Wohnhaus
Peter-Kintgen-Straße 2 · Lindenthal
| Baudenkmalnummer | DE_05315000_A_8601 |
|---|---|
| Typ | Gebäude-Denkmal |
| Bezeichnung | Wohnhaus |
| Adresse | Peter-Kintgen-Straße 2, 50935 Köln |
| Eigentum | privates Eigentum |
| Eingetragen seit | 06.01.2003 |
| Stadtteil | Lindenthal |
1959/60 erbaut, Architekt: Joachim Schürmann; freistehendes Einfamilienhaus auf rechteckigem Grundriss; EG ehem. T-förmig eingezogen (1963 verändert, Arch.: Schürmann); zweigeschossiger Holzständerbau mit Flachdach, teilweise unterkellert; Holzfachwerk; außen teilweise verschiefert oder holzverschalt. Innen: Schilfrohrmatten mit Kalkputz; zwei Mauerscheiben aus Schwemmsteinen; Betonfundament, Stahlbetondecke im Keller, Holzbalkendecke im EG, Holzbohlendecke im OG;
Teilweise raumhohe, großflächige Fensteröffnungen; Holzfenster teilweise mit Glaslamellen, Nischen auf jeder Seite mit bündig in der Fassade liegenden, verstellbaren Glaslamellen aus Verbund-Sicherheitsglas mit weißer Zwischenschicht als Sonnenblenden; Haustür (bauzeitlich).
Das Grundstück und das Innere konnte nicht besichtigt werden. Nach Aktenlage Eichenholzleitertreppe mit Sekuritglasgeländer; offener Kamin; Decken und Wände teilweise holzverschalt; Faltwand zwischen Arbeitszimmer und Wohnraum; Keller teilweise 1963 verändert.
Bestandteile des Denkmals:
Garage 1963 (Arch.: Schürmann) mit Rolltor, holzverschalt;
Vorgarten mit Zugang aus unregelmäßigen Betonplatten (vermutlich von 1963), Hecke aus unterschiedlichen Gehölzarten, Großgehölze: Birke, Kastanie, Esche.
Gartenmauer mit kleinen Pflanzflächen zur Bachemer Str. 1967 (Arch.: Schürmann);
Garten im Norden mit Großgehölzen: Zeder, Eiben (Garten konnte nicht besichtigt werden).
Das ergibt sich aus Folgendem:
Die Entwicklung des Kölner Stadtteils Lindenthal aus einer Vielzahl unterschiedlich großer Dörfer zu einem geschlossenen Vorort begann in den 1840er Jahren als an der Dürener Straße ein bislang unbebautes Areal für Wohnhäuser erschlossen wurde.
Schon am Anfang war eine starke Durchgrünung bestimmend und bereits vor der Eingemeindung Lindenthals 1888 setzte eine Villenbebauung für wohlhabende Kölner Bürger ein, die ihren Höhepunkt zu Beginn des 20. Jahrhunderts erreichte, nachdem sich die Anlage des Stadtwaldes in den Jahren 1895-1898 begünstigend ausgewirkt hatte. Auf die Struktur des Stadtteils hatte die in den 1930er Jahren hierhin verlegte Universität außerdem zunehmend prägend Einfluss.
Das o.g. Haus Peter-Kintgen-Str. 2 gehört zur Bebauung eines in der Nachkriegszeit erschlossenen Wohnviertels. Seit etwa 1950 wurde für den Ausbau des westlichen Lindenthal Bereiche genutzt, die ehemals zu den umfangreichen Ländereien des Decksteiner Hofes gehörten, der um 1900 durch Brand vernichtet und in der Folgezeit zugunsten eines großen Ausflugslokals mit Vergnügungspark, der „Decksteiner Mühle“, aufgegeben worden war.
Bereits in den frühen 1950er Jahren war so das Gebiet zwischen dem Friedhof im Südosten und der verbreiterten Bachemer Str. im Norden bebaut worden. Die von der Bachemer Straße südlich abzweigende, neu angelegte Peter-Kintgen-Straße füllte sich in den späten 1950er und 1960er Jahren allmählich mit freistehenden Einfamilien- und Doppelhäusern.
