Wohnhaus

Lessingstraße 33 · Ehrenfeld

Baudenkmalnummer DE_05315000_A_8492
Typ Gebäude-Denkmal
BezeichnungWohnhaus
Adresse Lessingstraße 33, 50825 Köln
Baujahrum 1900
Eigentumprivates Eigentum
Eingetragen seit 07.11.2000
Stadtteil Ehrenfeld

Traufständiges Wohnhaus, erbaut um 1900, auf L-förmigem Grundriss;

drei Geschosse, drei Achsen; Satteldach mit je zwei neuen Dachflächenfenstern; Traufgesims; ausgebautes Dachgeschoss.

Stuckfassade im Stil des Historismus (mit gotisierenden Elementen) mit horizontalem Fugenschnitt im 1. u. 2. OG.

Über dem rustizierten EG Gurtgesims; im 1. u. 2 OG markante Sohlbankgesimse.

Modernisierte Fenster: im EG Segmentbogenfenster, hölzerne Schlagläden (nicht original); im 1. u. 2. OG hochrechteckig.

Im 1. OG aufwendige Stuckrahmungen: Vorhangbögen mit bekrönenden Kreuzblumen.

über Hauseingangstür (verändert, mit Oberlicht) Medusenhaupt als Schlussstein.

Gewölbekeller mit Lehmboden

Im Innern: Im Treppenhaus Holztreppe mit hölzernen Podesten, Holzgeländer mit gedrechselten Stäben teilweise erhalten; neuere steile Holztreppe mit gekrümmtem Lauf ins ausgebaute DG.

Wohnungseingangstüren verändert, Türlaibungen teilweise erhalten

Rückseite: Backsteinsichtiger Anbau mit veränderten Fenstern.

Nicht zum Denkmal gehörig: je ein kleiner Schuppen am Anbau und an der Hofseite des Haupthauses

Das o.g. Objekt ist ein Baudenkmal im Sinne des § 2 Abs. 1 und 2 des Denkmalschutzgesetzes (DSchG NW). Das für die Qualifizierung als Baudenkmal notwendige öffentliche Interesse ist gegeben, da dieses Denkmal sowohl bedeutend für die Geschichte des Menschen und für Städte und Siedlungen ist als auch wissenschaftliche und städtebauliche Gründe für seine Erhaltung und Nutzung vorliegen. Das ergibt sich aus Folgendem:

Die Anfänge des heutigen Stadtbezirkes Ehrenfeld liegen im wesentlichen in der Mitte des 19. Jahrhunderts, als es infolge knapper werdender Grundstücke innerhalb des Kölner Mauerringes im Jahre 1845 zur Gründung einer Siedlung im Feld vor dem Ehrentor kam, die es auch weniger bemittelten Bürgern ermöglichen sollte, außerhalb der Ringmauer ein eigenes Haus zu bauen. Durch industrielle Ansiedlung gewann der Ort rasch an Bedeutung, so dass 1863 eine Eisenbahn-Güterstation und eine Post- und Telegraphenstation errichtet wurden. Bereits 1867 ging aus den mittlerweile entstandenen Ortschaften Ehrenfeld und Subbelrath die selbständige Gemeinde Ehrenfeld hervor, die mit den bald darauf fertiggestellten Kirchenbauten (1873 die katholische Pfarrkirche St. Joseph; 1876 die evangelische Friedenskirche), den beiden 1874 eröffneten Schulen und der 1878 erfolgten Inbetriebnahme der Pferdebahn Ehrenfeld-Köln eine funktionsfähige Struktur aufweisen konnte. Dieser dynamische Entwicklungsprozess trug der Gemeinde Ehrenfeld ab 1875 bzw. 1879 sogar die vollen preußischen Stadtrechte ein. 1888 wurde Ehrenfeld nach Köln eingemeindet.

Das Haus Lessingstraße 33 ist bedeutend für die allgemeinhistorische, sozial-, wirtschafts- und baugeschichtliche Entwicklung Ehrenfelds in der Industrialisierungsepoche, da es die Bebauung dieses ersten linksrheinischen Vororts/Stadtteils im letzten Quartal des 19. Jahrhunderts (unterschiedliche große Häuser für niedrige und einfache Wohnansprüche) dokumentiert. Die systematische Erschließung des Viertels nördlich der Venloer Straße seit den 1870er Jahren wurde zunächst durch die Nachbarschaft zu den zahlreichen großen Industriegebieten im Süden der Venloer Straße bestimmt. Der eigentliche Siedlungsansatz nördlich der Eisenbahnlinie begann 1872 mit der Anlage der Sennefelder Straße durch den Ziegeleibesitzer Julius Harff, der das Gelände parzellierte und auf der gen Bickendorf gewandten Seite die ersten 14 Häuser errichten ließ. Andere Ziegeleibesitzer folgten seinem Beispiel und legten die Parallelstraßen Schönstein-, Platen- (ehem. Kayserstraße) und Lessingstraße (ehem. Victoriastraße) an. Als Verbindung zwischen den genannten Straßen entstand die Marienstraße, die zunächst im Bereich zwischen Leyendecker- und Lessingstraße bebaut wurde. Entsprechend können die beiden im Jahre 1877 aufgeführten Gebäude, das von der Ehrenfelder Malzfabrik Asbach & Timmer errichtete Eckgebäude Lessingstraße 9 und die Nachbargebäude Lessingstraße 11, als zwei der ältesten Bauten des Quartiers gelten.

Das Haus Lessingstraße 33 wurde um 1900 erbaut, also nach der Eingemeindung nach Köln. Seine Fassade weist nun bereits eine aufwendigere Gestaltung auf:, die sich mit der augenfälligen Betonung des 1. OG eindeutig am Kölner Vorbild orientiert. Die innere Gestaltung und Ausstattung hingegen blieb weiterhin bescheiden in der Tradition der Erstbebauung des Quartiers. Das Haus ist somit ein Dokument der Entwicklungsgeschichte Ehrenfelds. Seine Erhaltung ist daher auch aus wissenschaftlichen Gründen unverzichtbar.

Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0