Wohnhaus

Lessingstraße 35 · Ehrenfeld

Baudenkmalnummer DE_05315000_A_8493
Typ Gebäude-Denkmal
BezeichnungWohnhaus
Adresse Lessingstraße 35, 50825 Köln
Baujahr1889 bis 1890
Eigentumprivates Eigentum
Eingetragen seit 07.11.2000
Stadtteil Ehrenfeld

Traufständiges Wohnhaus, errichtet 1889/90, auf rechteckigem Grundriss

3 Geschosse, 4 Achsen, zweifarbige Backsteinfassade, linke Achse durch dunklere Backsteinrahmung betont; Satteldach.

Im EG Putzsockel, in den Achsen kleine querrechteckige Kellerfenster.

Fassade durch Gesimse gegliedert.

Hochrechteckige, erneuerte Fenster mit Segmentbogenverdachungen.

Veränderte Hauseingangstüre mit Oberlicht.

Rückseitige Fassade: Backsteinsichtig, zweiachsig; Treppenhaus in den Hof vorgezogen; Fenster verändert.

Über Treppenhausausgang Backsteinmedaillon.

Zum Denkmal gehörend: Innenhof mit umgrenzender Backsteinmauer (mit Türdurchbruch zum Nachbargrundstück Nr. 33).

Eine Besichtigung des Hausinneren sowie der rückseitigen Fassade wurde trotz vorheriger schriftlicher Anfragen nicht ermöglicht. Aufgrund des äußeren Erscheinungsbildes sind im Innern originaler Fliesenfußboden im Eingangsbereich, eine hölzerne Treppe sowie tragende Wände und Geschossgliederung wahrscheinlich vorhanden. Ob der im Hof befindliche Schuppen denkmalwert ist, konnte nicht ermittelt werden.

Das o. g. Objekt ist ein Baudenkmal im Sinne des § 2 Abs. 1 und 2 des Denkmalschutzgesetzes (DSchG NW). Das für die Qualifizierung als Baudenkmal notwendige öffentliche Interesse ist gegeben, da dieses Denkmal sowohl bedeutend für die Geschichte des Menschen und für Städte und Siedlungen ist als auch wissenschaftliche und städtebauliche Gründe für seine Erhaltung und Nutzung vorliegen. Das ergibt sich aus Folgendem:

Die Anfänge des heutigen Stadtbezirkes Ehrenfeld liegen im wesentlichen in der Mitte des 19. Jahrhunderts, als es infolge knapper werdender Grundstücke innerhalb des Kölner Mauerringes im Jahre 1845 zur Gründung einer Siedlung im Ehrenstraßen-Feld kam, die es auch weniger bemittelten Bürgern ermöglichen sollte, außerhalb der Ringmauer ein eigenes Haus zu bauen. Durch industrielle Ansiedlung gewann der Ort rasch an Bedeutung, so dass 1863 eine Eisenbahn-Güterstation und eine Post- und Telegraphenstation errichtet wurden.

Bereits 1867 ging aus den mittlerweile entstandenen Ortschaften Ehrenfeld und Subbelrath die selbständige Gemeinde Ehrenfeld hervor, die mit den bald darauf fertiggestellten Kirchenbauten (1873 die katholische Pfarrkirche St. Joseph; 1876 die evangelische Friedenskirche), den beiden 1874 eröffneten Schulen und der 1878 erfolgten Inbetriebnahme der Pferdebahn Ehrenfeld-Köln eine funktionsfähige Struktur aufweisen konnte. Dieser dynamische Entwicklungsprozess trug der Gemeinde Ehrenfeld von 1875 bzw. 1879 bis zur im Jahre 1888 erfolgten Eingemeindung nach Köln sogar die vollen preußischen Stadtrechte ein.

Das Haus Lessingstraße 33 ist bedeutend für die allgemeinhistorische, sozial-, wirtschafts- und baugeschichtliche Entwicklung Ehrenfelds in der Industrialisierungsepoche, da es die Erstbebauung dieses ersten linksrheinischen Vororts/Stadtteils im letzten Quartal des 19. Jahrhunderts (unterschiedliche große Häuser für niedrige Wohnansprüche) dokumentiert. Die systematische Erschließung des Viertels nördlich der Venloer Straße seit den 1870er Jahren wurde zunächst durch die Nachbarschaft zu den zahlreichen großen Industriegebieten im Süden der Venloer Straße bestimmt. Der eigentliche Siedlungsansatz nördlich der Eisenbahnlinie begann 1872 mit der Anlage der Sennefelder Straße durch den Ziegeleibesitzer Julius Harff, der das Gelände parzellierte und auf der gen Bickendorf gewandten Seite die ersten 14 Häuser errichten ließ. Andere Ziegeleibesitzer folgten seinem Beispiel und legten die Parallelstraßen Schönstein-, Platen- (ehem. Kayserstraße) und Lessingstraße (ehem. Victoriastraße) an. Als Verbindung zwischen den genannten Straßen entstand die Marienstraße, die zunächst im Bereich zwischen Leyendecker- und Lessingstraße bebaut wurde. Entsprechend können die beiden im Jahre 1877 aufgeführten Gebäude, das von der Ehrenfelder Malzfabrik Asbach & Timmer errichtete Eckgebäude Lessingstraße 9 und die Nachbargebäude Lessingstraße 11, als zwei der ältesten Bauten des Quartiers gelten.

Das Haus Lessingstraße 35, erbaut unmittelbar nach der Eingemeindung Ehrenfelds nach Köln, orientiert sich mit seiner – wenngleich bereits aufwendiger gestalteten - Backsteinfassade noch am typischen Erscheinungsbild der Wohnhäuser der frühen Ausbauphase der Lessingstraße, die noch in engem Zusammenhang mit den Ehrenfelder Ziegeleien stand, so dass das o.g. Haus als unmittelbarer Zeuge für die Entwicklung Ehrenfelds dient.

Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0