Wohnhaus
Rembrandtstraße 10 · Nippes
| Baudenkmalnummer | DE_05315000_A_8522 |
|---|---|
| Typ | Gebäude-Denkmal |
| Bezeichnung | Wohnhaus |
| Adresse | Rembrandtstraße 10, 50733 Köln |
| Baujahr | um 1905 |
| Eigentum | privates Eigentum |
| Eingetragen seit | 07.03.2001 |
| Stadtteil | Nippes |
Erbaut um 1905 (Eckhaus zur Menzelstraße), 3 Geschosse, 3:1:3 Achsen, abgeschrägte Ecke.
Stuckfassade mit Fugenschnitt, in Stuck angedeutetem Quaderwerk und teilw. aufwendigen Dekorationen im Jugendstil. Gurtgesims zw. EG und 1. OG.
Rundbogenfensteröffnungen, teilweise mit Pfosten aus stuckverziertem Stein unterteilt (Rahmen modernisiert, Oberlichter geschlossen); teilweise orig. Brüstungsgitter vor Fenstern erhalten. Zur Rembrandtstraße in linker Achse Blindfenster in 1. u. 2. OG
2 volutenartig überdachte Erker, abgeschrägte Ecke mit Dreiecksgiebelüberdachung.
Ausgebautes Mansarddach mit hohen (Voluten-) Giebelhäusern, einer orig. Gaube (zur Rembrandtstraße) und vier modernen Dachflächenfenstern.
EG mit Putzsockel und orig. Lochblechen vor den 6 Kellerfenstern; Rollläden.
Aufwendige Hauseingangsarchitektur mit einer niedrigen Terrazzo-Stufe zur rundbogigen Eingangsöffnung mit darüber liegendem ovalen Oberlicht; Haustüre original erhalten.
Im Innern:
Im Vestibül original erhalten: aufwendige Jugendstil-Boden- und Wandfliesen sowie reicher Decken- und Wandstuck, Stützbogen. Treppenanlage: Terrazzotreppe mit hölzernem Geländer (Antrittspfosten, Handlauf, gedrechselte Stäbe), Terrazzopodeste mit eingelegten s/w-Fliesen. Im Treppenhaus über Sockel profilierte Stuckleiste bis ins DG.
Wohnungseingangstüren verändert; Decken abgehängt.
Rückseite:
Backsteinsichtig mit farbiger Klinkergliederung; ältere Treppenhausfenster mit Oberlichten; sonst Fenster modernisiert.
Das o.g. Objekt ist ein Baudenkmal im Sinne des § 2 Abs. 1 und 2 des Denkmalschutzgesetzes (DSchG NW). Das für die Qualifizierung als Baudenkmal notwendige öffentliche Interesse ist gegeben, da dieses Denkmal sowohl bedeutend für die Geschichte des Menschen und für Städte und Siedlungen ist als auch wissenschaftliche und städtebauliche Gründe für seine Erhaltung und Nutzung vorliegen. Das ergibt sich aus Folgendem:
Im Gebiet des heutigen Stadtteils Nippes sind Ansätze industrieller Produktion bereits ab 1800 nachweisbar: Diese Entwicklung setzte sich in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts fort und ließ den 1888 nach Köln eingemeindeten Stadtteil zu einem wichtigen Industriestandort mit rapide wachsender Bevölkerungszahl werden (Einwohnerzahl 1855: 496, 1875: 7.728, 1890: 16.210, 1900: 27.045). Die Neusser Straße, eine ursprünglich römische Straße, gewann durch die neuen Fabrikstandorte Bedeutung für den sich ausweitenden Vorort. Seit der Mitte des 19. Jahrhunderts wuchs der Ort, dessen Hauptverkehrsachsen die Mauenheimer-, Merheimer- und Niehler Straße bildeten, rasch an. Diese Entwicklung ist begründet in der räumlichen Nähe zur Kölner Innenstadt und in der verkehrsgünstigen Anbindung durch einen eigenen Bahnhof. Es entstanden neue Wohnbereiche beiderseits der Kempener Straße (um die damals errichteten Kirchenbauten St. Marien und die Lutherkirche).
Im wesentlichen prägen bis 1900 entstandene zwei- bis dreigeschossige, oft drei Fenster breite Wohnhäuser in Backstein mit sparsamen Dekorationsformen, und bis ins frühe 20. Jahrhundert geschaffene drei- bis viergeschossige Bauten mit teilweise reich dekorierten Stuckfassaden den Stadtteil. Westlich der Achse der ehemaligen Bahnlinie Köln-Neuss-Krefeld, der heutigen Kempener Straße, entstand im Zuge der 1859/60 gegründeten zentralen Eisenbahnwerkstätte ein Komplex von Wohnbauten für die dort Beschäftigten. Die Bezeichnung „Sechzig“ für diesen Ortsteil weist auf das zu diesem Zweck erworbene Gelände von 60 Morgen Fläche hin.
Das rasche Bevölkerungswachstum fand seinen Niederschlag auch in der kirchlichen Entwicklung des Ortes, dessen katholische Bewohner noch um 1850 - wie in den Jahrhunderten vor der Reformation die Nippeser Christen überhaupt - zur Pfarre Niehl gehörten. Die 1850-52 errichtete erste Nippeser Kirche, seit 1859 Pfarrkirche St. Marien (heute St. Heinrich und Kunigund), wurde schon 1880-82 durch die größere Marienkirche am Baudriplatz ersetzt; und bereits 1899 wurde der „St. Josephs-Bauverein" gegründet, mit dem Ziel, die auch nach Abtrennung von Riehl (1898/1903) noch etwa 20.000 Seelen umfassende Gemeinde Nippes zu teilen. 1906/1907 entstand südlich des Arbeiterviertels „Sechzig", also im äußersten Süden des Vorortes, nahe dem die Kölner Neustadt begrenzenden Umwallungsgelände, auf dem nach dem Ersten Weltkrieg der innere Grüngürtel entstehen sollte, die Kirche St. Joseph. Sie wurde die städtebauliche Dominante des seit der Zeit des Kirchbaues an den damals angelegten Straßen Josephskirchplatz, Rembrandt-, Menzel-, Lenbach- und Krüthstraße entstehenden neuen Wohngebietes.
Die bis in die unmittelbare Zeit vor dem Ersten Weltkrieg ausgebaute Rembrandtstraße ist eine am Rande des zentralen Ausbaugebietes liegende, rechtwinklig quer zur Hartwich-, Lehnbach- und Menzelstraße verlaufende und auf die Josephskirche führende Wohnstraße. Von der ursprünglichen Bebauung sind heute noch erhalten die zeitgleich entstandenen, unmittelbar anschließenden Häuser Rembrandtstraße 8 und Menzelstraße 11. Die Erhaltung des Hauses Rembrandtstraße 10, ein repräsentativer, stadtbildprägender Eckbau am Kirchplatz mit reichhaltigen inneren und äußeren Dekorationen in Verbindung mit vielfältigen Fensterformen, ist daher aus städtebau- und architekturgeschichtlichen Gründen notwendig.
Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0