Wohnhaus

Platenstraße 41 · Ehrenfeld

Baudenkmalnummer DE_05315000_A_8590
Typ Gebäude-Denkmal
BezeichnungWohnhaus
Adresse Platenstraße 41, 50825 Köln
Baujahr1911
Eigentumprivates Eigentum
Eingetragen seit 05.08.2002
Stadtteil Ehrenfeld

Eckgebäude Platenstraße/ Thielenstraße, erbaut 1911 von Anton Liesemann; 5:1:2 Achsen; traufständiges Wohnhaus mit Ziergiebeln auf winkelförmigem Grundriss; Mansarddach (Dach neu eingedeckt 2001); Gauben; Putzfassade mit Stuckatur in einer Mischung von Neoklassizismus mit geometrischem und floralem Jugendstil. Alle Fenster Anfang der 90er Jahre in Kunststoff erneuert.

An der Platenstraße Anbau der Zwischenkriegszeit mit Pultdach.

Straßenseitige Fassaden (Anfang 90er Jahre renoviert):

Bestimmt durch Gliederung ähnlich einer Kolossalordnung mit horizontal gefugten Lisenen bzw. bandartiger Rahmung und bekrönendem Bogen in den Achsen.

Sockel verputzt; EG: horizontaler Fugenschnitt, durch Sohlbankgesims vom Obergeschoss abgegrenzt; Obergeschosse: Fenster des 1. und 2. OG der beiden äußeren und der mittigen Achse an der Platenstraße sowie der äußeren Achse an der Thielenstraße in Putzblendfeld mit Rundbogen zusammengefasst, zwischen den Fenstern Medaillons.

Zweite äußere Achse an der Platenstraße und innere Achse an der Thielenstraße: Fensteröffnungen mit jeweils tiefer Laibung, sowie kleine Zierbalkone mit aufwendig ornamental gestalteten Brüstungen im 1., 2. OG sowie DG. Treppenhausachse an der Platenstraße: betont durch erkerartigen Vorsprung, welcher das Horizontalgesims zum EG unterbricht, oberhalb der Haustür (original) drei unterschiedlich große Fenster; Fugenschnitt, zwischen den Fenstern ornamental gestaltete Brüstungsfelder. Betonung der beiden linken Achsen an der Platenstraße durch Ziergiebel: zwei Fensteröffnungen, darüber ein von Girlanden gerahmtes Medaillon, Fugenschnitt, zweifach geknickter Giebel. Ziergiebel der inneren Achse an der Thielenstraße: Fugenschnitt, Zierbalkone.

Eckachse mit Giebelhaus; EG: Fugenschnitt, ehem. Eingang vermutlich zur Zigarrenhandlung des Eigentümers, heute geschlossen; Fenster der angrenzenden Achsen ehem. Schaufenster, in den 1960er Jahren verkleinert;

Betonung der Obergeschosse durch horizontal gefugte Lisenen, über den Fenstern im 1. u. 2. OG Stuckmedaillons, im DG über dem von Fugenschnitt und Profilierung eingefassten Dachfenster von Girlanden gerahmtes Medaillon; Ziergiebel mit zweifach geknickter Dachneigung.

Hofseite/ Rückfassaden: 3 Achsen (Thielenstraße; Fassade im EG-Bereich verfliest), backsteinsichtig, Rückfassade zur Platenstraße weitgehend geschlossen mit 1 Fensterachse; Horizontale im 2. Obergeschoss betont durch Backsteinband in gelben und roten Ziegeln (etwa ½ Geschoss breit). Ehem. Segmentbogenfenster, Segmentbogen mit rotem Backstein betont. Jeweils 1 Gaube pro Seite in den Hauptachsen.

Anbau: Straßenseitig: zweigeschossig, EG mit Fugenschnitt und 1 Fenster; OG verputzt, ehem. 2 Fenster, heute geschlossen. Hofseitig: 2 Achsen, originale Holztür.

Im Inneren original erhalten: Grundriss weitgehend; Eingangsbereich: Terrazzofußboden; Treppenhaus: Wandfliesen, Terrazzostufen, hölzerner Antrittspfosten, Holzgeländer mit gedrechselten Stäben;

Teilweise alte Türrahmen, teilweise Fußleisten, im EG 2 Wandschränke (20er/30er Jahre), Badanbau zum Hof, Küche mit originalem Spind. Teilweise, insbes. im EG Deckenstuck (Medaillons in der Mitte der Räume)

Bestandteil des Denkmals ist auch das offene Hofgelände.

Nicht Bestandteil des Denkmals ist die angebaute Terrasse mit Glasüberdachung an der Rückseite zur Thielenstraße.

Das Wohnhaus Platenstraße 41 ist ortsgeschichtlich bedeutend als Beispiel für die Spätphase der Erschließung Ehrenfelds. Platenstraße und Thielenstraße liegen nördlich der Bahnlinie in dem seit den 1870er Jahren als Wohngebiet erschlossenen Vorortbereich, der sich in unmittelbarer Nachbarschaft zu den zahlreichen, großen Industriegebieten im Süden der Venloer Straße befindet. Als um die Jahrhundertwende Alt-Ehrenfeld südl. der Eisenbahnlinie kaum noch Platz zum weiteren Ausbau bot, verdichtete sich die Bebauung nördlich der Bahnlinien und neue Straßen wie Platenstraße und Thielenstraße wurden angelegt.

Das o.g. Objekt ist als Wohn- und Geschäftshaus des Architekten und Bauunternehmers Anton Liesemann und seiner Familie errichtet worden. Vermutlich war Anton Liesemann der Sohn des Maurermeisters und Zigarrenhändlers Wilhelm Liesemann. Wie sein Vater betrieb auch Anton Liesemann eine Zigarrenhandlung. Der ehem. Eingang in der Eckachse und die ehem. Schaufenster weisen darauf hin. Aus wissenschaftlichen, d.h. hier architekturgeschichtlichen Gründen ist das Objekt daher bedeutend.

Die Fassaden des Gebäudes sind aufwendiger gestaltet als die der unmittelbaren Nachbarbebauung, die als Mietstockwerkbau für die in den Produktionsbetrieben arbeitende Bevölkerung errichtet wurde. Dies erklärt sich aus der Bestimmung des Gebäudes (Wohnhaus des Architekten) und der Ecklage.

Es ist ein typisches Zeugnis für die fortschreitende industrielle Expansion Ehrenfelds, auch nach der Jahrhundertwende, und dokumentiert so ein wichtiges Stadium der Kölner Vorortgeschichte.

Städtebaulich bedeutend ist das o.g. Gebäude als Eckhaus eines ähnlich, aber schlichter gestalteten Ensembles entlang der Platen- und der Thielenstraße. Architektonisch ist das Wohnhaus ein wichtiges Beispiel für die verhaltene Übernahme des Historismus/ Neoklassizismus gemischt mit flächigem, geometrischen und floralem Jugendstil.

Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0