Dorf hin zum (Wohn-)Vorort, der 1888 durch die Eingemeindung Longerichs nach Köln festgeschrieben worden war. Eine Besonderheit stellt die Ausbildung der Giebel dar: Offenbar in Anlehnung an alte lokale bzw. regionale Vorlieben wurden die Giebel durch Rollschichtmauerwerk über Dach geführt und dabei der Giebelansatz leicht ausgerundet. Grundmodell dieser spezifischen Bauform ist der seit dem 17. Jahrhundert im Kölner Raum populäre sog. Ohrengiebel, der hier eine späte und bezeichnenderweise reduzierte Ausformung erfahren hat. Als seltenes bauliches Dokument des "alten" Dorfes Longerich und als Beleg für die Vitalität älterer regionaler Bautraditionen ist das Landarbeiterwohnhaus Kriegerplatz 8 daher aus ortsgeschichtlichen und ortsbaugeschichtlichen Gründen bedeutend für die Stadt Köln.

Eine besondere städtebauliche Qualität besitzt das Haus Kriegerplatz 8 zusammen mit dem benachbarten Baudekmal Kriegerplatz 10, die als bauliche Zeugnisse einer Epoche hier in unmittelbarer Nachbarschaft überliefert sind. Gemeinsam zeugen sie insbesondere von der dorftypischen Maßstäblichkeit der Kleinwohnhäuser, die - gerade auch in der Gegenüberstellung mit den großen Höfen (z. B. der Mühlenhof oder der Balsamhof) - wesentlich zur baulichen Vielfalt der ursprünglichen Dorfstruktur beitrugen.

Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0