Das 1959/60 o.g. Gebäude entstand nach Plänen des renommierten Kölner Architekten Joachim Schürmann. 1926 in Viersen geboren, studierte er zwischen 1946-49 an der Technischen Hochschule in Darmstadt Architektur. Schürmann eröffnete 1956 in Köln sein eigenes Büro, nachdem er zuvor u.a. bei Theodor Kelter gearbeitet hatte, in dessen Team er als verantwortlicher Planer die Stadtsparkasse in der Komödienstraße entworfen hatte.
Das o.g. Objekt dokumentiert die architektonische Leistung Schürmanns, der in Köln und über die Stadt hinaus als konsequentester Verfechter der Ideen von Mies van der Rohe in den 1950er bis in die 1960er Jahre hinein galt. In diesem Zusammenhang stehen auch sein eigenes, in der Nachbarschaft gelegenes, kurz vorher entstandenes (1956/57) Wohnhaus Enckestr. 2, das jenseits der Decksteiner Str. an der Hans-Driesch-Str. 15 gelegene, im Jahr zwischen diesen beiden Bauten errichtete Wohnhaus sowie die beiden gleichzeitig errichteten anliegenden Wohnhäuser Räderscheidtstr. 1 und 3. Sie alle sind in Skelettbauweise unter Verwendung von viel Glas erstellt.
Die rechteckigen Wandfelder, deren Konstruktion konsequent sichtbar gelassen wurde, bilden das Maß, das die Raumdisposition vorgibt. Die Gefache werden durch raumhohe Glasflächen oder verschiedenartig verkleidete Paneele geschlossen. Bewusst ist die Massivbauweise auf eine Minimum beschränkt.
Bei dem Haus Peter-Kintgen-Str. 2 öffnet sich das Erdgeschoss zu den das Haus umgebenden Freiflächen vollständig. Im Obergeschoss bilden die Fensteröffnungen der Ost- und der Westseite sowie die vier Nischen (Dachterrassen) die Verbindung von Innen und Außen. Diese Offenheit ist das Resultat der auf das Wesentliche reduzierten, lichten Bauart, die auch das umgebende Grün mit in die Architektur einbezieht.
Aus der klar durchdachten Folge von Räumen und Nischen, die man teilweise durch eine Faltwand schließen und öffnen kann, sowie aus der teilweisen Einbeziehung der Außenflächen ergibt sich ein flexibler Grundriss. Eine helle Farbigkeit der Fensterrahmen und Sonnenlamellen kontrastiert mit fast schwarzen Tönen an der Verschalung und am Fachwerk. Monochromie ist eines der charakteristischen Merkmale der Architektur Schürmanns der 1950er Jahre.
Die Besonderheit der genannten Bauten wird durch ihre Häufung gesteigert. Die Bauten Peter-Kintgen-Str. 2 und Räderscheidtstr. 1 und 3 sind als Ensemble zudem in ihrem Nebeneinander aufeinander abgestimmt und werden in zeitgenössischen Publikationen zusammen erläutert. Sie hatten somit als niedriges Gebäudeensemble eine besondere Wirkung auf die damaligen Architekten.
Das Haus Peter-Kintgen-Str. 2 ist daher nicht nur aus wissenschaftlichen, hier architekturhistorischen Gründen ein bedeutendes Werk des Architekten Schürmann, sondern bildet darüber hinaus mit den weiteren genannten avantgardistischen Bauten ein in den damaligen Publikationen viel zitiertes Vorbild für das lichte Bauen der 50er Jahre im Sinne Mies van der Rohes.
Dank seiner weitgehend erhaltenen originalen Substanz ist das Haus Peter-Kintgen-Str. 2 ein bedeutendes Werk des bekannten Architekten Joachim Schürmann und dokumentiert die Ausbauphase Lindenthals nach 1945. Es ist aus geschichtlichen, wissenschaftlichen, städtebaulichen und künstlerischen Gründen zu erhalten.
Literatur
Schürmann – Entwürfe und Bauten, hrsg. von Ingeborg Flagge, Tübingen, Berlin 1997, S. 34f, S. 207.
Bauen + Wohnen, 1963, S. 260-264.
Deutsche Bauzeitung 1963.
Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0