Wohnhaus
Enckestraße 2 · Lindenthal
| Baudenkmalnummer | DE_05315000_A_8378 |
|---|---|
| Typ | Gebäude-Denkmal |
| Bezeichnung | Wohnhaus |
| Adresse | Enckestraße 2, 50935 Köln |
| Baujahr | 1957 |
| Eigentum | privates Eigentum |
| Eingetragen seit | 17.11.1998 |
| Stadtteil | Lindenthal |
1957 erbaut, Architekt: Joachim Schürmann; um 1967 teilweise verändert unter Wahrung des baulichen Charakters (Architekt: J. Schürmann); freistehendes Einfamilienhaus mit integriertem Büro auf L-förmigem Grundriß; eingeschossig mit Flachdach, teilweise unterkellert; Stahlskelettkonstruktion mit Ausfachungen aus Gasbetonstein, außen verschiefert bzw. mit Holz (Tanne/Fichte) verschalt; tragende mittlere Innenmauern aus Kalksandstein; Dachkonstruktion mit unterseitig verputzten Platten aus Schilfrohr, Kellerdecke aus Stahlbeton; bandartige und raumhohe großflächige Fensteröffnungen, Fenster aus Stahl (teilweise Glaslamellenfenster, Glastüren) weitgehend original, teilweise Schiebefenster und -türen in Aluminium erneuert; Hauseingang auf der Nordseite original mit Treppenaufgang aus Natursteinstufen zum Podest mit Natursteinbelag, unterseitig holzverschaltem Vordach und zwei holzverschalten Haustürflügeln mit entgegengesetztem Anschlag; durch die Flachdachkonstruktion an die Flügel des Hauses angebundene Sitzplätze mit Bodenbelag aus Betonplatten, auf der Westseite überdacht (teilweise nachträglich durch Verglasung geschlossen), auf der Südseite offen (zur Hälfte mit pergolaartiger Holzkonstruktion überdeckt), dort anschließender Garagenbau mit Holztor und rückseitigem, nachträglich umgebauten Abstellraum.
Im Inneren denkmalrelevant: Wände glatt verputzt bzw. mit Holz (Lärche/Oregon Pine) verkleidet, Kellertreppe aus Beton mit holzbelegten Stufen, Einbauschrank aus Holz im Dielenbereich, Innentüren aus Holz bzw. Glas, heller Natursteinboden in den Wohnräumen (ursprünglich Linoleum); teilweise veränderte Grundrißstruktur im nördlichen Flügel (an der Bachemer Straße) durch Abtrennung zusätzlicher Räume bzw. Entfernung von Zwischenwänden.
Bestandteil des Denkmals ist auch die zum Haustyp gehörige Gartenfläche, der ursprünglich ohne Einfriedung das Haus umgebende Vorgarten und der rückwärtige Garten mit großer Rasenfläche und vorwiegend randlicher und unregelmäßiger Anordnung von Büschen und Bäumen. Die später errichtete Pergola ist nicht Bestandteil des Denkmals.
Die Entwicklung des Kölner Stadtteils Lindenthal aus einer Vielzahl unterschiedlich großer Dörfer zu einem geschlossenen Vorort begann in den 1840er Jahren, als an der Dürener Straße ein bislang unbebautes Areal für Wohnhäuser erschlossen wurde. Da es kaum Ziegeleien und Industriebetriebe wie in anderen Randgebieten Kölns gab und schon von Anfang an eine starke Durchgrünung bestimmend war, setzte in Lindenthal bereits vor der Eingemeindung 1888 eine Villenbebauung für wohlhabende Kölner Bürger ein, die ihren Höhepunkt kurz nach der Jahrhundertwende erreichte, nachdem sich die Anlegung des Stadtwaldes in den Jahren 1895 bis 1898 begünstigend ausgewirkt hatte. So war Lindenthal neben Marienburg und in den 1920er Jahren Braunsfeld bevorzugtes Wohngebiet Kölns. Zugleich blieb das Bild Lindenthals sehr vielseitig und weist neben den reinen Villengebieten auch ländliche und vorstädtische Bereiche mit sehr schlichter Bebauung auf. Auf die Struktur des Stadtteils hat sich die in den 1930er Jahren hierhin verlegte Universität zunehmend prägend ausgewirkt.
Das o. g. Haus Enckestr. 2 gehört zur Erstbebauung eines in der Nachkriegszeit erschlossenen Wohnviertels. Seit etwa 1950 wurde für den Ausbau des westlichen Lindenthal Siedlungsland genutzt, das ehemals zu den umfangreichen Ländereien des Decksteiner Hofes gehört hatte, der um 1900 durch Brand vernichtet und in der Folgezeit zugunsten eines großen Ausflugslokals mit Vergnügungspark, der "Decksteiner Mühle", aufgegeben worden war.
