Wohnhaus
Siebachstraße 76 · Nippes
| Baudenkmalnummer | DE_05315000_A_8498 |
|---|---|
| Typ | Gebäude-Denkmal |
| Bezeichnung | Wohnhaus |
| Adresse | Siebachstraße 76, 50733 Köln |
| Baujahr | 1887 bis 1888 |
| Eigentum | privates Eigentum |
| Eingetragen seit | 18.12.2000 |
| Stadtteil | Nippes |
Errichtet 1887/88 auf L-förmigem Grundriss.
2 Geschosse, 3 Achsen, ausgebautes DG mit zwei Dachflächenfenstern straßenseitig und einer originalen großen, zweifenstrigen (Rundbogen) Gaube mit Satteldach in der Mittelachse; Rundstab (Formziegel-) Rahmung der Gaubenfront in Anlehnung an Ädikulaformen.
Klinkerfassade in Rot mit Gliederungen in Gelb bzw. Kombinationen von Rot und Gelb. Schlichte, aber effektvolle Dekoration mit Stockwerks- und Traufgesimsband, Traufgesimsfries in Gestalt eines "Deutschen Bandes".
Segmentbogen-Fenster mit modernisierten, am Originalzustand orientierten Rahmen (Kunststoff) mit Oberlichten.
Haustüre original mit Fenster und Ziergitter; Oberlicht.
Im Innern:
Im Vestibül originale Bodenfliesen; Stützbogen; hölzerne Treppe mit Antrittspfosten und gedrechselten Stäben, hölzernem Handlauf, hölzernen Podesten, hölzernen Sockelleisten;
originale Wohnungseingangstüren (Laibungen und Türblätter).
Rückseite:
Backsteinsichtig, Fenster teilweise original, sonst in Kunststoff erneuert.
Backsteinsichtiger niedriger zweigeschossiger Anbau mit veränderten Fenstern und modernisierter Türe.
Nicht zum Denkmal gehörend:
An das Haupthaus angebauter kleiner Schuppen im Hof.
Das o.g. Objekt ist ein Baudenkmal im Sinne des § 2 Abs. 1 und 2 des Denkmalschutzgesetzes (DSchG NW). Das für die Qualifizierung als Baudenkmal notwendige öffentliche Interesse ist gegeben, da dieses Denkmal sowohl bedeutend für die Geschichte des Menschen und für Städte und Siedlungen ist als auch wissenschaftliche und städtebauliche Gründe für seine Erhaltung und Nutzung vorliegen. Das ergibt sich aus Folgendem:
In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts entwickelte sich die bislang dörfliche Siedlung Nippes – mit der Bürgermeisterei Longerich nach Köln eingemeindet 1888 - zu einem bedeutenden Industriestandort. Südlich der Zentral-Eisenbahnwerkstätten entstand seit den 1860er Jahren das neu Arbeiterviertel "Sechzig", als dessen östlichste Straße um 1870 die Siebachstrasse angelegt wurde. Die das heutige Erscheinungsbild der schmalen Straße prägenden schlichten Wohn- und Geschäftshäuser des 19. Jahrhunderts stammen aber fast alle nicht aus der Frühzeit der "Sechzig", sondern aus den 1880er und 1890er Jahren. So entstanden in den Jahren 1887/88 auf der rechten Straßenseite zwischen Cranach- und Steinberger- bzw. zwischen Steinberger- und Wilhelm-Straße die zweigeschossigen Dreifensterhäuser Nr. 56-64 und 76-82, deren erste Bewohner - überwiegend Handwerker, Arbeiter, kleine Angestellte und Beamte, zu jeweils zwei bis drei Parteien pro Haus - direkt oder indirekt von den Zentral-Eisenbahnwerkstätten lebten.
Die schmucken Fassaden in gelben und roten Klinkern (heute z.T. angestrichen) mit der charakteristischen, Ädikula-Formen aufnehmenden Mittelgaube sind in beiden Ensembles nach einem einheitlichen Entwurf gestaltet, weichen bei jeweils gleicher Trauf-, Gesims- und Fensterhöhe nur im Zierrat geringfügig voneinander ab, wobei die Reihe Nr. 76-82 insgesamt aufwendiger dekoriert ist.
Das Haus Siebachstr. 76, bis auf kleine Unterschiede der Dekoration identisch mit seinen Nachbarn, ist ein unverzichtbarer Bestandteil dieses im Erscheinungsbild der Straßenpartie zwischen Steinberger- und Wilhelmstraße dominierenden, trotz nachteiliger Veränderungen (v.a. Fensteraustausch und bei Nr. 78 der Anstrich) im ganzen recht gut erhalten gebliebenen Ensembles.
Zugleich ist das Haus ein wertvolles Dokument der langwierigen Entstehungsgeschichte des Quartiers um die Wilhelmstraße. Angelegt 1873/74, also eine der alten Straßen des modernen Nippes, hatte die ursprüngliche Wilhelmstraße lediglich Niehler und Neusser Straße miteinander verbunden. Erst Ende der 1890er Jahre begann der Ausbau einer Verlängerung über die Neusser Straße hinaus bis hin zur Merheimer Straße. Als letztes Stück entstand die Partie zwischen der seit 1900 als breite Alleestraße gestalteten Kempener und der Siebachstrasse. Da diese aber in Höhe der neu anzulegenden Querstraße bereits geschlossen bebaut war, musste mindestens ein Haus weichen: 1905 wurde [Siebachstrasse] Nr. 84 abgebrochen.
Das Haus Siebachstrasse 76 ist somit aus ortsgeschichtlichen, städtebaulichen und architekturgeschichtlichen Gründen zu erhalten.
Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0