Bereits in den frühen 1950er Jahren war das Gebiet zwischen dem Friedhof im Süden und der verbreiterten Bachemer Straße im Norden bebaut worden. Die von der Bachemer Straße südlich abzweigende, neu angelegte Enckestraße war 1956 zunächst einseitig mit ungeraden Hausnummern bebaut, in den folgenden Jahren bis 1959 wurden auch die Häuser mit geraden Nummern errichtet, zu denen das o. g. Objekt gehört. Westlich von diesen Bauten bis zur Militärringstraße füllte sich das Areal erst allmählich mit freistehenden Einfamilienhäusern.
Das 1957 errichtete Gebäude entstand nach Plänen des Kölner Architekten Joachim Schürmann als dessen eigenes Wohnhaus. Innerhalb seines Oeuvres ist es das erste Einfamilienhaus, das Schürmann in einer neuartigen, ihm eigenen Konstruktionsweise entworfen hat. Bereits in der Frühphase seiner Tätigkeit entwickelte der 1926 geborene Architekt, der seit 1956 selbständig in Köln arbeitete, ein in konstruktiver wie gestalterischer Hinsicht für ihn charakteristisches architektonisches Grundkonzept, das auf der kubischen quadratischen Form beruht. Das o. g. Haus vertritt in eindrucksvoller Weise die für Schürmann bezeichnende Formensprache, die sich in einer schlichten, für die 1950er Jahre typischen stilistischen Richtung am "Neuen Bauen" der 1920er Jahre orientiert. Schürmanns Auffassung sorgte im damaligen Wohnhausbau für Aufsehen, fand jedoch in den Folgejahren mit den beiden ebenfalls von ihm entworfenen Kölner Einfamilienhäusern Dr. Gold in Lindenthal und Dr. Gross in Müngersdorf weitere Umsetzung in gebaute Architektur.
Das o. g. Gebäude war gewissermaßen die Keimzelle des Architekturbüros Schürmann. In das Wohnhaus für das Architektenehepaar und seine Kinder war das Büro mit einigen Mitarbeitern integriert. Durch die auf L-förmigem Grundriß angeordneten zwei Flügel wurde eine einfache Trennung in zwei Bereiche für Wohnen und Arbeiten ermöglicht. Zugleich fand jedoch durch die Zusammenfassung unter einem Dach ein fließender Übergang zwischen beiden Nutzungsarten statt. Durch die Verwendung variabler Elemente ergab sich die Möglichkeit der großzügigen Öffnung von Räumlichkeiten untereinander, so daß gemeinsames wie separiertes Wohnen und damit eine flexible Nutzung erreicht wurde. Dem Funktionsziel der Offenheit folgte auch die Einbeziehung des umgebenden Grüns durch großflächige Verglasungen auf der Rückseite, auf der die Wohnräume liegen. Straßenseitig sind die Fassaden geschlossener gestaltet; entsprechend war dort die Anordnung von Arbeitsräumen vorgesehen.
Die Offenheit ist Resultat der auf das Wesentliche reduzierten, lichten Bauart. Bewußt ist die massive Bauweise auf ein Minimum beschränkt. Im Vordergrund steht die Sichtbarkeit der Konstruktion, die ihre gestalterischen Qualitäten auch aus den verwendeten Materialien bezieht. Das für ein Wohnhaus unübliche und weitgehend sichtbar belassene Stahlgerüst aus Industrieprofilen kontrastiert mit den klar gegeneinander gesetzten Wand- und Glasflächen.
Da die ursprüngliche Planung bereits auf Variabilität hin angelegt war, entspricht eine zwischenzeitlich teilweise erfolgte Umnutzung von Räumen in neuen Funktionen und eine damit verbundene leicht geänderte Grundrißstruktur gegenüber dem Ursprungszustand durchaus dem intendierten Charakter der Architektur und stellt keinen nachhaltig die Denkmaleigenschaft mindernden Eingriff dar.
Dank seines weitgehend in originaler Substanz erhaltenen Erscheinungsbildes dokumentiert das o. g. Haus Enckestr. 2 als ein bedeutendes frühes Werk des bekannten Architekten Joachim Schürmann die Ausbauphase Lindenthals nach 1945. Dem Straßenbild fügt sich das Gebäude in unaufdringlicher Weise ein, begründet durch seine Eingeschossigkeit und seinen für den Stil der 50er Jahre bezeichnenden baulichen Charakter, der von Leichtigkeit und Einbindung in die umgebende Natur geprägt ist. Es ist aus den genannten Gründen als unverzichtbares Baudenkmal unbedingt zu erhalten.
Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0